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Streit um Flüchtlingsschiff Aquarius eskaliert

An Italian Coast Guard boat approaches the French NGO "SOS Mediterranee" Aquarius ship as migrants are being transferred, in the Mediterranean Sea, Tuesday, June 12, 2018. Italy dispatched t ...
Flüchtlinge besteigen das Schiff «Aquarius», das sie nach Valencia bringen soll.Bild: AP/AP

Streit um Flüchtlingsschiff eskaliert: «Die italienische Position lässt mich kotzen»

13.06.2018, 13:5213.06.2018, 14:02

Der Streit um das Flüchtlingsschiff «Aquarius» eskaliert: Nun hat die italienische Regierung den französischen Botschafter einbestellt.

Chronologie eines Streits:

Das ist passiert:

629 Flüchtlinge harren seit dem Wochenende auf der «Aquarius» im Mittelmeer aus.

epa06802820 A handout photo made available by NGO 'SOS Mediterranee' on 12 June 2018 shows some of the 629 migrants boarding rescue vessel 'Aqarius' in the Mediterranean. The rescu ...
Bild: EPA/SOS MEDITERRANEE
  • Italien und Malta streiten seit Tagen über die Aufnahme von Migranten. Beide Länder sahen am Wochenende jeweils die andere Seite in der Verantwortung und blieben trotz internationalen Drucks unnachgiebig.
  • Daraufhin bot Spanien an, die Menschen aufzunehmen. Das Problem: Die Überfahrt nach Spanien soll wegen Unwetter und Entfernung rund vier Tage dauern. Korsika bot der «Aquarius» deswegen Zuflucht an.

Hilfsorganisationen kritisieren die ausbleibende Unterstützung scharf:

Frankreich mahnt Italiens Regierung ab

  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warf Italien wegen der Weigerung, die Flüchtlinge aufzunehmen, Zynismus und Verantwortungslosigkeit vor. Er appellierte an Italien, das internationale Seerecht zu achten. Es schreibe vor, «dass im Notfall die am nächsten gelegene Küstenregion eine Pflicht zur Aufnahme» von Flüchtlingen habe. Die Zurechtweisung Macrons erfolgte kurz vor dem Antrittsbesuch des neuen italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte am Freitag in Paris.
  • Gabriel Attal, ein Sprecher von Macrons Partei, sagte dem Fernsehsender des französischen Parlaments:
«Die italienische Position lässt mich kotzen.»

Das sagt die italienische Regierung

  • Rom reagierte äusserst verärgert. Der neue italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte teilte mit:
«Italien kann keine scheinheiligen Lehrstunden von Ländern akzeptieren, die es immer bevorzugt haben sich abzuwenden, wenn es um Immigration geht.»
  • Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechten Partei Lega, sagte der Zeitung «Corriere della Sera», dass die Regierung in Rom ihre Haltung nicht ändern werde. «Schiffe, die ausländischen Organisationen gehören und unter fremder Flagge unterwegs sind, können nicht die italienische Einwanderungspolitik diktieren.» Von der französischen Regierung erwartet Salvini nach eigenen Worten eine Entschuldigung.
  • Giuseppe Conte bemängelte die fehlende Solidarität innerhalb Europas. Italien werde mit dem Flüchtlingsproblem allein gelassen, so der neue italienische Ministerpräsident.
  • Aus diplomatischen Kreisen in Rom heisst es, der französische Botschafter Christian Masset werde im Aussenministerium erwartet.

Was passiert jetzt mit den Flüchtlingen?

Am Dienstagabend starteten die «Aquarius» sowie zwei italienische Schiffe in Richtung Valencia in Ostspanien, wie die Organisation SOS Méditerranée mitteilte:

Die Ankunft der Rettungsschiffe wird nun am Samstagabend im spanischen Valencia erwartet. Der genaue Zeitpunkt hängt aber noch von den Wetter- und Meeresbedingungen ab.

Dies sagte Sophie Beau von der Hilfsorganisation SOS Méditérranée am Mittwoch in Marseille. Die Seenotretter rechnen mit vier Meter hohen Wellen, sobald das Schiff die Strasse von Sizilien verlässt - dies ist die Meerenge zwischen Sizilien und Tunesien. (hd/gam/rtr/afp)

Die Flüchtlingskrise im Mittelmeer
In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als 600’000 Menschen Italien mit Flüchtlingsbooten erreicht, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben überwiegend von Afrika aus auf den Weg nach Europa gemacht hatten. Tausende kamen bei der Überfahrt ums Leben, etwa weil ihre Boote kenterten. Italienische Politiker hatten wiederholt moniert, das Land werde von seinen EU-Partnern nicht ausreichend unterstützt. Bei der Parlamentswahl im März gab es in Italien dann einen deutlichen Rechtsruck. Die rechtsextreme Lega regiert nun zusammen mit der Fünf-Sterne-Bewegung.

(watson.de)

Hier erzählen zwei Appenzeller, wie der Alltag als Flüchtlingsretter im Mittelmeer aussieht:

«Die Totenzählung für 2018 hat soeben begonnen»

Video: srf
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