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Kaili gibt zu: «Es ist wahr. Ich wusste von den Aktivitäten»

Kaili gibt zu: «Es ist wahr. Ich wusste von den Aktivitäten»

20.12.2022, 11:0620.12.2022, 11:58
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December 10, 2022 EU vice President Eva Kaili arrested amid Brussels corruption probe Editorial Usage Only PUBLICATIONxNOTxINxITA Copyright: xVidal/EUC/ROPIx/xIPAx Agenzia_Fotogramma_FGR3700701
Eva Kaili.Bild: www.imago-images.de

Die wegen des Katar/EU-Korruptionsskandals in die Schlagzeilen geratene frühere EU-Vizepräsidentin Eva Kaili hat gegenüber der italiensichen Zeitung «La Repubblica» ein Teilgeständnis abgelegt.

«Es ist wahr. Ich wusste von Herrn Panzeris Aktivitäten», wird sie zitiert. Sie gab also zu, von den Geld-Koffern im Keller gewusst zu haben. «Sie sagt aus, dass sie in der Vergangenheit von den Aktivitäten ihres Ehemanns mit Herrn Panzeri wusste und dass Koffer mit Geld durch ihre Wohnung geschleust wurden», wird der Untersuchungsrichter zudem aus den Dokumenten zitiert.

Dieses Geständnis dürfte die Ermittler jedoch nur halbwegs zufriedenstellen. Denn dies wussten sie bereits. Auch, dass Kaili ihren Vater angewiesen hatte, das Geld fortzuschaffen.

Kaili sitzt derzeit ebenso in Belgien in Untersuchungshaft wie ihr Lebensgefährte und der ehemalige italienische Europaabgeordnete Antonio Panzeri. Ihr Vater war am 9. Dezember von Ermittlern bei dem Versuch festgenommen worden, einen Koffer voller Bargeld in einem Brüsseler Hotel zu verstecken, nachdem Kaili ihn wegen eines Grosseinsatzes der belgischen Ermittler gewarnt hatte. Kaili habe zudem versucht, zwei Europaabgeordnete zu warnen, schreiben die beiden Zeitungen.

Ihr Anwalt André Risopoulos sagte auf Anfrage von «Le Soir» und «La Repubblica», dass er persönlich empört sei, dass diese Zugang zu den Dokumenten hätten. Er bestätigte nicht, dass es sich bei den Aussagen um ein Teilgeständnis handelt.

Gericht in Italien erlaubt Auslieferung

Die Ehefrau des verhafteten Italieners Antonio Panzeri nach Belgien ausgeliefert. Ein Gericht in Brescia gab ihrer Auslieferung statt, wie mehrere italienische Medien am späten Montagabend berichteten.

An exterior view of the Brescia's lawcourt, northern Italy, Monday, Dec. 19, 2022, where Maria Dolores Colleoni, is to be heard in connection to an EU lobby scandal investigation involving her hu ...
Das Gericht in Brescia.Bild: keystone

Gegen die Frau liegt ein europäischer Haftbefehl vor. Die Strafverfolgung legt ihr Korruption, Geldwäsche und die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zur Last. Bislang sass sie zusammen mit ihrer Tochter im Hausarrest, über deren Auslieferung das Gericht am Dienstag entscheiden will.

Laut italienischer Nachrichtagentur Ansa wollen die Verteidiger der 67-Jährigen gegen die Entscheidung in Berufung gehen. Sie erklärten demnach vor der Verkündung, dass ihre Mandantin bei einer Auslieferung ins Gefängnis müsse und das eine Verschärfung der bisherigen Massnahme, dem Hausarrest, darstelle. In diesem Zusammenhang sprachen sie davon, dass die «Europäische Menschenrechtskonvention verletzt werde». Panzeris Ehefrau sagte in der Verhandlung, einen Urlaub für 100 000 Euro habe es nie gegeben und über die Angelegenheiten ihres Mannes habe sie nichts gewusst.

Ihr Ehemann Antonio Panzeri sitzt bereits in Belgien in Haft. Der ehemalige Europaabgeordnete der Sozialdemokraten gilt als eine der zentralen Figuren im Korruptionsskandal um angenommene Schmiergelder aus dem Golfstaat Katar und Marokko. (aeg/sda/dpa)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Helvetiavia Philipp
20.12.2022 11:32registriert Februar 2018
Ach kommt, jetzt tut nicht so scheinheilig. Wer nicht auch 1.5 Millionen in einer Sporttasche zu Hause rumliegen hat, werfe den ersten Stein.
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Bruno Wüthrich
20.12.2022 13:56registriert August 2014
Es ist schon ernüchternd. Ausgerechnet diejenigen, die schon viel haben, wollen immer noch mehr.

Und wir Kleinen tun immer wieder alles dafür, dass diese Leute auch bekommen, was sie wollen. Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel.
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Tobias W.
20.12.2022 18:49registriert Januar 2017
Lustig. Sind es nicht gerade die Sozialdemokraten, die am lautesten gegen die WM-Vergabe nach Katar schrien, und die auch immer am lautesten fordern, dass man mit Staaten wie Katar keine Geschäfte machen sollte?

Feine erhabene Leute.

Ganz feine Leute.
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