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Rutte bei Merz in Berlin: «Wir sind Russlands nächstes Ziel»

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Der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte (links), und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (rechts) bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt in Berlin.Bild: keystone

Rutte bei Merz in Berlin: «Wir sind Russlands nächstes Ziel»

11.12.2025, 15:3211.12.2025, 15:32

Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat nach der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie «absolute Priorität» für die Stärkung der europäischen Säule der Nato zugesichert.

Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor»
Friedrich Merz

«Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor», sagte Merz zudem bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Berlin.

Der Niederländer warnte in einer Rede in der deutschen Hauptstadt ungewöhnlich deutlich vor der Bedrohung durch Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle es nicht bei dem Krieg gegen die Ukraine belassen. «Wir sind Russlands nächstes Ziel», sagte Rutte.

«Wir sind Russlands nächstes Ziel»
Nato-Generalsekretär Mark Rutte

Für die Nato gehe es nun darum, einen Krieg zu stoppen, bevor dieser beginne. Konkret forderte der Niederländer erneut mehr Engagement bei der Steigerung der Verteidigungsausgaben und der Unterstützung der Ukraine.

Die Äusserungen kommen in einer Zeit zunehmender Verunsicherung darüber, wie beständig das transatlantische Verhältnis unter US-Präsident Donald Trump künftig ist. Die US-Regierung beklagte in einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie einen angeblichen Verlust der Demokratie und der Meinungsfreiheit in Europa. Der Kontinent stehe vor grossen Problemen, hiess es in dem Dokument.

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Mark Rutte, Friedrich Merz und Donald Trump beim NATO-Gipfel in Den Haag, Niederlande, am 25. Juni 2025.Bild: keystone

Dazu zählen nach Ansicht der US-Regierung unter anderem die «Zensur der freien Meinungsäusserung und die Unterdrückung der politischen Opposition, abstürzende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstvertrauens». Wirbel machten auch unbestätigte Berichte darüber, die US-Regierung könnte einzelne EU-Staaten aus der Union herauslösen wollen.

Merz: Europa auch unter Druck zusammenhalten

Merz sagte, er wolle ein einiges und starkes Europa mit aller Kraft behaupten. «Das heisst, wo wir jenseits der Rhetorik im eigenen Interesse mit den USA zusammenarbeiten können, werden wir das selbstverständlich weiterführen», sagte der Christdemokrat. Das gelte insbesondere für die intensive Arbeit an einem möglichen Frieden in der Ukraine und die Zukunft der Nato.

«Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die wir in der letzten Woche gesehen haben, bestätigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.»
Friedrich Merz

«Wir werden das als einiges und ein starkes Europa tun. Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor», sagte Merz.

Der deutsche Regierungschef sagte auch: «Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die wir in der letzten Woche gesehen haben, bestätigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.»

Kanzler erwartet Tomahawks in Deutschland

Merz rechnet aber damit, dass die USA im nächsten Jahr wie geplant mit der Stationierung von weitreichenden Waffen in Deutschland beginnen. «Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-Bündnis getroffen haben», sagte er. «Es gibt keine Ankündigung und auch keine Schritte hin zur Auflösung des gegenseitigen Sicherheitsversprechens, das wir uns gegeben haben.»

In this image provided by the U.S. Navy, the guided-missile destroyer USS Porter (DDG 78) launches a tomahawk land attack missile in the Mediterranean Sea, Friday, April 7, 2017. President Donald Trum ...
Auf diesem von der US-Marine zur Verfügung gestellten Bild startet der Lenkwaffenzerstörer USS Porter (DDG 78) am Freitag, dem 7. April 2017, eine Tomahawk-Landangriffsrakete im Mittelmeer.Bild: AP/U.S. Navy

Merz antwortete mit diesen Sätzen auf die Frage, ob er vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie die Sorge habe, dass die US-Regierung ihre Zusage zurückziehen könnte, wieder Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland zu stationieren. Dabei geht es um eine Absprache, die im Juli 2024 noch mit der Regierung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden getroffen worden war.

Rutte: USA stehen zu ihrer Verpflichtung

Sie sieht vor, dass die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen stationieren, die weit bis nach Russland reichen. Darunter sollen Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2'500 Kilometern sein, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen.

«Wir wissen, dass wir für unsere Sicherheit in Europa sehr viel mehr tun müssen als in der Vergangenheit.»
Friedrich Merz

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich öffentlich bislang nicht klar dazu geäussert, ob sie die Absprachen wie geplant umsetzen will. In einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie wird als US-Ziel ausgegeben, dass die Europäer künftig die Hauptverantwortung für ihre Verteidigung übernehmen sollen.

Merz sagte zu diesem Thema: «Wir wissen, dass wir für unsere Sicherheit in Europa sehr viel mehr tun müssen als in der Vergangenheit.» Darauf weise die US-Regierung zu Recht hin. Rutte sagte zur neuen Sicherheitsstrategie, dort stehe eindeutig, dass die USA sich Europa und Europas Sicherheit weiter verpflichtet fühlten. «Die USA stehen zu ihrer Verpflichtung gegenüber der Nato», sagte er. (sda/dpa)

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sophia
11.12.2025 16:06registriert Juli 2015
Russland ist entstanden, indem es immer wieder Krieg führte und Länder eroberte. Die Zaren mussten ja die Sodaten beschäftigten. Warum zu Teufel musste man z. B, das bettelarme Tschetchenien erobern? (Schon dort war es Brauch der russischen Soldaten den Einwohnern auf die Türschwellen zu schei...n.) Also folgt daraus, dass Russland auch Westeuropa erobern wird? Solche Ideen gibt es dort. Aber wenn man es es nicht einmal schafft, eine völlig unbewaffnete Ukraine -das war so vor drei Jahren-einzunehmen, ist das schwer vorstellbar. Aufrüsten ja, aber keine Panik!
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Tim3000
11.12.2025 18:57registriert März 2021
Europa sollte vor allem erst mal in die Entwicklung von Waffensystemen, insbesondere von Drohnen investieren. Die Ukraine bietet sich hier als Partner an. Nur von den USA zu kaufen ist auch keine Lösung.
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butlerparker
11.12.2025 17:22registriert März 2022
Einzelne Staaten herauszulösen wäre vielleicht gar keine schlechte Idee. DIe Slowakei + falls Orban wiedergewählt wird, HUN wären da annehmbare Kandidaten, ebenso Tschechien. Und wenn man dann gerade dabei ist, dann auch gleich raus aus der NATO und unter den RUS "Sicherheitsschirm", da kennen sich diese Länder ja schon super aus + haben hervorragende Erfahrungen gemacht.

Reisende soll man nicht aufhalten....

good luck on your mission
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