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Warum ein EU-Beitritt der Ukraine bis 2027 plötzlich möglich wird

Selenskyj pocht auf Turbo-EU-Beitritt bis 2027 – warum dieser jetzt plötzlich möglich wird

US-Präsident Donald Trump drängt Kiew, bis zum Frühling Neuwahlen und einem Friedensvertrag mit Russland zuzustimmen. Doch ohne Garantie für einen schnellen EU-Beitritt wird Selenskyj gar nichts unterschreiben.
13.02.2026, 09:2313.02.2026, 09:23
Remo Hess, Brüssel / ch media

Wahlen im Mai, Frieden im Juni, EU-Beitritt bis 2027: Sind das die Meilensteine auf dem Weg zum Kriegsende? Es wäre ein höchst ambitionierter Zeitplan. Aber Stellungnahmen und Berichte der letzten Tage deuten darauf hin, dass im Frühling tatsächlich der Versuch stattfinden soll, das Ende des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine zu besiegeln. Doch alles der Reihe nach.

Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy speaks during a joint news conference with NATO Secretary General Mark Rutte, in Kyiv, Ukraine, Tuesday, Feb. 3, 2026. (AP Photo/Sergei Grits)
Volodymyr Zelensk ...
Unter US-Druck: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.Bild: keystone

«Selenskyj plant Wahlen in der Ukraine und Abstimmung über Friedens-Deal» titelte die «Financial Times» am Mittwoch. Die Zeitung, die für ihre guten Kontakte in ukrainischen Regierungskreise bekannt ist, schrieb, die Vorbereitungen für den Urnengang seien bereits am Laufen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj werde die Wahlen am 24. Februar ankündigen, dem vierten Jahrestag des russischen Überfalls. Grund sei der massive Druck, den die US-Regierung unter Donald Trump aufgesetzt habe.

Die von Trump versprochenen Sicherheitsgarantien würden noch bis Mitte Mai auf dem Tisch liegen. Solange habe Selenskyj Zeit, die Bevölkerung über einen Deal abstimmen zu lassen – parallel zu den Präsidentschaftswahlen. Der Friedensvertrag würde dann bis Juni unterschrieben, was ein Ende der Kampfhandlungen bedeuten würde, so die «FT».

Russland bombardiert – aber Verhandlungen gehen weiter

Doch wie ernst ist dieser Zeitplan zu nehmen? Gegen eine baldige Einigung spricht, dass Russland die Ukraine weiter mit unverminderter Härte angreift. In der Nacht auf Donnerstag bombardierte Russland Städte wie Kiew und Odessa mit 24 ballistischen Raketen und mehr als 200 Kamikazedrohnen. Wieder war das primäre Ziel die ukrainische Energieversorgung. Und das, obwohl US-Präsident Donald Trump Russlands Machthaber Wladimir Putin persönlich darum gebeten hatte, Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur während der Friedensverhandlungen zu unterlassen.

epa12704665 Ukrainian workers repair pipes at a compound of Darnytsia Thermal Power Plant which was damaged by recent Russian missile and drone strikes in Kyiv, Ukraine, 04 February 2026, amid the ong ...
Die ukrainische Hauptstadt Kiew wird regelmässig von Russland angegriffen.Bild: keystone

Tatsache ist aber auch, dass die Verhandlungen weitergehen. Nach einem Treffen letzte Woche in Abu Dhabi werden sich die Ukrainer und die Russen unter der Vermittlung von US-Sondergesandten Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner erneut in Miami treffen. Selenskyj selbst bestätigte zudem kürzlich, dass die US-Seite einen «klaren Zeitplan» erwarte und alles bis Juni durch haben wollten – um sich dann auf die Midterm-Wahlen zu konzentrieren.

Nach der Publikation des genannten Presse-Berichts aber ging Selenskyj in die Offensive und stritt Wahl-Vorbereitungen ab. Entscheidend sei allein die Sicherheitssituation, und diese lasse Wahlen nicht zu. Zuerst brauche es einen Waffenstillstand. Und er sagte auch, dass es «vollkommen dumm» wäre, an einem solchen speziellen Datum über Politik zu reden. Der 24. Februar sei der Tag, um der vielen Opfer des Krieges zu gedenken.

Selenskyj braucht EU-Beitritt für Kompromisse zu Hause

Dennoch ist es möglich, dass die Ukraine bald die Details des Friedensplans und das Datum eines Referendums enthüllen wird. Ein Indiz dafür ist, dass Selenskyj ebenfalls am Donnerstag die EU in bisher nicht gekannter Deutlichkeit aufgefordert hatt, das schon länger diskutierte Datum einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine bis 2027 zu bestätigen. «Meine Unterschrift unter dem 20-Punkte-Friedensplan garantiert den Ukrainern ein ganz bestimmtes Datum für unseren Beitritt», sagte Selenskyj. Oder anders ausgedrückt: Ohne EU-Beitritts-Garantie bis 2027 wird er gar nichts unterschreiben.

In Brüssel wird dies so gedeutet, dass Selenskyj das Datum benötigt, um dem ukrainischen Volk die schmerzhaften Zugeständnisse verkaufen zu können, die ein Friedensabkommen wahrscheinlich enthalten wird. Konkret geht es um Territorien der weiter umkämpften Region Donbass.

epa12726858 European Commission President Ursula von der Leyen delivers a keynote speech during the European Industry Summit in Antwerp, Belgium, 11 February 2026. The summit serves as a platform for  ...
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission.Bild: keystone

Dass die Ukraine wirklich einen Turbo-Beitritt zur EU bis 2027 hinlegen kann, wird auch in der EU nicht mehr völlig ausgeschlossen. Normalerweise dauert ein Beitritt Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, und die Ukraine mit ihren rund 40 Millionen Einwohnern wäre eine riesige Herausforderung, die es zu meistern gilt. Nicht nur politisch, mit den Rechtsstaatlichkeits-Problemen, geschweige denn den ungelösten Territorialfragen. Aber auch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation.

Aber die geopolitische Notwendigkeit lässt die EU nun an einem Plan arbeiten, um ihren üblichen Beitrittsprozess auf den Kopf zu stellen. Dieser sieht so aus, dass die Ukraine aufgenommen wird – und alle weiteren Fragen nachher beantwortet würden.

Während dieser Übergangsphase wäre Kiew gewissermassen «Passiv-EU-Mitglied» ohne Stimmrecht. Die Mitgliedsrechte würden dann graduell ausgeweitet, in dem Mass, wie die Ukraine die nötigen Reformen durchführt.

Ein solcher «umgekehrter Beitritt» wäre ohne Zweifel höchst unkonventionell. Aber doch nicht ganz beispiellos: Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde die ehemalige DDR am 3. Oktober 1990 über Nacht EU-Mitglied. Als Teil Deutschland versteht sich. Aber ganz ohne vorgängige Reformen oder Beitrittsprozess. (aargauerzeitung.ch)

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bokl
13.02.2026 09:52registriert Februar 2014
Die Beitrittsregeln aufweichen bringt nur Probleme in der Zukunft. Wenn es hilft, soll man für die Ukraine einen Sonderstatus schaffen. Aber einen echten Beitritt gibt es nur, wenn die Bedingungen erfüllt sind.
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Maurmer
13.02.2026 09:38registriert Juni 2021
Ein Beitritt zur EU ist an klare Bedingungen geknüpft. Die UA erfüllt so gut wie keine davon. Weder wirtschaftlich noch finanzpolitisch und insbesondere nicht was die staatlichen Institutionen angeht. Ein Beitritt wäre daher ein skandalöses Anpassen der Regeln.
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Wolfgang Bumbuy
13.02.2026 10:42registriert November 2024
Dann halten wir mal fest, was sich die Trump Regierung da ausgedacht hat:
Die USA bekommen die Rohstoffe, die Russen die Krim den donbas und alles andere was sie sonst noch besetzt haben, und die EU als Schmankerl für die Ukraine bietet ihre Mitgliedschaft entgegen aller Regeln und auch Logik.
Die Ukraine ist ein Land im Krieg, hochkorrupt und arg zerstört.
Sämtliche Vorteile für die Ukraine soll also die EU bieten während USA und Russland sich die Sahnestücke gönnen.
Das erklärte Ziel von Trump und Putin ist die Zerstörung der EU.
Ukraines Beitritt in einem Jahr, wäre ein Schritt dahin.
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