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Olympia: Selenskyj verleiht Skeleton-Fahrer Heraskewitsch einen Orden

Ukrainian skeleton athlete Vladyslav Heraskevych holds his crash helmet as he stands outside the sliding center at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Thursday, Feb. 12, 2026.  ...
Wladislaw Heraskewitsch mit dem umstrittenen Helm.Bild: keystone

Sein Helm führte zu einer Disqualifikation: Ukrainischer Skeleton-Fahrer legt Einspruch ein

Im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewitsch am Donnerstag vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Nun hat der Athlet Einspruch beim Sportgerichtshof eingelegt.
12.02.2026, 16:4112.02.2026, 20:50

Trotz eines Gesprächs mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry wollte der 27-Jährige nicht auf das Tragen des vom IOC verbotenen Helms verzichten. Daher durfte er am Donnerstag auf der Bahn in Cortina nicht an den Start gehen. Diesen Entscheid traf eine Jury des Weltverbands IBSF. Zuvor war Heraskewitsch in mehreren Trainingsläufen mit diesem Helm gefahren.

Noch am Morgen hatte das Internationale Olympische Komitee angekündigt, Heraskewitsch die Akkreditierung für die Winterspiele zu entziehen. Später erwirkte Coventry bei der IOC-Disziplinarkommission, dass dieser Schritt doch nicht vollzogen wird.

International Olympic Committee President Kirsty Coventry, left, talks to the media at the start house of the sliding center at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Thursday, Fe ...
Coventry erklärt sich vor den Medien.Bild: keystone

Selenskyj meldet sich zu Wort

Das IOC hatte erklärt, dass der Helm gegen das Neutralitätsgebot der Olympischen Charta verstösst. Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt.

Die Dachorganisation hatte Heraskewitsch als Kompromiss angeboten, anstatt des Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen und den Helm am Donnerstag vor und nach dem Rennen zu zeigen. Das hatte der Ukrainer abgelehnt.

«Es ist schwer, etwas zu sagen oder in Worte zu fassen. Ich empfinde Leere», sagte Heraskewitsch. Der Entscheid sei ein riesiger Fehler. «Ich glaube, dass ich keine Regeln verletzt habe», beteuerte er und legte Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ein. «Herr Heraskewitsch argumentiert, dass der Ausschluss unverhältnismässig sei, durch keinen technischen oder sicherheitstechnischen Verstoss gerechtfertigt sei und ihm einen irreparablen sportlichen Schaden zufügen würde», teilte der CAS am Donnerstagnachmittag mit. Der 27-Jährige verlange die Aufhebung des Entscheids und seine sofortige Wiederzulassung zu den Winterspielen. Alternativ müsse ihm ein vorläufiger Start ermöglicht werden, bis ein Urteil vorliegt. Zwei der vier Läufe sind ohne Heraskewitsch bereits absolviert worden. Die abschliessenden beiden Durchgänge stehen am Freitag an.

Nach seinem Olympia-Ausschluss stärkte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Heraskewitsch den Rücken und verlieh ihm den Orden der Freiheit – die zweithöchste Auszeichnung des Landes. «Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit», so Selenski. Die olympische Bewegung sollte helfen, den Krieg zu stoppen, und nicht dem Aggressor zuspielen, so der Präsident weiter.

«Wir sind stolz auf ihn»

In mehreren Trainingsläufen war Heraskewitsch mit dem Helm gefahren. Darauf sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Der Helm sei «eine Hommage an Athleten, einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie», erklärte Heraskewitsch.

Ukraine's Vladyslav Heraskevych arrives at the finish during a men's skeleton training session at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Tuesday, Feb. 10, 2026. (AP Phot ...
Portraits von im Krieg Gefallenen.Bild: keystone

Selenskyj dankte Heraskewytsch für dessen «klare Haltung». «Das erinnert die ganze Welt daran, was die russische Aggression ist und welchen Preis der Kampf für die Unabhängigkeit hat», schrieb der Staatschef. Damit werde keine Regel gebrochen.

Selenskyj zufolge sollten eher die 13 russischen Teilnehmer disqualifiziert werden, da sie «die russische Aggression gegen die Ukraine und die Besetzung unserer Gebiete unterstützen». «Wir sind stolz auf Wladislaw und seine Tat. Mut zu haben bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen», sagte der Präsident

Ein offizielles Gesuch um eine Erlaubnis für den Kopfschutz lehnte das IOC unter Verweis auf die Regeln für politische Botschaften ab. Diese seien mit der Athletengemeinde abgestimmt. Es müsse allen Sportlerinnen und Sportlern möglich sein, sich in einem sicheren Umfeld auf ihre Leistung zu konzentrieren, unbeeinflusst von den zahlreichen Konflikten auf der Welt. Heraskewitsch sei es erlaubt, in Interviews rund um den Wettkampf seine Meinung frei zu äussern, hiess es weiter. (ram/sda/dpa)

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Über welchen Witz lachen echt Nefeli Tita und Bruna Moura?

quelle: keystone / filip singer
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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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WurschtChäsSalat
12.02.2026 17:17registriert November 2025
Gratulation an Heraskewytsch - klare Kante gezeigt und dafür vom ukrainischen Präsidenten ausgezeichnet. Bravo!
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Totoro.2
12.02.2026 20:28registriert September 2025
Ein US Eiskunstläufer hat ein Bild seiner verstorbenen Eltern in die Kamera gehalten und wurde nicht sanktioniert.
Eine andere hatte einen Namen auf den Helm geschrieben und wurde ebenfalls nicht sanktioniert.
Da wird offensichtlich unterschiedlich bewertet.
Aber der Ukrainer wird sanktioniert.
Der IOC muss erklären warum der eine sanktioniert wurde und der andere nicht.
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Fritz_Forelle
12.02.2026 18:34registriert März 2022
IOC: No Politics!

Während die Olympiade regelmässig als Sportswashing Event genutzt wird. HAHAHA
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