International
Ukraine

Europa stemmt die Ukraine-Hilfen mittlerweile fast im Alleingang

In this photo provided by Ukraine's 65th Mechanized Brigade press service, soldiers ride in the truck bed for an assignment on the frontline in the Zaporizhzhia region, Ukraine, Tuesday, Feb. 10, ...
Ukrainische Soldaten auf dem Weg zur Front in der Region Saporischschja.Bild: keystone

Neue Zahlen zeigen: Europa stemmt die Ukraine-Hilfen mittlerweile fast im Alleingang

Nachdem die USA 2025 ihre direkte Unterstützung für die Ukraine stark reduziert haben, übernimmt Europa die Hauptlast der Hilfen. Die EU hat einen Grossteil des Ausfalls aufgefangen, doch der Wandel wirft auch politische und finanzielle Herausforderungen auf.
11.02.2026, 17:43

Nach fast vier Jahren Krieg gegen Russland steht die Ukraine weiterhin im Zentrum der geopolitischen Unterstützung: Doch 2025 zeichnete sich ein bemerkenswerter Wandel ab. Vor allem die USA haben ihre klassischen Hilfen praktisch eingestellt – die militärische Unterstützung sank im Vergleich zum Vorjahr um rund 99 Prozent, die finanzielle und humanitäre Hilfe wurde gar auf null reduziert.

Die hinterlassene Lücke füllt nun Europa aus. Neue Zahlen einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) zeigen, dass die europäischen Staaten und die EU‑Institutionen ihre Unterstützung 2025 stark ausgeweitet haben. Insbesondere die militärische Hilfe ist inflationsbereinigt um rund  67 Prozent gestiegen, was auf eine verstärkte Finanzierung durch nationale Etats und die EU zurückzuführen ist.

Auch die finanziellen und humanitären Hilfen legten im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024 um etwa 59 Prozent zu.

In absoluten Zahlen bedeutete dies, dass Europa für 2025 nahezu so viel an Hilfen bereitstellte wie in den Vorjahren zusammen, obwohl die USA ihren Anteil fast komplett reduziert hatten. Über EU‑Institutionen flossen etwa 35 Milliarden Euro in finanzielle und humanitäre Programme, was etwa 90 Prozent des europäischen Engagements ausmachte. Die militärische Hilfe erfolgte weiterhin vorrangig bilateral zwischen einzelnen Staaten und der Ukraine.

Deutschland spielte bei den gesteigerten EU-Hilfen die wichtigste Rolle: Die deutsche Regierung stellte 2025 mit etwa 9 Milliarden Euro Militärhilfe das grösste bilaterale Paket innerhalb Europas bereit, aber auch andere Länder wie Grossbritannien (5,4 Milliarden Euro), Frankreich (2,2 Milliarden Euro) und die nordischen Staaten (9,9 Milliarden Euro) haben ihre Beiträge im Gegensatz zu Spanien oder Italien erheblich erhöht.

Zusätzliche 90 Milliarden aus Europa

Trotz der gesteigerten Ukraine-Hilfen aus Europa bleibt die Lage aber schwierig. «Der wachsende Finanzbedarf der Ukraine wird nun grösstenteils durch Darlehen und Zuschüsse auf EU-Ebene finanziert», sagt Christian Trebesch, Leiter des «Ukraine Support Trackers» des IfW Kiel. «Das Ende 2025 vereinbarte neue Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro ist Teil eines allgemeinen Trends.»

Am Mittwoch hat das Europäische Parlament den Plänen der EU-Staats- und -Regierungschefs für ein neues Darlehen in Milliardenhöhe an die Ukraine zugestimmt. Es sieht vor, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. 60 Milliarden davon sind für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen.

Die EU will also bis zu 90 Milliarden Euro Schulden machen, um der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen. Das birgt auch Risiken. Denn langfristige Schulden könnten die finanzielle Stabilität der EU gefährden und zukünftige Haushaltsmöglichkeiten einschränken. Auch ist unklar, wie diese Schulden langfristig beglichen werden sollen. (pre)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Bilder zeigen: Der Krieg verschont die Kinder nicht
1 / 17
Diese Bilder zeigen: Der Krieg verschont die Kinder nicht
quelle: keystone / emilio morenatti
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wer genau hinschaut, sieht die nächste Katastrophe, die sich in der Ukraine anbahnt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
65 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
El_Chorche
11.02.2026 18:07registriert März 2021
Cool, dann kann Europa ja mit der Ukraine über die seltenen Erden und den Wiederaufbau verhandeln.

Da brauchts auch keine USA mehr.
1072
Melden
Zum Kommentar
avatar
Chalbsbratwurst
11.02.2026 18:11registriert Juli 2020
Wer zahlt befielt!
Also können nun die Europäer die Friedensverhandlungen mit den Russen übernehmen und die USA ist raus was Trump gefallen müsste, denn dadurch kann die USA noch mehr Geld sparen.
746
Melden
Zum Kommentar
avatar
Roro Hobbyrocker
11.02.2026 17:56registriert August 2016
So warum will Trump dann verhandeln?
613
Melden
Zum Kommentar
65
Schüsse in kanadischer Schule: Verdächtige war 18 Jahre alt
Nach dem tödlichen Angriff auf eine Schule in Kanada hat die Polizei die Identität der mutmasslichen Täterin bekanntgegeben. «Die Verdächtige wurde als 18 Jahre alte Frau identifiziert», teilte ein Polizeibeamter der Provinz British Columbia mit. Sie sei eine Bewohnerin der Gemeinde Tumbler Ridge gewesen.
Zur Story