Neue Zahlen zeigen: Europa stemmt die Ukraine-Hilfen mittlerweile fast im Alleingang
Nach fast vier Jahren Krieg gegen Russland steht die Ukraine weiterhin im Zentrum der geopolitischen Unterstützung: Doch 2025 zeichnete sich ein bemerkenswerter Wandel ab. Vor allem die USA haben ihre klassischen Hilfen praktisch eingestellt – die militärische Unterstützung sank im Vergleich zum Vorjahr um rund 99 Prozent, die finanzielle und humanitäre Hilfe wurde gar auf null reduziert.
Die hinterlassene Lücke füllt nun Europa aus. Neue Zahlen einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) zeigen, dass die europäischen Staaten und die EU‑Institutionen ihre Unterstützung 2025 stark ausgeweitet haben. Insbesondere die militärische Hilfe ist inflationsbereinigt um rund 67 Prozent gestiegen, was auf eine verstärkte Finanzierung durch nationale Etats und die EU zurückzuführen ist.
Auch die finanziellen und humanitären Hilfen legten im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024 um etwa 59 Prozent zu.
In absoluten Zahlen bedeutete dies, dass Europa für 2025 nahezu so viel an Hilfen bereitstellte wie in den Vorjahren zusammen, obwohl die USA ihren Anteil fast komplett reduziert hatten. Über EU‑Institutionen flossen etwa 35 Milliarden Euro in finanzielle und humanitäre Programme, was etwa 90 Prozent des europäischen Engagements ausmachte. Die militärische Hilfe erfolgte weiterhin vorrangig bilateral zwischen einzelnen Staaten und der Ukraine.
Deutschland spielte bei den gesteigerten EU-Hilfen die wichtigste Rolle: Die deutsche Regierung stellte 2025 mit etwa 9 Milliarden Euro Militärhilfe das grösste bilaterale Paket innerhalb Europas bereit, aber auch andere Länder wie Grossbritannien (5,4 Milliarden Euro), Frankreich (2,2 Milliarden Euro) und die nordischen Staaten (9,9 Milliarden Euro) haben ihre Beiträge im Gegensatz zu Spanien oder Italien erheblich erhöht.
Zusätzliche 90 Milliarden aus Europa
Trotz der gesteigerten Ukraine-Hilfen aus Europa bleibt die Lage aber schwierig. «Der wachsende Finanzbedarf der Ukraine wird nun grösstenteils durch Darlehen und Zuschüsse auf EU-Ebene finanziert», sagt Christian Trebesch, Leiter des «Ukraine Support Trackers» des IfW Kiel. «Das Ende 2025 vereinbarte neue Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro ist Teil eines allgemeinen Trends.»
Am Mittwoch hat das Europäische Parlament den Plänen der EU-Staats- und -Regierungschefs für ein neues Darlehen in Milliardenhöhe an die Ukraine zugestimmt. Es sieht vor, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. 60 Milliarden davon sind für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen.
Die EU will also bis zu 90 Milliarden Euro Schulden machen, um der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen. Das birgt auch Risiken. Denn langfristige Schulden könnten die finanzielle Stabilität der EU gefährden und zukünftige Haushaltsmöglichkeiten einschränken. Auch ist unklar, wie diese Schulden langfristig beglichen werden sollen. (pre)
