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U.S. Republican presidential candidate Donald Trump speaks at a news conference, as seen through a video camera, at the Hanahan Town Hall in Hanahan, South Carolina February 15, 2016.  REUTERS/Randall Hill

Trump glaubt, dass es echt ist. Dabei hat Hollywood die Wahlen bloss inszeniert. Bild: RANDALL HILL/REUTERS

Alles war nur fake! Jetzt wird die «Trumpman-Show» aufgelöst

Seit Jahren wird dem Kino der Untergang vorhergesagt. Aber gopf! Mit der Trump-Wahl hat uns Hollywood schön gezeigt, dass es immer noch mächtig ist. So mächtig, dass es uns jahrelang an der Nase herumgeführt hat.



Hollywood, Los Angeles. Gelangweilt hocken die Bosse der grossen Filmstudios da bei ihrem alljährlichen Treffen. Nicht einmal ein paar Linien kolumbianisches Marschpulver schaffen es, die Stimmung anzuheben. Ihre hoch bezahlten Drehbuchschreiber liefern einfach nur noch Schrott! Die 18. Version eines Films, in dem ein Spinnenmann Leben rettet? Teil 7 einer Serie über aufgemotzte Autos und ihre mit Testosteron überfüllten Besitzer? Kein Wunder, will niemand mehr ins Kino.

Im Frust wird der Dom Pérignon flaschenweise vernichtet. Der Champagner, und irgendwann auch das Kokain, erzielen ihre Wirkung. Die Sinne sind vernebelt. Da hat Bob Brabham plötzlich einen Geistesblitz. «Wie wäre es», fragt der Chef der Film-Firma Werner Sisters in die Runde, «wenn wir der Welt aufzeigen, welche Macht nach wie vor von uns ausgeht? Make Cinema Great Again!»

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Irgendwann kippt die Stimmung beim Treffen der Filmbosse ins Ausgelassene. bild: paramount pictures

Ein Serien-Highlight, das Abend für Abend die Kinosäle füllt

Der Boss von 18th Century Wolf drückt sanft den Kopf einer Escort-Dame mit prallen Brüsten von seinem Schoss und auch die anderen Anwesenden lauschen gespannt, was Brabham zu sagen hat. «Jetzt müssen wir zusammenstehen und es allen zeigen!», ruft dieser. «Wir verarschen die Welt und lassen sie glauben, dass ein Dummkopf wie Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird! Wir machen es wie damals bei der ‹Truman Show›!»

«Die Truman Show»

Im Spielfilm aus dem Jahr 1998 (Trailer) mimt Jim Carrey den Versicherungs-Angestellten Truman Burbank. Ohne es zu wissen, ist er der Hauptdarsteller einer Live-Nonstop-Übertragung. Die ganze Show ist auf ihn ausgelegt, alle seine Verwandten und Freunde sind Schauspieler. Erst nach fast 30 Jahren kommt Truman dahinter und ihm gelingt die Flucht in die echte Welt.

Ungläubige Gesichter. «Das geht nicht, das glaubt uns doch kein Mensch», wendet Juan-Ramon Garcia von den Estudios Universales ein. Doch die Idee lässt die Filmbosse nicht los. Sechs Flaschen schottischen Single Malts später steht der Plan: Alle grossen Filmstudios Hollywoods spannen zusammen, um DEN Hypermegasuperduper-Blockbuster zu produzieren. Ein Serien-Highlight, das Abend für Abend die Kinosäle füllt.

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Das Vorbild: Jim Carrey als Truman Burbank. bild: paramount pictures

Niemand weiss, dass alles erfunden ist

Doch erst muss die Kohle für das gewaltige Projekt aufgetrieben werden. Im Kino gibt es deshalb zunächst nur noch uninspirierte Fortsetzungen und Neuverfilmungen. Oder 3D-Ausgaben von Filmen, die schon in 2D niemand sehen wollte. In Hollywood muss gespart und alles sauber aufgegleist werden.

Im Jahr 2014 ist es soweit: Das Projekt steht. «Die Trumpman-Show» heisst es – und der Clou: Weder der Hauptdarsteller noch die Zuschauer wissen, dass alles nur ein Fake ist. Sie werden es erst erfahren, wenn im Kino alles aufgelöst wird.

Donald Trump wird damit geködert, der Star einer Reality-Sendung zu sein. Ein lukratives Angebot, das der Immobilien-Tycoon ebenso wenig ablehnt wie einen Kniff ins knackige Füdli der hübschen Praktikantin, welche der «Fernsehsender» zur Besprechung mitgebracht hat.

A topless protester shouting slogans is escorted out of the basement of the P.S. 59 polling station, the location where Republican presidential candidate Donald Trump was scheduled to cast his ballot in the U.S. presidential election, in Manhattan, New York, U.S., November 8, 2016.  REUTERS/Darren Ornitz

Dass Trump fremden Frauen gerne in den Schritt greift, erzürnt viele. Ins Kino gehen sie trotzdem. Bild: DARREN ORNITZ/REUTERS

Das Original schlägt die Figur um Längen

Die Hollywood-Bosse wählen die grösstmögliche Plattform für ihren spektakulären Stunt: die Präsidentschaftswahlen der Vereinigten Staaten von Amerika. Die ganze Welt soll glauben, dass wirklich ein Typ wie Donald Trump zum mächtigsten Mann des Planeten erkoren wird. Dafür wird ihm ein Drehbuch auf den Leib geschrieben, welches so unverfroren übertrieben ist, dass es die «Bachelor»-Produzenten vor Neid erblassen liesse.

Noch ist unklar, wie weit die «Trumpman-Show» letztlich gehen wird. Vielleicht scheitert Trump ja schon bei der internen Ausmarchung der Republikaner? Viele Millionen Dollar Gründe sorgen dafür, dass er diese Hürde locker nimmt. Und dass nun plötzlich rein zufällig viele hochrangige Parteimitglieder stolz einen Ferrari ausfahren, dessen Lack derart in der Sonne glänzt, dass es alle blendet.

Republican U.S. presidential candidate Donald Trump's image is seen on a television camera viewing screen while delivering a foreign policy speech at the Mayflower Hotel in Washington, US April 27, 2016.           REUTERS/Jim Bourg

Überall Kameras, egal wo Trump hinkommt. Bild: JIM BOURG/REUTERS

Trump poltert und schwafelt Blödsinn, dass es den Hollywood-Bossen eine wahre Freude ist. Das Original schlägt die Figur, welche sie kreieren wollten, um Längen. Trump geht voll auf in seiner Rolle, greift Frauen in den Schritt und lässt sich dafür feiern. «Endlich mal ein Präsident, der keiner ist», feixen seine Fans. Und auf den genialen Einfall, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen und Mexiko selber dafür bezahlen zu lassen, war kein einziger dieser nichtsnutzigen Drehbuchschreiber gekommen. Schlicht grandios, dieser Trump!

Die Tradition von Monstern auf der Kinoleinwand

Irgendwann lässt Hollywood deshalb die Zügel schleifen. Es schaut selber gespannt zu, was dieser Tausendsassa Trump als nächstes verbricht. So gerät die Sache langsam, aber sicher aus dem Ruder. Denn Donald Trump, der zunächst nur wegen einer exorbitanten Gage bei der angeblichen Reality-Show mitmacht, findet mehr und mehr Gefallen daran. Und die Einschaltquoten sind der beste Grund dafür, weiterzumachen: Sie sind so hoch wie nie. Die Hälfte der Zuschauer regt sich fürchterlich auf und geht primär bloss deshalb ins Kino, um sich noch mehr zu ereifern. Doch was alle eint, ist die Neugier herauszufinden, wie weit es so ein Trottel schaffen kann.

Zieht Donald Trump sogar ins Weisse Haus ein? Hollywood-Boss Bob Brabham, der vor Jahren den Geistesblitz hatte, ist besorgt. Nun findet er seinen Einfall plötzlich nicht mehr so grossartig. Er wollte ja kein Monster schaffen, bloss die Kinosäle füllen. «Monster haben auf der Kinoleinwand ja eine lange Tradition», tröstet er sich jedoch.

abspielen

Der spektakuläre Trailer zur «Trumpman-Show». Video: streamable

Längst haben die Filmbosse begriffen, dass ihnen die ganze Angelegenheit über den Kopf gewachsen ist. Doch die «Trumpman-Show» ist ein solcher Kassenknüller, dass sämtliche Schamgefühle beiseite gewischt werden. Man geht bis zum letzten Schritt. Koste es, was es wolle.

Die Erlösung naht

Donald Trump wird am 9. November 2016 tatsächlich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Der Blockbuster, den es wollte, hat Hollywood bekommen. Die Welt schaut mit sehr begrenzter Begeisterung in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Bald wird die Menschheit von diesem Schock erlöst. Heute Abend wird in den Kinos zu sehen sein, wie Bob Brabham sich mit Donald Trump trifft. Wie er ihm auf die Schulter tippt, um ihm zu sagen, dass alles nur ein Fake war und dass er jetzt aufhören könne, so zu tun als ob.

Ein Experiment, das die Welt in Atem gehalten hat, wird dann beendet sein. Oder gibt es aufgrund des überwältigenden Erfolgs eine Fortsetzung der «Trumpman-Show»?

Donald Trump wird der 45. US-Präsident – sein erster Auftritt

Und damit das nicht untergeht:

«Egal was passiert, die Sonne wird morgen wieder aufgehen, und Amerika wird auch weiterhin das grossartigste Land auf der Welt sein.»

Barack Obama, Präsident der USA

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sillum 09.11.2016 18:36
    Highlight Highlight Das ist weder Satire noch sonst irgendwie lustig. das ist lediglich peinlich. Und zeigt ausserdem wie von erstaunlich vielen Menschen die Demokratie so überaus hoch geschätzt wird, es sei denn Andersdenkende gewinnen eine Wahl oder eine Abstimmung.
    • strieler 10.11.2016 03:54
      Highlight Highlight Dass Trump aber schon im vorherein androhte, bei einer Niederlage das Ergebnis nicht zu akzeptieren, falls er knapp unterliegt, und gegebenenfalls juristisch dagegen vorgehen zu wollen ist ok?
      Wen jemand, der die Demokratie so aktiv in Frage stellt und untergräbt, sollte man diesen auch nicht gewähren lassen. Das cherry-mandering ist nur ein bekanntes Beispiel; Mursi und andere waren alle demokratisch legitimiert, dann aber haben sie (oder wollten) die Demokratie beschneiden. Hoffentlich versucht dies Trump auch - und dann hoffe ich weiter, dass Leute wie sie dies dann aber auch erkennen.
  • mein Lieber 09.11.2016 17:11
    Highlight Highlight Die ignoranten Jammeris machen munter weiter mit dem Bashing. Ziemlich amüsant, aber denkt daran; das Volk hat ihn gewählt. Es wäre langsam an der Zeit dass nun auch das hinterletzte Käseblatt in die Realität zurückkommt und sich vielleicht mal Gedanken darüber machen sollte wie es MIT Donald Trump funktioniert. Es mag das eigene Ego kränken, aber tut es trotzdem! Danke
    • Cupcake01 09.11.2016 17:47
      Highlight Highlight Wenn ich richtig informiert bin, wurde Trump eben nicht von der Mehrheit gewählt. Frau Clinton hatte mehr Stimmen. Leider aber nicht in den richtigen Staaten, so dass Trump mehr Wahlmänner-Stimmen erhielt.
    • trio 09.11.2016 17:47
      Highlight Highlight Die Mehrheit hat eigentlich Clinton gewählt. Aber sonst Stimme ich dir zu.
    • Beobachter24 09.11.2016 17:50
      Highlight Highlight Völlig richtig, @Chrutondchabis

      Jetzt hat dann bald die ganze watson Redaktion irgendwas (von "lustig" bis pathetisch) zum neuen POTUS geschrieben.
      Die werden ihr Fähnli erst drehen, wenn andere, grössere Titel wie die NY Times, die W.Post, der Spiegel und die Agenturen vorangehen.

      Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass ein Grossteil der sog. "Main Stream Medien" 4 Jahre lang mies über den POTUS berichten kann. :-))
      Aber wer weiss ... das Zurechtrücken von Realitäten kann dauern ... abwarten u. Tee trinken.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 09.11.2016 17:09
    Highlight Highlight Was? Es wird heute aufgelöst? Aber ich mochte die Show doch so und habe mich schon auf Dennis Rodman als Sonderbeauftragter für Nordkorea gefreut! Nein, Herr Meile! Ich sage: The show must go on!
    Habe extra massiv viel Popcorn bereitgestellt.

    ;D
  • Azoth 09.11.2016 17:08
    Highlight Highlight Ganz grosses Kino!
  • Wombat94 09.11.2016 17:08
    Highlight Highlight Fehlt da der Satire sticker oder habe ich?so den Bezug zur Realität verloren?
  • Grego 09.11.2016 17:06
    Highlight Highlight Bin nur hier um zu sagen, dass Push-Nachrichten nicht für Falschmeldungen missbraucht werden sollten. Danke.
  • burton85 09.11.2016 17:04
    Highlight Highlight Ist das Ihr Bewerbugs-Essay für den Postillon Herr Meile?
  • fredoline 09.11.2016 17:03
    Highlight Highlight Danke watson, ihr habt mich für einen klitzekleinen Moment an der Wahrheit der Pushnachricht glauben lassen.... schade!
  • Pascal91 09.11.2016 17:03
    Highlight Highlight Watson-Team, ein Push mit so einem Titel bei dieser Situation ist echt nicht lustig :-(
    Die Hoffnung stirbt ja zuletzt..... aber sie stirbt...

Joko und Klaas erhalten freie Sendezeit – und nutzen sie zum Kampf gegen rechts

Sie haben es wieder getan: Die Comedians Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben sich bei Prosieben wieder 15 Minuten freie Sendezeit erspielt und diese am Mittwochabend erneut zum Kampf gegen rechts genutzt.

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