Jetzt muss auch Bimbosan-Hersteller Hochdorf wegen Giftstoff Babymilch zurückrufen
Giftstoffe in Säuglingsnahrung sind der Albtraum von Eltern – und ausgerechnet der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat ihn Anfang Jahr Realität werden lassen. Er musste mitteilen, dass in Produkten der Marke Beba sowie in Spezialprodukten wie Alfamino das Toxin Cereulid vorhanden sein könnte, das Übelkeit und Erbrechen verursachen kann. Der Konzern hat seither mehrere Chargen in 60 Ländern zurückgerufen, darunter die Schweiz. Ursache ist laut Nestlé ein technischer Defekt in einem Zuliefererbetrieb. Der Konzern betont, dass es sich um einen freiwilligen Rückruf handelt (die betroffenen Chargen finden sich hier).
Obwohl die finanziellen Auswirkungen für den Konzern nicht substanziell sein dürften, ist der Vertrauensverlust und damit der Schaden für Nestlé riesig. Konzernchef Philipp Navratil sah sich gezwungen, sich per Video «aufrichtig für die Sorgen und Unannehmlichkeiten» zu entschuldigen. In kaum einem anderen Bereich ist Vertrauen so wichtig wie bei der Nahrung für die Kleinsten. Da hilft es wenig, dass bisher keine Fälle von Erkrankungen bekannt geworden sind und den Babys keine ernsthafte Gefahr droht.
Von der Krise bei Nestlé könnte die Konkurrenz profitieren, etwa der Schweizer Hersteller Hochdorf, der das Babynahrungs-Geschäft mit der Marke Bimbosan beackert. Doch nun zeigt sich: Hochdorf hat das gleiche Problem. Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, dass es eines seiner Bimbosan-Ziegenmilchprodukte zurückrufen muss.
Durchfall oder Erbrechen sind möglich
Betroffen seien 10'000 von 1,2 Millionen im Jahr 2025 produzierten Packungen (die betroffenen Chargen finden sich auf dieser Internetseite). Auch Hochdorf betont, dass der Rückruf freiwillig erfolge. Es handle sich um eine Vorsichtsmassnahme wegen eines bei der Herstellung verwendeten mangelhaften Rohstoffs. Der Rückruf sei mit der zuständigen Behörde des Kantons Thurgau, wo Hochdorf seine Babynahrung produziert, abgesprochen.
Pikant: Bei Hochdorf ist der gleiche Stoff das Problem wie bei Nestlé. In Teilen der Omega-6-Fettsäure Arachidon, die von einem früheren Lieferanten stammte, seien Qualitätsmängel festgestellt worden. Sie sei teilweise mit Cereulid belastet. Aufgrund der kleinen Menge bedeute dies für Babys kein ernsthaftes gesundheitliches Risiko. «Leichte Beeinträchtigungen» wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen seien jedoch nicht komplett ausgeschlossen.
Hochdorf habe diese Woche vom früheren Lieferanten validierte Testergebnisse über die Qualitätsprobleme bei Teilen der von ihm 2025 gelieferten Arachidonsäure erhalten. Die Firma habe daraufhin «unverzüglich» das zuständige Labor des Kantons Thurgau informiert und in Absprache mit der Behörde den vorsorglichen Rückruf eingeleitet.
Danone hat Lieferprobleme
Die betroffenen Produkte richten sich an Säuglinge im Alter von 0 bis 6 Monaten. Die Ziegenmilch ist für Babys mit sensiblen Bäuchen gedacht. Sie kann in Kombination mit Stillen verfüttert werden, aber auch als alleinige Ernährung eingesetzt werden.
In diesem Bereich der Pre-Nahrung ist auch der französische Lebensmittelkonzern Danone mit seinen Aptamil-Produkten tätig, die gemäss früheren Angaben meistverkaufte Babynahrung der Schweiz. Aktuelle Zahlen liegen keine vor.
Doch auch Danone hat derzeit Probleme, wenn auch nicht wegen Rückrufen, sondern mangelnder Verfügbarkeit. Das Produkt «Profutura Duo Pre» – die gemäss eigenen Angaben «fortschrittlichste Anfangsmilch» aus der Aptamil-Reihe – ist seit einigen Tagen bei Detailhändlern wie Migros und Coop, aber auch in Apotheken und Onlineshops nicht mehr oder nur noch vereinzelt erhältlich.
Ein grundsätzliches Verfügbarkeitsproblem stecke nicht dahinter, sagt Danone-Sprecher Philippe Aeschlimann auf Anfrage. Es sei aber «im Zuge einer nun abgeschlossenen Anpassung unserer Dispositionsplanung» vorübergehend zu einer Verknappung der Bestände gekommen, wodurch das Produkt in gewissen Verkaufskanälen zeitweise nicht verfügbar war oder noch immer nicht erhältlich sei.
Nicht davon betroffen sind die Pronutra-Produkte von Aptamil, also die öfter verkaufte Anfangsmilch, die einen etwas tieferen Gehalt an sogenannten humanen Milch-Oligosacchariden aufweist. (aargauerzeitung.ch)
