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«Er hatte Zugang zu allen Polizei-Informationen»: Anschlag verunsichert Frankreich

Entgegen ersten Darstellungen war die Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur doch ein Terroranschlag.

Stefan Brändle, Paris / ch media



epa07891619 Military forces establish a security perimeter near Paris police headquarters after a man has been killed after attacking officers with a knife in Paris, France, 03 October 2019. According to reports, a man was killed after attacking officers with a knife. Two officers were injured in the incident.  EPA/IAN LANGSDON

Sicherheitskräfte sichern am Donnerstag einen Bereich in der Nähe des Polizeihauptquartiers. Bild: EPA

Nach längerer Ruhe an der Terrorfront sieht sich Frankreich zur Einsicht gezwungen, dass die Gefahr keineswegs gebannt ist. Der zuständige Staatsanwalt erklärte am Samstag, der Polizeiangestellte, der in Paris vier seiner Kollegen tötete, sei einer «radikalen Sicht des Islams» erlegen. Der Informatiker, der im nachrichtendienstlichen Hochsicherheitsbereich arbeitete, hatte mit seiner inzwischen verhafteten Frau unmittelbar vor der Tat am Donnerstagmorgen religiöse SMS ausgetauscht. Er beendete sie mit «Allahu Akbar», worauf sie schrieb: «Folge unserem geliebten Propheten Mohammed und meditiere den Koran.»

Statt zu meditieren, ging der 45-jährige Familienvater kurz vor Mittag zwei Messer kaufen. Damit kehrte er durch die Eintrittskontrollen in das stark gesicherte Hauptquartier der Polizeipräfektur zurück. Um 13 Uhr erstach er zwei Arbeitskollegen, danach im Treppenhaus eine Polizistin. Nachdem er einen weiteren Polizisten verletzt hatte, wurde er im Hof der Präfektur von einem jungen, erst seit einer Woche diensthabenden Volontär gestellt und, als er diesen auch mit dem Messer bedrohte, erschossen.

Er sympathisierte mit den Charlie-Hebdo-Attentätern

Weitere Details lassen keinen Zweifel an der Motivation des aus den Antillen stammenden Franzosen zu. Er war vor Jahren zum Islam übergetreten und hatte die Moschee eines salafistischen Imams besucht. Laut Staatsanwalt hatte er 2015 schon das Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» gerechtfertigt. In letzter Zeit kleidete sich der 45-jährige Banlieue-Einwohner nach islamischer Weise und weigerte sich, Frauen die Hand zu schütteln. Zur Tat sei er «ohne jede Nervosität» geschritten, meinte der Staatsanwalt. Sein Vorsatz, die Tötungsmethode sowie der offensichtliche Wille zu sterben seien weitere Indizien seiner Radikalisierung, meinte der Staatsanwalt.

Zur Bestürzung in Frankreich gesellt sich politischer Streit. Die konservativen Republikaner, gefolgt von den Sozialisten und den linken «Unbeugsamen», aber auch die Populistin Marine Le Pen verlangen eine parlamentarische Untersuchungskommission. Der republikanische Abgeordnete Eric Diard zeigte sich «beunruhigt, dass eine Person mit Anzeichen der Radikalisierung an einem so sensiblen Ort arbeiten konnte».

Der Leiter des Forschungszentrums für Nachrichtendienste, Alain Rodier, fragte sich, ob der Täter nicht auch als «Maulwurf» für Dschihadisten gewirkt haben könnte. «Er hatte Zugang zu allen Polizeiinformationen», sagte der Experte mit Verweis auf ein mörderisches Attentat am Wohnsitz eines Polizistenpaares in Magnanville im Jahr 2016. Der Täter verfolgte offenbar im Dienst auch das Geschick der Brüder Kouachi, die das «Charlie-Hebdo»-Attentat ausführten. Präfekturangestellte werden zwar theoretisch alle fünf Jahre unter anderem auf ihre Gesinnung geprüft. Von den 43'000 Präfekturangestellten sollen derzeit 30 unter Überwachung stehen. Der Attentäter zählte nicht dazu. Er sei offensichtlich «durch die Maschen geschlüpft», sagte der Abgeordnete Diard. Schwergewichte der Republikaner wie Christian Jacob und Eric Ciotti verlangten gestern wegen «gravierender Verfehlungen» auch den Rücktritt von Innenminister Christophe Castaner.

Der enge Vertraute von Präsident Emmanuel Macron war nach der Gewalttat vor die Presse getreten und hatte erklärte, der Täter habe «nie ein auffälliges Verhalten oder das geringste Alarmsymptom» an den Tag gelegt. Das zeugte laut den Republikanern von Ignoranz. «Castaner musste wissen, dass der Täter den Opfern die Kehle durchgeschnitten hatte und als Sympathisant der ‹Charlie-Hebdo›-Attentäter in den Akten figurierte», sagte Jean-Philippe Moinet von der Beobachtungsstelle für Extremismus. Der Innenminister verzichtete aber mehr als einen Tag lang darauf, die Antiterrorjustiz einzuschalten.

Mitarbeiter der Polizei werden nun überprüft

Premierminister Edouard Philippe verteidigte Castaner und kündigte eine neue Überprüfung von Präfekturbeamten an. Ob Castaner die Tatumstände bewusst vertuschen wollte, muss sich weisen. Plausibler scheint derzeit ein kollektives «Nichtsehenwollen». Die meisten Polizeiinformanten der französischen Medien hatten anfangs auch nur von der Möglichkeit hierarchischer oder amouröser Probleme des Täters in seiner Büroabteilung gesprochen.

All dies lässt darauf schliessen, wie sehr der neue Anschlag Frankreich getroffen hat. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Niederlage der Terrormiliz IS in Syrien und der Geheimdienstaufwand kein Ende des Terrors gebracht haben. Hinweise auf eine Verbindung des Täters zu allfälligen Auftraggebern im Mittleren Osten gibt es bisher nicht; bekannt zu dem Anschlag hat sich auch niemand. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • EhrenBratan. Hääää! 07.10.2019 15:40
    Highlight Highlight Halb so Wild, der Täter hat die Suren im Koran bestimmt nur falsch interpretiert. Wie so oft🤦‍♂️
  • Mutbürgerin 07.10.2019 13:51
    Highlight Highlight Schengen sei Dank, dass die Terroristen nun über geheime PolizeiInformationen von ganz Europa verfügen.
  • murrayB 07.10.2019 12:13
    Highlight Highlight Willkommen in der Realität - La Grande Nation, welche die Zuwanderung nicht mehr steuern kann...
    • EhrenBratan. Hääää! 07.10.2019 15:37
      Highlight Highlight Ach bitte, das hat doch nichts mit Zuwanderung zu tun...🤷‍♂️😂
    • murrayB 07.10.2019 20:47
      Highlight Highlight @EhrenBratan

      Stell dir eine solche Tat in einem Frankreich vor 50 Jahren vor? Wieso hat es diese dazumal nicht gegeben?
  • Bivio 07.10.2019 11:42
    Highlight Highlight Ich bin überzeugt, dass es in dieser Hinsicht eine grosse Dunkelziffer gibt mit Personen, welche eigentlich gegen das System arbeiten, welches sie zu schützen versprachen. Dass niemandem die Radikalisierung (Frauen die Hand nicht mehr geben etc.) aufgefallen ist, wundert mich. Oder sind wir in Frankreich bereits so weit, dass dies normal erscheint?

    Ich weiss aus Kreisen der KaPo, dass es auch bei uns Probleme gibt mit bestimmten Personen, welche gezwungenermassen mit heiklen Informationen arbeiten.
  • DomKi 07.10.2019 11:05
    Highlight Highlight Was man noch nicht begriffen hat (oder will), ist, dass in Frankreich seit Jahrzehnten Einwanderer aus islamischen Kulturkreisen leben.
  • Clife 07.10.2019 10:51
    Highlight Highlight Er war vor Jahren zum Islam übergetreten und hatte die Moschee eines salafistischen Imams besucht.

    Da haben wirs. Ein Grund mehr, dass Imame künftig nicht einfach so erkoren werden, sondern über die Uni studiert haben müssen (gleiches übrigens auch bei christlichen Priestern, Buddhisten und was es sonst noch gibt). Traurigerweise sind zumeist diese Religionsrepräsentanten diejenigen, welche Menschen eben anstacheln. Selbst beim IS war es so mit deren Anführer
  • Xnce 07.10.2019 09:46
    Highlight Highlight Und vor den Wahlen versucht man das Motiv schön zu verheimlichen.
  • reaper54 07.10.2019 08:46
    Highlight Highlight Radikale Imame welche zu Anschlägen aufrufen und dazu Gewalt an Frauen zu verüben gibt es auch in der Schweiz. Die SP, Grünen und FDP haben gegen strengere Regeln für Imame gestimmt...

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