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French President Emmanuel Macron laughs during his visit to a migrant center in Croisilles, northern France, Tuesday, Jan.16, 2018. Macron is making a foray into the symbolic heart of France's migrant problem with a visit to the port city of Calais, where hundreds of people hide out while trying to make an end run to Britain. (AP Photo/Michel Spingler, Pool)

Läuft bei ihm: Emmanuel Macron scheint derzeit fast nichts falsch machen zu können. Bild: AP/AP

Der Anti-Trump: Emmanuel Macron kommt im Popularitäts-Hoch nach Davos

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron läuft es acht Monate nach seiner Wahl so richtig rund. Er redet nicht nur, sondern liefert auch. Damit kommt er bei den Leuten immer besser an.



US-Präsident Donald Trump ist der Stargast des World Economic Forum (WEF). Er wird am nächsten Freitag die Abschlussrede halten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass ein anderen ihm die Show stehlen wird: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wird zwei Tage früher in Davos auftreten. Während Trump mit seiner «America First»-Doktrin bei vielen Vertretern der globalisierten Wirtschaftselite auf Ablehnung stösst, darf Macron mit Applaus rechnen.

In den letzten Jahren wurden französische Präsidenten bei Auftritten auf der Weltbühne eher belächelt oder bemitleidet. Sofern man sie nicht komplett ignorierte. Frankreich galt als «kranker Mann» Europas. Während das einst schwächelnde Deutschland wieder erstarkte und Bundeskanzlerin Angela Merkel zur unbestrittenen Nummer eins in Europa aufstieg, verloren ihre französischen Pendants, ob sie Nicolas Sarkozy oder François Hollande hiessen, an Statur.

A police officer stands guard next to a newsstand displaying the cover of a news magazine depicting French president-elect Emmanuel Macron during a ceremony to mark the end of World War II on the Champs Elyses avenue in Paris, France, Monday, May 8, 2017. Macron defeated far-right leader Marine Le Pen handily in Sunday's presidential vote, and now must pull together a majority for his year-old political movement by mid-June legislative elections. (AP Photo/Michel Euler)

Die Sondernummer von «L'Express» nach Macrons Wahlsieg. Bild: AP/AP

Das hat sich geändert. Heute ist Merkel geschwächt. Selbst wenn die grosse Koalition mit der SPD zustande kommt, ist sie eine Kanzlerin auf Abruf. Emmanuel Macron hingegen hat den Turbo gezündet. «Le Kid» nannte ihn das Nachrichtenmagazin «L'Express» nach seiner Wahl im Mai 2017 in Anspielung auf seine 39 Jahre, aber auch auf seine relative Unerfahrenheit.

Anders als Sarkozy und Hollande

Die Skeptiker sind verstummt. Dabei hatte sich Macron zu Beginn mit seiner forschen Art, mit der er etwa den respektierten Generalstabschef Pierre de Villiers absetzte, und seinem Reformeifer nicht nur Freunde gemacht. Seine Beliebtheitswerte sackten auf unter 40 Prozent. Es schien, als würde Macron das Schicksal seiner Vorgänger teilen, denen es ähnlich ergangen war.

Während Sarkozy und Hollande nicht aus dem Popularitätstief fanden, erlebt Macron einen Höhenflug. Laut einer aktuellen Umfrage sind 59 Prozent der Französinnen und Franzosen mit ihrem Staatschef zufrieden. Nur zwei Politiker liegen vor ihm, der Umweltminister und frühere Fernsehmoderator Nicolas Hulot und der konservative Ex-Regierungschef Alain Juppé.

Reformen im Eiltempo

Den Grund für den Stimmungswandel hat die deutsche Zeitung «Die Zeit» vielleicht am Besten auf den Punkt gebracht: «Jetzt liefert er auch noch.» Während «Sarko» eine grosse Klappe hatte und kaum etwas bewegte und Hollande aus Angst vor dem linken Flügel seiner sozialistischen Partei zauderte, treibt Macron seine im Wahlkampf angekündigten Reformen im Eiltempo voran.

France's President Emmanuel Macron, center, former Presidents Nicolas Sarkozy, left, and Francois Hollande arrive at a ceremony for the French Olympic delegation at the Elysee Palace, in Paris, Friday, Sept. 15, 2017. Paris will host the 2024 Summer Olympics and Los Angeles will stage the 2028 Games. (Yoan Valat/Pool photo via AP)

Im Unterschied zu Nicolas Sarkozy (l.) und François Hollande liefert Macron auch. Bild: AP/EPA

Dabei hilft ihm die satte Mehrheit seiner Partei La République En Marche in der Nationalversammlung. Er kann weitgehend ungestört regieren. Seine Reformen, etwa die Lockerung des verkrusteten Arbeitsrechts und die weitgehende Abschaffung der Vermögenssteuer, sind keineswegs unumstritten. Aber den Franzosen imponiert, dass ihr Präsident eben nicht lafert, sondern liefert.

Ein «Präsident der Reichen»?

Emmanuel Macron ist der Anti-Trump. Der Amerikaner hat ausser der Steuerreform kaum etwas zustande gebracht. Er verharrt im Popularitätstief, auch wegen seiner unversöhnlichen Art. Dabei ist Macron nicht frei von Trumpschen Anwandlungen. Er beschimpfte Arbeitslose als «Faulenzer» und setzte sich mit seiner eigenen Steuerreform dem Vorwurf aus, ein «Präsident der Reichen» zu sein.

Für französischen Politiker kam dies in der Vergangenheit fast einem Todesurteil gleich. Nicht so im Fall von Emmanuel Macron. Zwei gewichtige Faktoren stützen seine Popularität. Die lange schwächelnde Wirtschaft wächst, die chronisch hohe Arbeitslosigkeit geht zurück. Auch das Defizit im Staatshaushalt sinkt, weshalb Macron auf Steuererhöhungen verzichten will.

Miserabler Zustand der Opposition

Das positive Wirtschaftsklima wird auch im Ausland wahrgenommen. Laut einer Umfrage rechnen 72 Prozent der Führungskräfte multinationaler Unternehmen mit steigenden Investitionen in Frankreich. Die Grande Nation bietet gute Voraussetzungen. Sie verfügt dank einer grosszügigen Familienpolitik über eine vergleichsweise junge und gut ausgebildete Bevölkerung.

Schonzeit vorbei für Macron

Video: srf

Mindestens so wichtig ist der miserable Zustand der Opposition. Die Sozialisten liegen am Boden, die konservativen Republikaner sind heillos zerstritten. Erst letzte Woche ging der populäre Alain Juppé mit Getöse auf Distanz zu seiner nach rechts gerückten Partei. Der Front National befindet sich in einem Zustand der Orientierungslosigkeit. Und der linksradikale Jean-Luc Mélenchon ist mit seinem Versuch, die «Strasse» gegen Macrons Reformen zu mobilisieren, kläglich gescheitert.

Macron ist alternativlos

Für die «Deutsche Welle» ist Macron auch darum so beliebt: «Viele Franzosen sehen zu ihm einfach keine Alternative.» Der Präsident will diese «Alternativlosigkeit» für weitere Reformen nutzen. Dabei schreckt er auch vor heissen Eisen nicht zurück, etwa der Altersvorsorge. Im Kampf um die Renten könnten die Franzosen doch noch in Massen auf die Strasse gehen.

Den jungen Staatschef, dessen Selbstbewusstsein manchmal in Arroganz umschlägt, wird das nicht stoppen. Auch für die Europäische Union hat der überzeugte Europäer grosse Reformpläne. Seinen Status als neue Führungsfigur auf dem Kontinent unterstreicht etwa die Tatsache, dass Österreichs neuer Bundeskanzler Sebastian Kurz zuerst nach Paris und dann nach Berlin reiste.

Mit Karlspreis ausgezeichnet

Am 10. Mai, ein Jahr nach seiner Wahl, wird Emmanuel Macron in Aachen den Karlspreis in Empfang nehmen. Die nach Karl dem Grossen benannte Auszeichnung geht an Persönlichkeiten, die sich um die europäische Einigung verdient gemacht haben. Macrons Ehrung nach einer derart kurzen Amtszeit sorgt auch für Stirnrunzeln. Manche fühlen sich an Barack Obama erinnert, der ein Jahr nach seiner Wahl den Friedensnobelpreis erhielt. Was keine so gute Idee war.

Bei Macron ist das Risiko geringer. Vielmehr sind die Voraussetzungen günstig, dass sein Höhenflug anhalten wird. Die vorerst grösste Gefahr besteht darin, dass er zu sehr abhebt.

Mehr Europa und weniger Beamte – das hat Macron mit Frankreich vor

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Mehr Europa und weniger Beamte – das hat Macron mit Frankreich vor
quelle: ap/ap / emilio morenatti
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