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Schreckt vor nichts zurück: Die zukünftige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene.
Schreckt vor nichts zurück: Die zukünftige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene.
Bild: keystone

Trump unterstützt eine QAnon-Anhängerin

Der Wahlkampf des US-Präsidenten wird immer bizarrer.
13.08.2020, 14:0813.08.2020, 14:59

Per Twitter gab Trump seiner Freude Ausdruck: Er sprach von einem «zukünftigen Star der Republikaner», einer Politikerin, die «stark in jeder Beziehung ist und niemals aufgibt – eine wahre GEWINNERIN».

Gemeint war Marjorie Taylor Greene. Sie hatte soeben in einem Bezirk im Bundesstaat Georgia die Vorwahlen gewonnen. Weil dieser Bezirk äusserst konservativ und fest in den Händen der Grand Old Party (GOP) ist, wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr als Abgeordnete in den Kongress einziehen.

Trumps Begeisterung wird nicht von allen Republikanern geteilt. Selbst innerhalb der GOP wird gemunkelt, die Parteileitung habe unverantwortlich gehandelt und hätte Taylor Greene verhindern müssen. Kein Wunder: Die besagte Politikerin ist nicht nur ein enthusiastischer Trump-Fan. Sie ist auch eine Rassistin und Antisemitin, und sie ist eine bekennende Anhängerin der QAnon-Bewegung.

Mehr über Marjorie Taylor Greene erfährst du in diesem Video.

Diese Bewegung entzieht sich jeglicher Vernunft. Ihre Mitglieder glauben, dass eine Elite von Demokraten und Hollywood-Stars Kinder entführen, um diese zu schlachten und zu fressen (kein Witz).

Angeführt werde diese vermeintliche Elite von Hillary Clinton. Stars wie Tom Hanks und Oprah Winfrey sollen mitmachen, ja selbst Papst Franziskus sei mit von der Partie. Aktiv unterstützt würden die Satanisten von einem angeblichen «deep state», Karrierebeamten, die nie gewählt wurden und im Dienste der Elite stehen. Nur Trump wage es, gegen diese Elite anzukämpfen, glauben die QAnon-Jünger.

Der Ursprung dieser bizarren Verschwörungstheorie liegt im Wahlkampf 2016. Damals wurde behauptet, es gebe in Washington eine Pizzeria, in deren Keller Kinder gefangen gehalten würden. Mit einer spezifisch codierten Bestellung würden die Satanisten keine Pizza, sondern ein Kind ordern.

So weit, so absurd. Trotzdem gibt es Menschen, die diese Verschwörungstheorie nicht nur glauben, sondern auch danach handeln. 2016 drang ein bewaffneter Mann in die besagte Pizzeria ein und wollte die gefangenen Kinder befreien. Er wurde jedoch höflich darauf hingewiesen, dass es in diesem Gebäude leider gar keinen Keller gebe.

Die Polizei verhaftet den Mann, der Kinder aus einem Keller einer Pizzeria befreien wollte.
Die Polizei verhaftet den Mann, der Kinder aus einem Keller einer Pizzeria befreien wollte.
Bild: AP/Sathi Soma

Man hätte meinen können, dass mit dem Wahlsieg Trumps auch die absurde Pizzagate-Verschwörungstheorie aus dem Weg geräumt sei. Irrtum, sie ist lebendiger denn je. Heute ist es nicht mehr eine Pizzeria, die Kinder verschachert, es ist ein Online-Möbelhaus namens Wayfair. Wer dort ein bestimmtes Möbelstück verlange, wolle in Wirklichkeit ein Kind, so die neue Version der alten Verschwörungsthese.

Man könnte auch meinen, dass nur ein paar Spinner daran glauben. Erneut gefehlt. QAnon erfreut sich steigender Beliebtheit. Der Skandal um den pädophilen Milliardär Jeffrey Epstein hat der Kinderfresser-These erneut Auftrieb verliehen. Inzwischen sehen sich Facebook und Twitter gezwungen, die Botschaften der Bewegung von ihren Seiten zu verbannen. Das FBI stuft QAnon gar als terroristische Bewegung ein.

Trump und die GOP kümmert dies offensichtlich nicht. Jedes Mittel ist ihnen recht, die Macht zu behalten, auch das absurdeste. So haben sie Kanye West dazu überreden können, ebenfalls als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Der Rapper leidet an einer bipolaren Störung und ist gänzlich disqualifiziert für das Amt. Er denkt auch keine Sekunde daran, ins Weisse Haus einzuziehen. Es geht einzig darum, Joe Biden ein paar wenige, aber möglicherweise entscheidende Stimmen von Schwarzen abzujagen. Wie offensichtlich dieses plumpe Spiel ist, zeigt sich im Bundesstaat Wisconsin. Dort hat eine in den Diensten des Trump-Teams stehende Anwältin die Wahlunterlagen für Kanye West eingereicht.

Soll Joe Biden schwarze Stimmen abjagen: Rapper Kayne West.
Soll Joe Biden schwarze Stimmen abjagen: Rapper Kayne West.
Bild: EPA

Trump schreckt selbst vor aktiver Wahlmanipulation nicht mehr zurück. Wegen der Coronakrise werden im November so viele Amerikanerinnen und Amerikaner per Post wählen wie noch nie. Die «New York Times» schätzt, dass drei von vier Bürgerinnen und Bürgern ihre Stimme nicht im Wahllokal, sondern am Briefkasten abgeben werden.

Bereits jetzt unternimmt Trump alles, um die Briefwahl zu diskreditieren. Ohne einen Hauch von Beweis spricht er von Manipulation in noch nie gewesenem Ausmass und warnt vor verfälschten Wahlen.

Schlimmer noch, er schwächt absichtlich die zentrale Institution jeder brieflichen Abstimmung, den U.S. Postal Service. Zum neuen Chef der amerikanischen Post hat Trump einen gewissen Louis DeJoy ernannt, einen Milliardär, der bisher einzig als grosszügiger Spender für Trump aufgefallen ist.

Wird vorsätzlich geschwächt: Die amerikanische Post.
Wird vorsätzlich geschwächt: Die amerikanische Post.
Bild: EPA

DeJoy hat sich umgehend daran gemacht, das Unternehmen mit rund 630’000 Mitarbeitern aktiv zu schwächen. Unter dem Vorwand, Kosten zu sparen, hat er leitendende Beamte gefeuert und Überstunden verboten. Künftig sollen Postbeamte Briefe, die sie nicht in ihrer ordentlichen Arbeitszeit erledigen können, einfach wegwerfen, so die neue Order.

Trump und die GOP wollen die amerikanische Post aus zwei Gründen schwächen. Einmal, weil sie glauben, dass mehr Demokraten als Republikaner brieflich abstimmen. Zudem erhoffen sie sich ein Chaos nach der Abstimmung, weil es Wochen dauern kann, bis alle brieflichen Stimmen ausgezählt sind. Dieses Chaos soll als Vorwand dienen, einen allfälligen Sieg Bidens nicht anzuerkennen.

All dies wäre lächerlich, stünde nicht so viel auf dem Spiel. Nicht nur die USA, auch der Westen würde von einer Wiederwahl Trumps dauerhaft beschädigt. Philip Stephens, Kolumnist in der «Financial Times», warnt deshalb: «Der Ausgang der Wahlen im November wird ähnlich grosse Konsequenzen haben wie der Sieg von Franklin D. Roosevelt in den 1930er-Jahren.»

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