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Türkischer Präsident im Abseits

«Ich glaube nicht an die Gleichheit von Mann und Frau» – Erdogans 10 heftigste Tritte ins Fettnäpfchen

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist unnatürlich, Muslime haben Amerika entdeckt – der türkische Präsident leistet sich einen Ausrutscher nach dem anderen. Wir haben sie gesammelt. 



Recep Tayyip Erdogan, langjähriger Premierminister der Türkei und seit Ende August deren Präsident, zeigt zusehends autokratische Züge. Immer öfter wird der ehemalige Istanbuler Bürgermeister mit einem Sultan verglichen. Auf Kritik reagiert Erdogan allergisch; sein aufbrausendes Wesen lässt ihn des öftern peinliche Dinge tun und sagen. Das sind seine gesammelten Tritte ins Fettnäpfchen: 

1. «Gleichberechtigung ist wider die Natur»

Man könne Frauen und Männer nicht gleichstellen, behauptet Erdogan. Sie sei zum einen «gegen die Natur», sagte der Präsident diese Woche vor dem Frauenverband Kadem in Istanbul. Und zum andern habe der Islam für die Frau die Rolle der Mutter vorgesehen. Erdogan bleibt sich treu: Schon 2010 hatte er den Vertreterinnen von Frauenorganisationen gesagt: «Ich glaube nicht an die Gleichheit von Mann und Frau.»

In this Monday, Nov. 24, 2014 photo, Turkish President Recep Tayyip Erdogan addresses women in Istanbul, Turkey. Erdogan set off a new controversy on Monday, declaring that women are not equal to men and accusing feminists of not understanding the special status that Islam attributes to mothers. Addressing a meeting in Istanbul on women and justice, Erdogan said men and women are created differently, that women cannot be expected to undertake the same work as men, and that mothers enjoy a high position that only they can reach. (AP Photo)

Glaubt nicht an die Gleichheit von Mann und Frau: Erdogan vor dem Frauenverband Kadem.  Bild: /AP/KEYSTONE

2. «Muslime entdeckten Amerika»

Geschichtsunterricht mit Erdogan: Vor einer Konferenz von Muslimen aus Lateinamerika in Istanbul sagte der türkische Präsident am 15. November, muslimische Seefahrer hätten Amerika im Jahr 1178 entdeckt – mehr als drei Jahrhunderte vor Kolumbus. 

Piri Reis Admiral

Der legendäre osmanische Seefahrer Piri Reis war im Besitz einer Karte, die Amerika (unten) zeigt. Doch dies ist kein Beweis für Erdogans These.  Bild: PD

3. «Erkenne deinen Platz»

Mit Frauen hat der konservative Erdogan offenbar ein Problem. Im August beleidigte er die Journalistin Amberin Zaman. Sie hatte in einer Fernsehsendung gefragt, ob muslimische Gesellschaften ein Autoritätsproblem hätten. Erdogan kanzelte sie als «schamlose Frau» ab und empfahl ihr: «Erkenne deinen Platz.» Zaman, eine Muslima, wurde darauf prompt als «Judenschlampe» beschimpft.

Recep Tayyip Erdogan Amberin Zaman

Erdogan, Zaman: «Schamlose Frau». Bild: Alemihaber.com 

4. «Warum rennst du weg, du israelische Brut?»

Im Mai starben bei einem Bergwerksunglück im westtürkischen Soma über 300 Bergleute. Erdogan wies jede Verantwortung der Regierung zurück. Solche Unfälle passierten überall auf der Welt; in England seien «im 19. Jahrhundert auch Bergarbeiter zu Hunderten gestorben», so seine zynische Ausrede. Bei seinem Besuch am Unglücksort bedrängte eine wütende Menge den Regierungschef. Im Gedränge packte Erdogan einen jungen Mann am Nacken. Er soll ihn angeschrien haben: «Warum rennst du weg, du israelische Brut?» Danach versetzte er dem Mann einen leichten Schlag mit der linken Hand. 

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Unschöne Szenen in Soma.  Video: Youtube/V. Vergo

5. «Wir werden Twitter mit Stumpf und Stiel ausrotten»

Was tun, wenn man als Premierminister unter Korruptionsverdacht steht? Am besten sperrt man das Medium, auf dem die Vorwürfe am schnellsten die Runde machen. Ende März, kurz vor den Kommunalwahlen, erliess Erdogan ein Twitter-Verbot, das ihm im In- und Ausland viel Kritik und Spott einbrachte. «Wir werden Twitter mit Stumpf und Stiel ausrotten», drohte er. «Was die internationale Gemeinschaft dazu sagt, interessiert mich nicht.» 

Protest gegen Erdogans Twitter-Verbot

6. «Plünderer hetzen das Volk auf»

Aus den Demonstrationen gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks in Istanbul im Mai und Juni 2013 wurde schnell eine Protestbewegung gegen die autoritäre Regierung von Erdogan. Dieser qualifizierte die Demonstranten als «çapulcu» («Lumpen», «Plünderer») ab: «Wir können nicht einfach zuschauen, wie einige ‹çapulcu› unser Volk aufhetzen.» Aus Empörung über Erdogans Wortwahl übernahm die Protestbewegung den Begriff: «Everyday I’m çapuling» wurde zu ihrem Slogan. 

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Çapuling - İstanbul Gezi Parkı (Mai 2013).  Video: Youtube/capulcu capulcuoglu

7. «Hau ab, und nimm deine Mutter gleich mit»

Erdogans selbstherrliche Art duldet keine Kritik. Die Gegner eines neuen Gesetzes gegen Alkohol – der Verkauf alkoholischer Getränke in Supermärkten und an Kiosken zwischen 22 und 6 Uhr sollte verboten werden – nannte er «Besoffene». Demonstrierende Studenten an der Middle Technical University Ankara bezeichnete er als «Terroristen». Und einen Bauern, der sich bei ihm beklagte, verjagte er mit den Worten: «Hau ab, und nimm deine Mutter gleich mit.»

Turkey's President Tayyip Erdogan (C) attends a Republic Day ceremony at the Ataturk Cultural Center in Ankara October 29, 2014. Erdogan is flanked by his wife Emine Erdogan, Parliament Speaker Cemil Cicek (4th L), Chief of Staff General Necdet Ozel (L), Prime Minister Ahmet Davutoglu (3rd R), main opposition Republican People's Party (CHP) leader Kemal Kilicdaroglu (2nd R) and head of the Costituonal Court Hasim Kilic (R). (REUTERS/Kayhan Ozer/Presidential Palace Press Office/Handout via Reuters (TURKEY - Tags: POLITICS MILITARY ANNIVERSARY TPX IMAGES OF THE DAY) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO SALES. NO ARCHIVES

Kritiker sind «Besoffene» oder «Terroristen»: Selbstherrlicher Erdogan. Bild: HANDOUT/REUTERS

8. «Drei bis fünf Kinder pro Frau»

In der Türkei sinkt die Geburtenrate. Das gefällt Erdogan nicht, der wie sein früherer Mentor Necmettin Erbakan nicht nur fromm, sondern auch nationalistisch ist. Sein Ziel ist eine Türkei, die im Jahr 2023, dem 100. Geburtstag der Republik, 90 Millionen Einwohner hat. So forderte er 2008 in einer Rede zum Weltfrauentag die «lieben Schwestern» im Publikum dazu auf, mindestens drei, besser aber fünf Kinder zu gebären.

Turkey's Prime Minister Recep Tayyip Erdogan and his wife Emine Erdogan salute his ruling party members after he announced that he is running for president in Ankara, Turkey, Tuesday, July 1, 2014. After more than a decade in power, Erdogan dominates Turkish politics like a one-man-show. He has defanged the once supreme military, reshaped the judiciary and cowed the press. Now, at the peak of his power, he has announced he is running for president — a role he intends to shape into the most powerful job in Turkey.(AP Photo/Burhan Ozbilici)

Fruchtbares Vorbild: Erdogans Frau Emine hat vier Kinder. Bild: Burhan Ozbilici/AP/KEYSTONE

9. «Jede Abtreibung ist wie ein Uludere»

Am 28. Dezember 2011 bombardierte die türkische Luftwaffe den Ort Uludure, um vermeintliche PKK-Terroristen zu treffen. Die Bomben töteten jedoch 34 kurdische Zivilisten. Kritik an diesem Massaker beantwortete Erdogan mit einer makabren Gleichsetzung: «Ihr redet immer von Uludere  – jede Abtreibung ist wie ein Uludere!»

Massaker Uludure Türkei

So schlimm wie eine einzige Abtreibung: Massaker in Uludere. Bild: kelamihal.wordpress.com

10. «One Minute!»

2009 führte sich Erdogan am WEF in Davos wie ein Wüterich auf. Bei einer Podiumsdiskussion mit Israels Präsident Schimon Peres über den Krieg in Gaza verlangte er, obwohl die Zeit abgelaufen war, das Wort: «One minute, one minute!» Der Moderator erteilte es ihm widerstrebend, worauf Erdogan zu einer Rede ausholte. Als der Moderator ihn unterbrechen wollte, verliess der türkische Premier wütend die Bühne. Im Juli 2014, als in Gaza erneut ein Krieg tobte, sagte Erdogan, Israel habe Hitler in Sachen Barbarei übertroffen. 

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Erdogans Auftritt in Davos.  Video: Youtube/mingoi313

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 27.11.2014 08:16
    Highlight Highlight ...und wo sind die Kommentare von Frauen hier?
  • AdiB 26.11.2014 21:46
    Highlight Highlight man kann sich über ihn lustig machen. doch ich glaube das man damit die angst, die von erdogan ausgeht damit verstecken will. den türkei ist ein màchtiges land und wie angelo gesagt hat, hat erdogan das ziel neu osmanien. und das sollte man nicht unterschätzen. er kann sich erlauben gege israel zu sagen was er will ohne konsiquenzen. erdogan liefert viel für die israelis und vieles geht über die türkei, die usa hat strategisch wichtige basen in der türkei. dieser mann ist nicht dumm.
  • Oki 26.11.2014 20:13
    Highlight Highlight Aha. Und weil nun in Deutschland 30% der Mitglieder eines Verwaltungsrates (börsenkotiert) Frauen sein müssen, sind wir die netten Frauenversteher im zivilisierten Westen.

    Solche Statements sind nur Munition für die Medien und Hülsen für uns Leser.
  • jeanclaudevanschwarzennorris 26.11.2014 18:38
    Highlight Highlight Das sind weder Ausrutscher noch Fettnäpfchen. Auch handelt es sich bei diesen ekelerregenden Äusserungen von Herrn Erdogan nicht um amüsante Anekdoten, wie der Autor des Artikels scheinbar im allseits beliebten jugendlich-coolen Watson-Style vermitteln will. Wir sehen in diesen 10 Äusserungen Fragmente eines Weltbilds, das Anlass zur Sorge und nicht zu Amusement sein sollte.
    • Bentruniger 26.11.2014 19:06
      Highlight Highlight Ja, einverstanden, mit Ausnahme des letzten. Da hat er nämlich absolut recht, denke ich. Und ist einer der Einzigen, der es wagt, Israel für sein permanentes und flagrantes Unrecht zu kritisieren.
    • Angelo C. 26.11.2014 20:07
      Highlight Highlight Von Erdogan, der heute praktisch ein Diktator muslimischen Zuschnitts ist, werden wir wohl noch einiges hören. Er ist angetreten, Kemal Atatürk in Raten aus den Gedächtnissen der Türken zu tilgen und seinen eigenen Ruhm und die Rückkehr zu vermehrt islamischen Gedankenguts zu zelebrieren. Wirtschaftlich braucht er die EU nicht mehr, denn in seiner Zeit als früherer Ministerpräsient brummte diese ganz ordentlich. Er wird sich seine Macht jahrelang erhalten und versuchen, die Türkei teilweise wieder in den Stand der Osmanen zu erheben. Dabei laviert er zwischen den USA und dem IS geschickt hin und her, lässt sich von den Ersteren und der EU längst nicht mehr alles bieten....

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