Mette-Marit schmachtete Epstein an, Marius angeklagt – Norwegens Monarchie wankt schwer
In Norwegen kommt in diesen Tagen alles zusammen, was eine Monarchie ins Wanken bringt. Während Marius Borg Høiby, der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus erster Ehe, wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht steht, erschüttern Enthüllungen über die enge Freundschaft seiner Mutter zum Sexualstraftäter Jeffrey Epsteins die Öffentlichkeit. Diese reagiert laut Umfragen rasch: Die Unterstützung für die Monarchie geht spürbar zurück – und fast die Hälfte wünscht nicht mehr, dass Mette-Marit Königin wird.
Am Dienstag begann in Oslo der siebenwöchige Prozess gegen Marius Høiby, der hunderte Journalisten und Zuschauer anlockte. Dem 29-Jährigen werden 38 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter vier Vergewaltigungen, mehrere gewalttätige Übergriffen gegen Ex-Freundinnen, Sachbeschädigung sowie Drogen- und Verkehrsdelikte. Gravierend wirken dabei auch die Wiederholungen über die letzten Jahren. Zuletzt bedrohte Høiby am Sonntag, kurz vor Prozessbeginn, eine Ex-Partnerin mit einem Messer; dabei war es ihm verboten, sich ihr zu nähern.
Der «Bonusprinz», wie er genannt wird, gibt einzelne Punkte zu, etwa Drogenkonsum, mit dem er seine Ausraster teilweise erklärt, bestreitet aber die Vergewaltigungen, die er selbst gefilmt hat. Seine Anwältin erklärte am Dienstag, er habe nicht gewusst, dass die mutmasslichen Opfer schliefen oder wehrlos waren – der Sex sei freiwillig gewesen.
Zudem warnte sie vor einer öffentlichen Vorverurteilung. Høiby gehört nicht offiziell zum Hof, aber wurde immer als Mitglied der Königsfamilie bezeichnet, auch an offiziellen Anlässen. Eine der Vergewaltigungen soll sich ereignet haben, als er mit seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon, auf den Lofoten Surfferien machte.
Intimes Verhältnis zu Jeffrey Epstein
Jetzt, rund um den Prozess, versucht die Familie Privates und öffentliche Rollen zu trennen, sich im Hintergrund zu halten – während parallel die zweite Krise eskaliert: Die Epstein-Dokumente zeigen ein verstörend enges, ja bisweilen intimes Verhältnis des Sexualverbrechers zu Kronprinzessin Mette-Marit. Laut Medienrecherchen hatten die beiden von 2011 bis 2014 umfangreichen Kontakt, trafen sich mehrfach. Sie tauschten sich über Persönliches, Literatur, Meditation, royale Hochzeiten oder private Gesundheitsthemen aus, von denen man bei einer Kronprinzessin denken würde, sie wäre zurückhaltend.
Der Ton war oft flirtend, Mette-Marit nannte ihn «Sweetheart» und «charming», bezeichnete Paris als «gut für Untreue». 2013 machte sie vier Tage in seinem Haus in Florida Ferien, wobei Epstein wohl auch vorbei kam. In einer E-Mail warnte danach ein Mitarbeiter Epstein vor «unangemessenen» Bildern von «Mette»; es ist aber unbekannt, was darauf zu sehen ist.
Dass es Kontakte zu Epstein gab, war seit 2019 bekannt, aber nicht deren Umfang. Mette-Marit hat ihr «schlechtes Urteilsvermögen» entschuldigt und erklärt, nichts über Epsteins kriminellen Machenschaften gewusst zu haben. Doch dies ist der heikelste Punkt: Die Kronprinzessin schrieb ihm 2011, sie habe ihn gegoogelt: «Sah nicht gut aus :)». Tatsächlich war damals einfach nachzulesen, dass der Financier 2008 wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger zu 13 Monaten Haft verurteilt worden war. Doch die Norwegerin schien das nicht zu kümmern.
Die öffentliche Kritik ist harsch. Medien und sogar der Regierungschef fordern «volle Offenheit», und Kommentatoren fragen, ob die Monarchie den doppelten Vertrauensbruch überhaupt überlebt: ein strafrechtlicher Skandal des Sohnes – und zumindest moralische Verfehlungen der Mutter. Der Hof hat keine politische Macht, sondern lebt vom Vertrauen der Bevölkerung. Und dieses schwindet gerade deutlich. (aargauerzeitung.ch)
