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Tod und Wut auf Bagdads Strassen



Erneut nahmen Tausende an der Demonstration gegen die Regierung in Bagdad teil.

In Bagdad stehen die Zeichen auf Sturm. Bild: AP

Bei den Protesten im Irak haben die Sicherheitskräfte laut Augenzeugen am Montag erstmals in Bagdad mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Die Schüsse fielen in der Umgebung des Sitzes des Staatsfernsehens.

Bislang waren die Sicherheitskräfte im Land vor allem mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Zuletzt wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen und von Rettungskräften mehrere Demonstranten durch Tränengas-Granaten getötet. Diese seien deutlich gefährlicher als herkömmliche Tränengas-Granaten und können nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Schädel durchschlagen.

In der Nacht zum Montag wurde dann aus der Stadt Kerbela berichtet, dass dort mehrere Menschen von Sicherheitskräften erschossen wurden. Die Demonstranten hatten versucht, das iranische Konsulat in Brand zu setzen.

Demonstranten hatten am Freitag in Bagdad Reifen in Brand gesetzt. Sicherheitskräfte schossen in die Menge. (Bild vom 4. Oktober)

Bild: AP

Im Irak hat sich Anfang Oktober eine Protestbewegung gegen die Korruption und hohe Arbeitslosigkeit im Land formiert. Trotz der Gewalteskalation und nächtlichen Ausgangssperren gehen die Iraker weiterhin auf die Strasse und fordern mittlerweile den Sturz der Regierung. Seit Tagen richtet sich die Wut auch gegen den benachbarten Iran.

Der Iran hat wie auch die USA grossen Einfluss im Irak. Während sich die US-Regierung mit Äusserungen zur Krise in dem Land bisher zurückhielt, reiste der iranische General Ghassem Suleimani im vergangenen Monat mehrmals in den Irak.

Suleimani ist der Kommandant der Elitetruppe für Auslandseinsätze der Revolutionsgarden. Er spielte in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle bei der Koordination des Kampfes gegen Gegner der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad in Syrien. Im Iran gilt der General als Kriegsheld und geniesst grosses Ansehen.

«Raus mit dem Iran»

«Kerbela frei, raus mit dem Iran», stand auf Fahnen, die Demonstranten in der Nacht zum Montag vor der diplomatischen Vertretung des Irans in der heiligen Stadt der Schiiten schwenkten. Teilnehmer versuchten laut Augenzeugen, über die Mauern des Konsulats zu klettern und Feuer zu legen. Sicherheitskräfte gaben daraufhin Schüsse ab.

«Sie wollen uns töten, nicht auseinander treiben», beklagte ein Demonstrant das Vorgehen der Sicherheitskräfte. «Wir wollen einfach, dass unser Land frei ist, ohne von einem anderen Land gesteuert zu werden», ergänzte er mit Blick auf den Einfluss des Irans.

Im Irak protestieren seit Anfang Oktober Zehntausende gegen Korruption und die hohe Arbeitslosigkeit im Land. Die Demonstranten werfen dem Nachbarstaat Iran auch vor, für das korrupte System im Irak mitverantwortlich zu sein.

Die Schlacht um Tikrit

Die von Studenten und Gewerkschaften organisierte Protestbewegung wendet sich mittlerweile gegen die gesamte politische und religiöse Führung des Landes. Bislang wurden mehr als 250 Menschen bei den Protesten getötet, die meisten von ihnen Demonstranten.

Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief die Bevölkerung am Sonntagabend auf «zum normalen Leben zurückzukehren». «Zahlreiche Forderungen» der Protestbewegung seien bereits erfüllt worden.

Die bisherigen Zusagen zu vorgezogenen Neuwahlen und Reformen beschwichtigten die Demonstranten bisher jedoch nicht. In zahlreichen Städten des Landes gab es weiter Protestaktionen. Im südlichen Amara blockierten Demonstranten den Zugang zu zwei Ölfeldern, in der südlichen Stadt Um Kasr den Weg zum Hafen. Dutzende Schiffe konnten dort nach Angaben aus Behördenkreisen nicht entladen werden. (aeg/sda/afp/reu/dpa)

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