Das wissen wir über den Meteoriten, der in Deutschland Schäden verursachte
Der Meteor, der am Sonntagabend am Himmel über Westdeutschland zu sehen war und offenbar auch aus der Schweiz beobachtet werden konnte, hat für Aufsehen gesorgt. Ein Trümmerstück des in mehrere Teile aufgesplitterten Meteoriten schlug gegen 19 Uhr im Koblenzer Stadtteil Güls in ein Hausdach ein und verursachte dabei ein etwa fussballgrosses Loch.
Das Trümmerstück traf das Schlafzimmer, wo es auf dem Boden Fliesen beschädigte. Es fanden sich dort Gesteinsbrocken, Sand und Staub. Gemäss dem Einsatzleiter der Feuerwehr Koblenz, die mit 25 Personen vor Ort war, waren zwar Menschen im Haus anwesend, aber nicht im Schlafzimmer. Verletzt wurde niemand.
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— Weltraum-Nerd (@NicosPanoptikum) March 9, 2026
Quelle: Merkurist pic.twitter.com/27Fzlh58nS
Die Feuerwehr führte auch Messungen durch, um eine Gefährdung durch radioaktive Strahlungen oder chemische Reaktionen auszuschliessen. «Wir haben auf chemische Substanzen gemessen und nukleare Strahlung gemessen, da haben wir nichts festgestellt», sagte der Einsatzleiter gegenüber der lokalen Newsplattform Merkurist.
WATCH: Meteor seen in the skies over Germany and the Netherlands.
— BNO News Live (@BNODesk) March 8, 2026
In Germany, police are reporting possible damage at homes in Rhineland-Palatinate pic.twitter.com/6DYHG4SPip
Etwas grösser als 1 Meter
Der Physiker Richard Moissl, Leiter des Planetary Defense Office bei der europäischen Weltraumbehörde Esa, sagte am Montag gegenüber Journalisten, das Ereignis sei nicht alltäglich und relativ selten. Es werde in Deutschland genau so wahrscheinlich nicht wieder vorkommen. Aufgrund der Geräuschentwicklung geht Moissl davon aus, dass es sich um einen Meteor mit etwas mehr als einem Meter Durchmesser gehandelt hat. Das sei sehr selten bei Meteoren.
Ein Zeuge hat laut swr.de einen Knall gehört, «wie ein Autozusammenstoss». Ein solcher Überschallknall entsteht oft, wenn ein Meteor mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintritt.
Das kosmische Geschoss wurde nicht vorhergesehen, weil es aus südwestlicher Richtung an der Tag-Nacht-Grenze gekommen sei, erklärte Moissl. Solche kleine Meteore könnten dort wegen des Streulichts der Sonne kaum entdeckt werden – bisher sei es erst elfmal gelungen, solche Objekte aus dieser Richtung zu erkennen.
Dringen sie in die Erdatmosphäre ein, nennt man die dabei auftretende Leuchterscheinung «Meteor» (umgangssprachlich auch «Sternschnuppe»). Sind sie heller als die Venus, werden sie auch «Feuerkugeln» genannt, noch hellere heissen auch «Boliden».
Erreicht tatsächlich ein Teil des Körpers die Erdoberfläche, dann nennt man diese Bruchstücke «Meteoriten».
Täglich fallen bis zu 40 Tonnen kosmische Trümmer auf die Erde – der Löwenanteil davon besteht allerdings aus Mikrometeoroiden, die kleiner als 0,1 Millimeter sind.
Was passiert bei einem Meteoriteneinschlag?
Wenn Himmelskörper aus dem Weltall in die Erdatmosphäre eintauchen, ist vom Boden aus eine helle Leuchterscheinung zu beobachten, die man «Meteor» nennt – oder auch «Sternschnuppe», wenn es nur ein kleines Objekt ist. Die Anfangshöhe dieser Leuchterscheinungen liegt gewöhnlich zwischen 10 und 330 Kilometer über der Erdoberfläche, die Endhöhe bei 130 bis wenige Kilometer über dem Erdboden.
Früher dachte man, die Leuchterscheinung entstehe durch die Reibung mit der Luft. Das ist aber nicht der Fall: Sie wird vielmehr durch die Ionisation der Luft verursacht. Auf diese Weise entsteht auch der bekannte Meteorenschweif, der mehrere Minuten bestehen kann.
Die Objekte, die meistens aus Gestein oder einer Eisen-Nickel-Legierung bestehen, sind mit riesiger Geschwindigkeit unterwegs, wenn sie auf die Erdatmosphäre treffen – ihre Maximalgeschwindigkeit liegt bei 72 Kilometer pro Sekunde (das sind atemberaubende 260'000 km/h). Die Luft vor diesen Objekten wird dann stark komprimiert; es entsteht enorme Hitze. Diese und der Luftwiderstand können dazu führen, dass die Körper auseinanderbrechen oder explodieren.
Wenn ein grösseres Objekt auseinanderbricht, vergrössert sich dessen gesamte Oberfläche schlagartig und die Reibungshitze erhöht sich ebenfalls ganz plötzlich. Die Bruchstücke explodieren dadurch und es entsteht eine grosse Schockwelle – der sogenannte «Airburst». Diese Schockwelle kann den Boden erreichen und dort Schäden verursachen.
Genau dies geschah mit dem grossen Meteoriten von Tscheljabinsk, der am 15. Februar 2013 im russischen Uralgebiet niederging. Es handelte sich dabei um den grössten bekannten Meteor (ca. 12'000 Tonnen Masse) seit mehr als 100 Jahren. Die Schockwelle beschädigte rund 3700 Gebäude – es zerbrachen vornehmlich Fensterscheiben. Fast 1500 Menschen wurden damals verletzt, meistens durch splitterndes Glas. In den Wochen und Monaten danach wurden mehr als 100 Bruchstücke des Meteoriten gefunden, zum Teil Hunderte Kilogramm schwer. (dhr)
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