Iran will acht Frauen hinrichten – es ist aber nur die Spitze des Eisbergs
Es wäre ein «super Start für unsere Verhandlungen», schreibt Donald Trump in den sozialen Medien. Der US-Präsident meint die Freilassung von acht iranischen Frauen, die wegen ihrer Rollen während der landesweiten Proteste zu Beginn des Jahres angeblich hingerichtet werden sollen.
Die iranische Justiz bestritt die angeblichen Todesstrafen aller acht Frauen. Der US-Präsident sei «einmal mehr von den Fake News in die Irre geführt» worden.
Trump bezieht sich in seiner Bitte auf einen Post des pro-israelischen Aktivisten Eyal Yakoby. Dieser teilte Bilder der acht Frauen. Laut der «New York Post» handelt es sich bei einer von ihnen um Bita Hemmati. Sie hatte iranischen Behörden zufolge während Anti-Regime-Protesten unter anderem Ziegelsteine auf Polizisten geworfen und wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann und zwei weiteren Männern festgenommen. Alle vier wurden wegen ihrer angeblichen Straftaten zum Tode verurteilt.
Ebenfalls auf den Bildern zu sehen sind die 16-jährige Diana Taherabadi und Mahboubeh Shabani (33, Ärztin). Letztere wurde verhaftet, weil sie angeblich verletzte Demonstrantinnen und Demonstranten medizinisch betreut haben soll. Auch wenn vielleicht nicht ganz geklärt ist, was die iranische Justiz den acht Frauen vorwirft, werfen sie ein düsteres Licht auf die aktuelle Lage im Iran.
Trump: Eight female protesters won't be executed in Iranhttps://t.co/ZGl5MJlyqD
— Toronto Sun (@TheTorontoSun) April 22, 2026
Denn die Fälle sind keine Ausnahme. Mehrere Zehntausend Menschen wurden laut Hilfsorganisationen im Januar getötet, als das Regime die Demonstrationen blutig niederschlug. Noch einmal so viele wurden festgenommen. Laut der Widerstandsbewegung «National Council of Resistance of Iran» (NCRI), wurden allein im Januar über 300 Menschen hingerichtet. Im Jahr 2025 wurden gemäss der «Organisation Iran Human Rights» so viele Menschen exekutiert, wie schon seit 35 Jahren nicht mehr: insgesamt 1639.
«Es ist eine Machtdemonstration»
Erst am Dienstag wurde der 24-jährige Amir Ali Mirjafari, unter anderem wegen angeblicher Verbindungen zum Mossad, gehängt. Er soll bei den Demonstrationen im Januar eine Moschee in Teheran in Brand gesetzt haben. Zwei weitere Männer wurden am Montag wegen angeblicher Spionage hingerichtet.
«Das Regime macht sich's heute noch einfacher als früher», sagt Awin Tavakoli. Sie ist im Iran aufgewachsen. Im Gespräch mit CH Media sagt die Juristin: «Früher haben sie immer argumentiert, die Beschuldigten würden durch Proteste Krieg gegen Gott führen. Mittlerweile sprechen sie auch von ausländischen Agenten und Landesverrat – alles mit der Todesstrafe als Folge.»
Aktuell würden fast täglich Leute gehängt. «Es ist eine reine Machtdemonstration. Sie wollen das Volk terrorisieren», sagt Tavakoli. Die Bevölkerung solle ja nicht glauben, das Regime sei wegen des Krieges geschwächt und könne nicht gegen seine eigenen Leute vorgehen. Es habe schon Fälle gegeben, in denen die Behörden der Familie eines Gefangenen ein Treffen versprochen haben, nur um ihn kurz vor dem Termin hinzurichten. Nach der Hinrichtung müssen Familien dann bezahlen, um die Leiche ihrer Liebsten abholen zu dürfen.
Die Angst vor dem eigenen Regime ist grösser
Erst dank den sozialen Medien sind die grausamen Praktiken des iranischen Regimes bekannt geworden. «Deshalb stellen sie das Internet wenn immer möglich, ab», sagt Tavakoli. Auch sie habe seit Monaten Mühe, mit ihrer Familie in Kontakt zu treten. Aktuell beschränke sich der Kontakt auf ein paar Minuten pro Woche.
Über ihre Verwandten und Bekannten im Iran wisse Tavakoli: «Die Menschen haben weniger Angst vor dem Krieg mit den USA und Israel, und mehr vor dem gegen das eigene Regime.» Dieses würde die iranische Bevölkerung deutlich mehr Leben kosten. Bei den Amerikanern und den Israelis wisse sie immerhin, dass die iranische Zivilbevölkerung nicht das Ziel sei. «Das ist beim iranischen Regime anders.» (aargauerzeitung.ch)

