USA benötigen dringend mehr Patriot-Raketen – doch das ist nicht Trumps einziges Problem
Die USA suchen im Iran-Krieg offenbar dringend nach zusätzlicher Luftabwehr – und haben sich dabei auch an Polen gewandt. Wie polnische Medien am Dienstag berichten, habe Washington informell vorgeschlagen, eine der beiden im Dienst stehenden polnischen Patriot-Batterien in den Nahen Osten zu verlegen.
Doch Warschau erteilte dem US-Anliegen eine klare Absage. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz stellte klar, dass die beiden Systeme dem Schutz des eigenen Luftraums und der Nato-Ostflanke dienten. Eine Verlegung komme deshalb nicht infrage.
Damit wird immer deutlicher, wie stark die USA am Golf unter Druck stehen – militärisch wie politisch. Der Hintergrund der amerikanischen Anfrage ist ein massiver Hightech-Munitionsverschleiss. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar 2026 greifen die USA und Israel Ziele im Iran an, während Teheran mit Raketen und Drohnen zurückschlägt.
Die Folge: Die westlichen Arsenale leeren sich schneller als erwartet. Schon in den ersten Kriegstagen wurden Abfangraketen im Wert von rund 6 Milliarden Dollar verschossen. In den ersten Wochen summierte sich der Einsatz auf Tausende PAC-3- und GEM-T-Flugkörper der neuesten Generation.
Gemäss den aktuellen Berechnungen des US-Portals Bloomberg haben die USA in der Region bereits etwa 2400 von 2800 verfügbaren Patriot-Raketen verbraucht. Das sind Zahlen, bei denen sich in der bedrängten Ukraine alle Nackenhaare sträuben.
Das Problem dabei ist: Eine Jahresproduktion beträgt bloss 600 bis 650 Stück. In Polen wächst deshalb die Besorgnis, dass die USA bereits bestellte Patriot-Raketen auf Jahre hinaus nicht werden liefern können; und dies, ohne eine Konventionalstrafe für die Lieferverzögerungen bezahlen zu müssen.
Bei den Offensivwaffen zeigt sich das gleiche Bild: Laut «Washington Post» wurden 850 Tomahawk-Marschflugkörper innert vier Wochen abgefeuert – ein Tempo, das selbst im Pentagon intern Besorgnis auslöst.
Njets zu Überflügen aus Italien und Polen
Zwar beschwichtigt das «Weisse Haus»: «Das US-Militär hat mehr als genug Munition und Waffenvorräte, um die Ziele von ‹Epic Fury› zu erfüllen – und darüber hinaus», schrieb Trumps Sprecherin Karoline Leavitt Ende letzter Woche in einem Statement. Dennoch werde Präsident Trump die eigene Rüstungsindustrie dazu anhalten, schneller zu produzieren.
Doch das ist nur die eine Seite des Washingtoner Dilemmas. Die andere ist: Europäische Nato-Verbündete wollen sich nicht nur vom Iran-Krieg fernhalten, sondern verweigern zunehmend aktiv jegliche Unterstützung. Parallel zum Nein aus Polen wurde am Dienstag bekannt, wie Italien jüngst mehreren US-Flugzeugen die Landung auf einem Stützpunkt auf der Mittelmeerinsel Sizilien verboten hat.
Gemäss der Tageszeitung «Corriere della Sera» gab Verteidigungsminister Guido Crosetto dem US-Militär keine Erlaubnis, den Militärflughafen Sigonella zu nutzen, um dann in den Nahen Osten weiterzufliegen. Begründet wurde dies mit der Unterlassung einer Ankündigung der Flüge und zu welchem Zweck diese dienten.
Schon vergangene Woche hat Spanien seinen Luftraum für US-Militärflüge im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg gesperrt und die Nutzung gemeinsamer Stützpunkte untersagt.
Donald Trump: «Holt euch euer eigenes Öl»
Die Nervosität im Weissen Haus wird angesichts solcher Entwicklungen immer offensichtlicher. Marco Rubios «Klarstellung» am Montag zu den wahren US-Zielen im Iran löste eine neue Flut an Kritik und spöttischen Kommentaren aus: Die zu Beginn verkündeten Pläne für einen Regimewechsel und die Zerschlagung des iranischen Nuklearprogramms fanden in Rubios vier Punkten «zum Mitschreiben» plötzlich keine Erwähnung mehr.
SECRETARY RUBIO: Here are the clear objectives of the operation. You should write them down:
— Department of State (@StateDept) March 30, 2026
1. The destruction of Iran’s air force
2. The destruction of their navy
3. The severe diminishing of their missile launching capability
4. The destruction of their factories
🎯 pic.twitter.com/SrqCtPLlZB
Stattdessen listete der US-Aussenminister lediglich das auf, was bereits durch die amerikanischen und israelischen Bombardierungen weitgehend erfolgt ist: die Zerstörung von Irans Luftwaffe, Marine und nicht näher bezeichneten «Fabriken» sowie die «ernsthafte Verringerung ihrer Raketenstart-Fähigkeiten».
Dieses Bild der Orientierungslosigkeit rundete Donald Trump am Dienstag mit einem weiteren Rundumschlag gegen seine Verbündeten ab. All jene Länder, die sich bisher geweigert hätten, sich an der «Enthauptung Irans» zu beteiligen, sollten jetzt endlich ihren Mut zusammennehmen. «Holt euch euer eigenes Öl», schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social.
BREAKING:
— Brian Krassenstein (@krassenstein) March 31, 2026
- Trump starts an idiotic war.
- Trump begins to lose the idiotic war he started.
- Trump wants our allies to die in helping us in the idiotic war he started.
- Trump attacks allies, like a toddler for not helping us in the idiotic war he started, and has a… pic.twitter.com/c9axcRwGOd
Länder wie Grossbritannien müssten jetzt lernen, alleine zu kämpfen. «Denn die USA werden euch nicht mehr zu Hilfe eilen, so wie ihr nicht für uns da wart», wetterte Trump. Noch deutlicher kann man seine aufgestaute Frustration über den bisherigen Verlauf von «Epic Fury» nicht zeigen. (aargauerzeitung.ch)

