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Iran

Verhandlungen zwischen USA und Iran in Pakistan: Die wichtigsten Punkte

Maximalforderungen und Drohgebärden: Die Lage vor den Iran-Verhandlungen in 6 Punkten

11.04.2026, 07:2611.04.2026, 07:26

Was ist neu?

Unmittelbar vor Beginn der geplanten Friedensgespräche in Pakistan zwischen den USA und dem Iran haben beide Kriegsparteien auf ihren jeweiligen Forderungen beharrt. Der Iran machte seine Teilnahme an den Verhandlungen in der Hauptstadt Islamabad unter anderem von einem Ende der israelischen Angriffe im Libanon abhängig. US-Präsident Donald Trump drohte seinerseits bereits mit neuen Attacken auf den Iran, falls sich Teheran nicht auf die US-Forderungen einlassen sollte.

Vice President JD Vance speaks to the press before boarding Air Force Two, Friday, April 10, 2026, at Joint Base Andrews, Md., for expected departure to Pakistan, for talks on Iran. (AP Photo/Jacquely ...
JD Vance vertritt die USA bei den Verhandlungen in Pakistan.Bild: keystone

Wer vertritt die beiden Länder?

Die USA sind in Islamabad mit Vizepräsident JD Vance auf zweithöchster Ebene vertreten. Auch die grosse iranische Delegation ist ranghoch besetzt. Neben dem Leiter Ghalibaf gehören dazu etwa auch Aussenminister Abbas Araghtschi, der Sekretär des Verteidigungsrates, Ali-Akbar Ahmadian, und der Gouverneur der Zentralbank, Abdol-Naser Hemmati, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete.

In this photo released by the Pakistan Foreign Ministry, Iran's Parliament Speaker Mohammad Bagher Qalibaf, center right, and Iran's Foreign Minister Abbas Araghchi, center left, are greeted ...
Die iranische Delegation in Pakistan.Bild: keystone

Wie sollen die Verhandlungen ablaufen?

Der Zeitplan und das Format der Verhandlungen waren zunächst noch nicht ganz klar. Erwartet wird folgendes:

  • Erste Gespräche dürften wohl indirekt stattfinden, mit Pakistan als Vermittler zwischen den beiden Seiten. So war es etwa zuletzt auch bei den vom Oman vermittelten Atomgesprächen gewesen.
  • Sollte es Fortschritte geben, könnte es auch zu direkten Verhandlungen kommen. Mit Vance als Leiter der US-Delegation würden die Gespräche den ranghöchsten direkten Austausch mit der Islamischen Republik seit geraumer Zeit darstellen.
  • Auch eine Verlängerung der Verhandlungen auf den Sonntag soll Medienberichten zufolge bei Fortschritten möglich sein.

Was ist die Ausgangslage?

Im Laufe der Jahre und unter wechselnden US-Präsidenten gab es mit dem Iran immer wieder Verhandlungen um Teherans umstrittenes Atomprogramm. Die Gespräche zogen sich jeweils sehr lange hin. Nach gut fünf Wochen Krieg ist die Ausgangslage nun eine andere:

  • Die USA und Israel haben im Iran Tausende Ziele angegriffen, das Land militärisch massiv geschwächt und einen Teil der Führungsriege getötet. Trump meint deswegen, die USA hielten jetzt alle Trümpfe in der Hand. «Der einzige Grund, warum sie heute noch am Leben sind, ist, um zu verhandeln!», schrieb Trump etwa am Freitag.
  • Die neue Führung in Teheran sieht sich vor den Gesprächen ebenfalls in einer Position der Stärke: Das Machtsystem der Islamischen Republik ist weiter intakt und die US-Verbündeten am Persischen Golf mussten schmerzhafte Gegenangriffe verkraften. Vor allem kontrolliert der Iran weiterhin die für die globale Energieversorgung entscheidende Strasse von Hormus – und hält damit die Weltwirtschaft in Atem. Aus iranischer Sicht steht Washington auch deswegen unter Zeitdruck.
epaselect epa12788061 Smoke and flames rise behind buildings after an explosion on the second consecutive day of strikes by the US and Israel, in Tehran, Iran, 01 March 2026. A joint Israeli and US mi ...
Feuer nach einem Angriff in Teheran im März.Bild: keystone

Welche sind die grossen Streitpunkte?

Selbst, wenn manche Maximalforderungen nur als Verhandlungstaktik dienen sollten, liegen die Positionen der beiden Kriegsparteien weit auseinander.

  • Zu den grössten Konfliktpunkten zählt Irans Blockade der Strasse von Hormus. Der Iran beansprucht die Kontrolle der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman und plant die Einführung eines Mautsystems. Die USA hingegen fordern eine freie und sichere Durchfahrt von Schiffen ohne Gebühr – wie es auch vor dem Krieg der Fall war.
  • Zudem verlangt Washington die Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans und die Einstellung des iranischen Atomprogramms. Washington will dem Iran auch eine Begrenzung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen auferlegen.
  • Der Iran wiederum fordert die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie Reparationszahlungen für die während des Kriegs entstandenen Schäden. Zudem verlangt Teheran die Aufhebung sämtlicher Sanktionen, eine Garantie, dass es nicht mehr zu Angriffen kommen wird und einen Abzug von US-Soldaten aus dem Nahen Osten.
A cargo ship carrying vehicles sails through the Arabian Gulf toward the Strait of Hormuz in the United Arab Emirates, Sunday, March 22, 2026. (AP Photo)
Emirates Iran War
Eine zentrale Frage bei den Verhandlungen: Was passiert mit der Strasse von Hormus?Bild: keystone

Was ist mit dem Libanon?

Trotz Maximalforderungen und scharfer Rhetorik beider Seiten hält die für zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran seit Mittwoch weitgehend. Umstritten ist allerdings, ob die Waffenruhe auch für den Libanon gilt: Teheran sieht das so, die USA und Israel hingegen nicht.

Deswegen war bis zuletzt noch unklar, ob die iranische Delegation überhaupt an den Gesprächen teilnehmen würde. Teheran verlangt als Vorbedingung ein Ende der israelischen Angriffe auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon.

Allerdings knüpften Israel und der Libanon erste Kontakte zur Vorbereitung von Gesprächen über eine künftige Waffenruhe. In einem Telefonat loteten die libanesische Botschafterin in Washington und der israelische Botschafter in den USA die Chancen für Verhandlungen aus, wie das Präsidialamt in Beirut mitteilte.

Demnach wurde ein erstes Treffen am Dienstag im US-Aussenministerium vereinbart. Ziel sei die Verkündung einer Waffenruhe und der Beginn formeller Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter Vermittlung der USA, hiess es aus Beirut weiter. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios ist Israel zwar zu Gesprächen mit dem Libanon bereit, nicht aber zu Verhandlungen über eine Feuerpause gegenüber der proiranischen Hisbollah.

(dab/sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Kaltpresse
11.04.2026 08:26registriert März 2025
Die hiesigen Medien scheinen die Sachlage nicht zu verstehen: Es handelt sich um Kapitulationsverhandlungen der USA.
Wie man hört, haben die USA bereits Milliareden Dollar locker gemacht, um überhaupt die Chance zur Kapitulation zu bekommen.
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