International
Iran

Irans Ex-Präsident Rafsandschani gestorben

FILE -- In this Dec. 21, 2015 file photo, former Iranian President Akbar Hashemi Rafsanjani waves to journalists as he registers his candidacy for the elections of the Experts Assembly, in Tehran, Ira ...
Bild: Ebrahim Noroozi/AP/KEYSTONE

Irans Ex-Präsident Rafsandschani gestorben

08.01.2017, 17:3708.01.2017, 19:13
Mehr «International»

Der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er war am Sonntagvormittag wegen Herzrhythmusstörungen in ein Spital in Teheran eingewiesen worden, wo er Stunden später verstarb.

Der Kleriker war einer der Architekten der islamischen Revolution von 1979. Rafsandschani galt als moderater Politiker und als Mentor des derzeitigen Präsidenten Hassan Ruhani.

Bis zuletzt blieb das politische Stehaufmännchen Rafsandschani eine der einflussreichen Persönlichkeiten im Iran. Deshalb traf etwa Johann Schneider-Ammann im Februar 2016 als Bundespräsident während seines Staatsbesuchs im Iran auch mit Rafsandschani zusammen.

Präsident und Präsidentenmacher

Er wurde am 25. August 1934 in eine reiche Familie geboren und studierte Theologie in Choms, bevor er 1963 in die Politik eintrat. Während der Schah-Zeit war er mehrmals inhaftiert gewesen. Rafsandschani war ein enger Vertrauter des religiösen Führers Ayatollah Khomeini, dem Gründer der islamischen Republik 1979.

In Interviews betonte der Schiit immer wieder, dass er versucht habe, Khomeini von einer Normalisierung der Beziehungen zu den USA zu überzeugen. Dieser prägte jedoch im Gegenteil den Begriff vom «grossen Satan», wie er die Vereinigten Staaten zu nennen pflegte.

Rafsandschani arbeitete sich hoch zum Parlamentspräsidenten. Dieses Amt hatte er von 1980 bis 1989 inne. Dann wurde er zum Präsidenten gewählt. Das Amt bekleidete er während zwei Amtsperioden bis 1997.

Rafsandschanis Amtszeit als Präsident war einerseits geprägt von der Öffnung des Landes nach aussen, andererseits von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, steigender Inflation und Verschuldung. Rafsandschani selber war aber einer der reichsten Männer im Land. Er hatte Freunde, aber ebenso viele Feinde.

Nach seiner Präsidentschaft wurde er zum Präsidentenmacher im Iran, machte den Reformer Mohammad Chatami 1997 zu seinem Nachfolger. Mit seiner Unterstützung für Chatami und den Reformkurs im Land brachte er die Hardliner und den erzkonservativen Klerus immer mehr gegen sich auf.

2005 trat er erneut zur Präsidentschaftswahl an, musste sich aber gegen den damals eher unbekannten Mahmud Ahmadinedschad geschlagen geben. Danach grenzte er sich mehr vom erzkonservativen Klerus ab und nahm den Kampf gegen die Hardliner auf. Diese brandmarkten ihn als Dissidenten. Er durfte nicht einmal mehr das Freitagsgebet in Teheran leiten.

Chef-Schlichter

Geschlagen gab sich Rafsandschani nicht: Erneut wurde er 2013 zum Präsidentenmacher für seinen Schützling Ruhani, der mit dem Westen ein Atomabkommen aushandelte und auf diese Weise die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran erreichte, unter denen das Land lange gelitten hatte.

Zuletzt stand Rafsandschani an der Spitze des Schlichtungsrates. Dieses Gremium soll bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parlament und dem Wächterrat vermitteln. Letzterer überwacht die Konformität aller Gesetze und Regierungsbeschlüsse mit dem Islam. (sda/dpa/reu/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Keine Ausschussvorsitze für Rechtsaussen-Fraktionen in EU-Parlament

Im Europaparlament werden die beiden Rechtsaussen-Fraktionen keine Ausschussvorsitzenden stellen. Sowohl das Bündnis um Ungarns Regierungschef Viktor Orban, die «Patrioten für Europa», als auch die Fraktion «Europa Souveräner Nationen» (ESN), in der die AfD stärkste Kraft ist, gingen bei der Postenverteilung leer aus, wie aus Angaben des Parlaments hervorgeht. Damit hat die in Brüssel und anderswo als «Cordon sanitaire» bezeichnete Brandmauer gegen rechts der proeuropäischen Fraktionen vorerst gehalten.

Zur Story