Der Iran erlebt einen Regimewechsel – aber nicht so, wie ihn Trump sich wünscht
Wann endet der Iran-Krieg? Diese Frage stellen sich Expertinnen und Analysten weltweit. Sie ist deshalb nicht einfach zu beantworten, weil weder Israel noch die USA klar definierte Ziele verfolgen. Die Regierung von Donald Trump betonte aber von Beginn weg, dass ein Regimewechsel im Iran angestrebt wird.
Dafür nahm er das iranische Volk seit seinem ersten Statement kurz nach den ersten Luftangriffen Ende Februar in die Pflicht:
Bei der ersten Angriffswelle wurde auch Irans oberster Führer, Ali Chamenei, getötet. In den folgenden Wochen kommunizierten die USA und Israel die Tötung Dutzender hoher iranischer Amtsträger. Dennoch hält sich das Regime weiterhin an der Macht. Auf Ali Chamenei folgte Modschtaba Chamenei, der sogar noch «schlimmer» und «repressiver» als sein Vater sei, wie verschiedene Experten kommentierten:
Wie sich das Regime wandelt
Sogar im Iran sahen Regimeanhänger die Amtseinsetzung von Chameneis Sohn kritisch: «Die Welt wird die Ära seines Vaters vermissen», sagt ein iranischer Beamter zu Reuters. «Modschtaba wird keine andere Wahl haben, als mit eiserner Faust vorzugehen. Selbst wenn der Krieg endet, wird es zu massiven internen Repressionen kommen.»
Der Konflikt geht mittlerweile in seine siebte Woche, Modschtaba Chamenei ist immer noch nicht öffentlich aufgetreten und die Frage bleibt, ob er gesundheitlich überhaupt fit genug ist, die iranischen Geschäfte im Krieg zu leiten. Klar ist jedoch, dass das Regime in Teheran weiterhin eisern an der Macht festhält – und sich dabei sogar noch stärker radikalisiert hat, wie das Wall Street Journal schreibt.
«Der Krieg hat das Regime verändert – und zwar nicht zum Guten», sagt Danny Citrinowicz, der früher die Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdienstes leitete, zur Zeitung. «Wir haben eine Realität geschaffen, die schlimmer ist als das, womit die Iraner vor dem Krieg konfrontiert waren.»
Getötete durch Radikale ersetzt
Die Stossrichtung des Regimes unter Chameneis Sohn wird unter anderem durch die Nachbesetzung der getöteten Machthaber deutlich. Auf Ali Laridschani folgt beispielsweise Mohammad Bagher Zolghadr als nationaler Sicherheitschef. Zolghadr war zuvor Kommandeur der Revolutionsgarde und soll für die Ausbildung paramilitärischer Verbände, die im Ausland operieren, verantwortlich gewesen sein. Er will Israel vernichten und dessen Territorium dem Iran einverleiben.
Weiter wurde nach der Tötung von Mohammad Pakpour, des Chefs der Revolutionsgarde, Ahmad Vahidi eingesetzt. Er wird unter anderem verdächtigt, 1994 den Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires mit 85 Toten geplant zu haben.
«Die extreme Fraktion innerhalb der Revolutionsgarde übernimmt die Führung», sagte Saeid Golkar, Experte für die iranischen Sicherheitsdienste an der University of Tennessee, zum Wall Street Journal.
Repressiver denn je
Aktuell werden Reformer immer stärker verdrängt und Radikale rücken nach. Jegliche Aufstände werden mittels Waffengewalt und Hinrichtungen im Keim erstickt. Die Strassen in Teheran werden von der Revolutionsgarde besetzt.
«Wir sehen ein deutlich repressiveres Regime, jetzt schon», sagt Iran-Forscherin Diba Mirzaei bei «Markus Lanz». Sie sah in Ali Chamenei jemanden, der die Balance zwischen den Reformern und der Revolutionsgarde aufrechterhalten hat.
Donald Trump und Israel haben mit der Tötung des obersten religiösen Führers den Reformern im Iran letztendlich einen Bärendienst erwiesen. «Jetzt ist er weg und die Konsequenz ist, dass die Revolutionsgarde im Iran politisch sowie auch militärisch entscheidet.» (leo)
