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Streit mit Netanjahu: JD Vance wird im Iran-Krieg zur Schlüsselfigur

Vice President JD Vance, chair of the newly formed Task Force to Eliminate Fraud, speaks during the task force's first meeting in the Indian Treaty Room at the Eisenhower Executive Office Buildin ...
In diesen Tagen ein gefragter Mann: US-Vizepräsident JD Vance könnte in der kommenden Woche sogar nach Pakistan reisen, um über ein Kriegsende zu verhandeln.Bild: keystone

Darum wird JD Vance im Iran-Krieg zur Schlüsselfigur

Ein Telefonat zwischen Israels Premierminister und JD Vance ist diese Woche eskaliert. Dennoch soll nun Vance die Verhandlungen mit dem Iran führen.
29.03.2026, 16:3929.03.2026, 16:53
Simon Maurer / ch media

Es hat ordentlich gekracht zwischen JD Vance und Benjamin Netanjahu. Laut einem Bericht des US-Portals Axios hat Vance den israelischen Premier übers Telefon angeschrien und ihm vorgeworfen, die Erfolgsaussichten des Kriegs gegen den Iran deutlich zu optimistisch dargestellt zu haben – insbesondere die Illusion eines schnellen Regimewechsels. Netanjahu habe Trump mit falschen Behauptungen in den Krieg gedrängt.

«Unser Interesse ist eindeutig, keinen Krieg mit dem Iran zu beginnen»
JD Vance, vor zwei Jahren

Das Telefonat markiert die letzte Episode eines Streits, der schon lange die Allianz zwischen den USA und Israel belastet. Trumps Vizepräsident Vance ist innerhalb der US-Regierung der Wortführer jener Fraktion, welche amerikanische Eingriffe in fremde Länder vehement bekämpft. Vance sagte erst vor zwei Jahren: «Unser Interesse ist eindeutig, keinen Krieg mit dem Iran zu beginnen.» Das wäre sonst «eine riesige Verschwendung von Ressourcen» und «extrem teuer für unser Land». Israel aber braucht die Hilfe der USA, um gegen den Iran zu bestehen.

Er denkt etwas anderes, als er den Wählern sagt

Öffentlich hat Vance seine Meinung geändert und verteidigt nun den US-Angriff auf den Iran. Am Samstag sagte er zum konservativen Podcaster Benny Johnson, dass der Einsatz notwendig sei. Präsident Donald Trump werde die Operation «noch eine Weile fortsetzen», um Teheran nachhaltig zu schwächen. Auch die momentan hohen Benzinpreise seien nur «eine sehr kurzfristige Reaktion bei einem schlussendlich kurzen Konflikt».

Doch hinter den Kulissen zeigt sich ein anderes Bild. Mehrere Berater aus Trumps Umfeld berichten gegenüber US-Medien, Vance habe die militärische Intervention von Anfang an kritisch gesehen und intern dagegen argumentiert. Das passt zu früheren Berichten über geleakte Chatnachrichten, wonach er bereits im vergangenen Jahr gegen Trumps Angriffe auf die Huthi gewesen sei.

Erklären lässt sich das mit Vances Biografie. Der 41-Jährige hat 2005 selbst sechs Monate im Irak gedient. Vom Luftwaffenstützpunkt Al-Asad aus schrieb er für Militärpublikationen und Lokalzeitungen über Einsätze der US-Marines.

Al-Asad-Luftwaffenstützpunkt

Bild
screenshot az

Als er Soldaten auf Sondermissionen begleitete, sah er aus nächster Nähe, wie weit die optimistischen Verlautbarungen der Bush-Regierung von der Realität des Kriegs entfernt waren.

JD Vance als 19-Jähriger bei den Marines: Damals trug er noch den Nachnamen seines Stiefvaters und hiess «JD Hamel».
JD Vance als 19-Jähriger bei den Marines: Damals trug er noch den Nachnamen seines Stiefvaters und hiess «JD Hamel».bild: wikimedia

So wurden die sechs Monate im Nahen Osten für Vance zum Schlüsselerlebnis. In seinem Buch «Hillbilly Elegy» beschreibt er, wie er als Idealist in den Irak ging und als Skeptiker wieder zurückkehrte. Nicht nur der Krieg selbst habe ihn ernüchtert, sondern auch die Erfahrung, dass die Ziele der amerikanischen Intervention mit der Lage vor Ort immer weniger zu tun hatten. Daraus erklärt sich auch sein bis heute prägender Reflex: tiefes Misstrauen gegenüber militärischen Abenteuern im Ausland und gegenüber den Eliten in Washington, die solche Kriege mit grossen Versprechen verkaufen.

Der christliche Fundamentalist Vance soll es richten

Wenig überraschend führt Vance deshalb nun den isolationistischen Flügel seiner Partei an, der den aktuellen Iran-Krieg so schnell wie möglich beenden will – im Zweifel, ohne dass das Mullah-Regime beseitigt ist. Das widerspricht dem Interesse der israelischen Führung um Benjamin Netanjahu, der Verhandlungen mit den Iranern ablehnt und die militärische Mission fortführen will, bis Israels Sicherheit garantiert ist. Zusätzliche Animositäten ergeben sich aus Vances zögerlicher Haltung gegenüber antisemitischen Stimmen am rechten Rand der Republikaner.

Das Problem für Netanjahu ist jetzt aber, dass Vance aufseiten der Amerikaner plötzlich die Verhandlungen übernehmen soll. Bisher waren Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der Nahost-Sondergesandte Steve Witkoff im Namen der US-Regierung federführend – unter anderem auch bei den direkten Verhandlungen mit dem Iran in Genf.

Oman's Minister of Foreign Affairs Sayyid Badr bin Hamad Al Busaidi, right, holds a meeting with White House special envoy Steve Witkoff, centre, and Jared Kushner, as part of the ongoing Iranian ...
Jared Kushner und Steve Witkoff bei einem Gespräch mit Omans Aussenminister.Bild: keystone

Doch dieses Duo hat das Vertrauen der iranischen Verhandlungsführer verloren, nachdem die USA und Israel den Krieg gegen den Iran an einem Samstagmorgen eher überraschend gestartet haben. Jetzt soll deshalb ausgerechnet Isolationist Vance die Kohlen aus dem Feuer holen. «Auf ihn reagieren die Iraner ein wenig besser», erklärte Trump in einer Rede die Rochade.

Offiziell sind die neuen Friedensverhandlungen nun am Sonntag in Pakistan gestartet. Die Aussenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei treffen sich in der Hauptstadt Islamabad, um indirekt im Interesse der Kriegsparteien zu verhandeln. Gemäss Insidern wird darüber spekuliert, ob nicht auch JD Vance für die US-Seite anreisen könnte. Für den Kriegsgegner Vance wird das in jedem Fall ein aussergewöhnlicher Balanceakt. (aargauerzeitung.ch)

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Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
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