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Palestinian demonstrators throw stones toward Israeli security forces during clashes after the funeral of Palestinian Saed Dawabsheh, 32, in the West Bank village of Duma near Nablus on Saturday, Aug. 8, 2015. The father of a Palestinian toddler killed in a July 31 firebomb attack blamed on Jewish extremists has died of wounds sustained in the same incident, his family said Saturday. His 18-month-old toddler perished in the flames, while his 4-year-old brother and parents were seriously hurt. (AP Photo/Majdi Mohammed)

Palästinensische Protestdemonstration in Duma, wo der Brandanschlag Ende Juli verübt wurde.  Bild: Majdi Mohammed/AP/KEYSTONE

Festnahmen nach Brandanschlag: Israel geht verstärkt gegen radikale Ultra-Nationalisten vor



Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete am Sonntag die sogenannte Administrativhaft für zwei jüdische Extremisten an. Die Massnahme richtet sich zum einen gegen Meir Ettinger, einen der bekanntesten Vertreter der radikalen «Hügel-Jugend» aus den Siedler-Aussenposten. 

Ettinger war am vergangenen Montag auf Drängen des Inlandgeheimdienstes festgenommen worden. Dieser hält den Enkel von Rabbiner Meir Kahane, verstorbener Gründer der verbotenen Rassistenbewegung Kach, für den Kopf einer Gruppierung, die unter anderem für die jüngsten Anschläge auf Klöster und Kirchen in Israel verantwortlich ist. 

Der jüdische Ultranationalist Eviatar Slonim kam am Sonntag ebenfalls für ein halbes Jahr in Administrativhaft, wie schon vergangene Woche ein dritter Rechtsextremist, Mordechai Meyer. Alle drei werden laut Minister Jaalon verdächtigt, einer «jüdischen Extremistengruppe » anzugehören.

Die Verwaltungshaft, die mit Zustimmung eines lokalen Gerichtspräsidenten ohne Anklage und Verfahren unbegrenzt wiederholt werden kann, wird in Israel äusserst selten gegen Juden, dagegen regelmässig gegen palästinensische Aktivisten angewendet.

Razzien in jüdischen Siedlungen 

Im Zusammenhang mit dem tödlichen Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland nahm die israelische Polizei mehrere Tatverdächtige fest. Sie wurden am Sonntag bei Razzien in wild errichteten Aussenposten jüdischer Siedler in Gewahrsam genommen, wie die Polizei mitteilte.

Die Razzien gegen radikale jüdische Siedler begannen in der Nacht zum Sonntag und dauerten bis in den Vormittag. Durchsuchungen und Festnahmen stünden «in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Tat in Duma», erklärte die Polizei, die keine Angaben zur Zahl der Verdächtigen machen wollte. 

Nach übereinstimmenden Berichten in israelischen Medien wurden in der illegalen Siedlung Adei Ad, in der direkten Nachbarschaft von Duma, zwei Personen festgenommen. In einem illegalen Aussenposten der einige Kilometer weiter südlich gelegenen Siedlung Kochav Haschachar seien sieben junge Siedler-Aktivisten in Polizeigewahrsam genommen worden, hiess es. 

Familienvater erliegt seinen Verletzungen 

In dem palästinensischen Dorf Duma waren am 31. Juli Brandanschläge auf zwei Häuser verübt worden, ein Kleinkind verbrannte bei lebendigem Leibe. Sein Vater erlag am Samstag seinen Verletzungen. Auch die Mutter und ein vierjähriger Bruder erlitten schwerste Brandwunden. 

«Als ich die Familie vergangene Woche im Spital besucht habe, habe ich versprochen, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden, um die Mörder zu fassen», sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu am späten Samstagabend einer Mitteilung seines Büros zufolge. «Und das tun wir.» 

Saad Dawabscha, der Vater des bei dem Anschlag verbrannten anderthalbjährigen Ali, starb am Samstag in einem israelischen Spital an seinen Verletzungen. Er wurde von tausenden Palästinensern in seinem Heimatort beigesetzt. Die 26-jährige Mutter Riham schwebte in einer Klinik bei Tel Aviv immer noch in Lebensgefahr. Der vierjährige Sohn Ahmed scheint ausser Lebensgefahr; israelischen Medien zufolge atmet er inzwischen wieder selbstständig. Ihm stünden aber noch viele Operationen bevor, sagte eine Ärztin. (sda/afp/dpa)

epa04877022 Palesinian family members carrying the body of Saad Dawabsha, during his funeral at his West Bank village of Douma near Nablus City, 08 August 2015. Saad is the  father of the Palestinian infant killed in firebomb attack by suspected Jewish extremist in the West Bank has died of his injuries at an Israeli hospital, Palestinians said on 08 August. Mosques in the village of Douma, south of the city of Nablus, announced the death of Saad Dawabsha, 37, on loudspeakers. His 18-month-old son Ali died in the arson attack on 31 July, his wife and son Ahmad, 4, are being treated for serious burns in Israel.  EPA/STRINGER

Am 8. August wurde Saad Dawabscha beerdigt, der seinen Verletzungen vom Brandanschlag erlegen war.  Bild: STRINGER/EPA/KEYSTONE

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