International
Israel

Navigationsirrtum israelischer Soldaten löst schwere Unruhen aus – 22-Jähriger erschossen

Navigationsirrtum israelischer Soldaten löst schwere Unruhen aus – 22-Jähriger erschossen

01.03.2016, 14:3101.03.2016, 14:31

Zwei israelische Soldaten sind versehentlich in ein palästinensisches Flüchtlingslager im besetzten Westjordanland gefahren und haben damit in der Nacht zum Dienstag schwere Zusammenstösse ausgelöst. Ein Palästinenser wurde erschossen, 15 weitere Personen verletzt.

Das Kalandija-Camp.
Das Kalandija-Camp.
Bild:

Auslöser war der Irrtum zweier Soldaten, die auf dem Weg von Jerusalem nach Ramallah ein Navigationssystem ihrer Mobiltelefone nutzten und versehentlich in das Kalandija-Camp gerieten. Das Geländefahrzeug der Armee wurde mit Molotowcocktails in Brand gesetzt und mit Steinen beworfen, erklärte ein Armeesprecher.

Um die beiden Insassen zu bergen, seien Grenzpolizisten in grosser Zahl in das Lager eingerückt und mit weiteren Brandflaschen und Gewehrschüssen angegriffen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

22-Jähriger erschossen

Laut palästinensischem Gesundheitsministerium wurde ein 22-jähriger Student erschossen; zehn weitere Anwohner erlitten Verletzungen. Die Polizei berichtete, fünf Beamte seien bei dem Einsatz verwundet worden, davon einer schwer.

Einer der beiden Soldaten hatte sich in einen Vorgarten geflüchtet, ein Positionssignal gesendet und um sich geschossen, bis er herausgeholt und in Sicherheit gebracht wurde. Der andere konnte zu Fuss in eine benachbarte israelische Siedlung flüchten.

Wie Armeesprecher Moti Almos mitteilte, hatten sich die beiden Soldaten auf die führende israelische Navigations-App Waze verlassen. «Das ist ein hervorragendes Hilfsmittel, hat aber seine Grenzen», erklärte Almos und kündigte eine nähere Untersuchung des Geschehens an.

Umstrittenes Haftverfahren

Palästina

Bei der derzeitigen Gewaltwelle in Israel und den Palästinensergebieten sind seit Anfang Oktober 178 Palästinenser, 28 Israelis sowie je ein US-Bürger, Eritreer und Sudanese getötet worden. Die meisten Palästinenser starben, als sie Attacken mit Messern, Autos oder Schusswaffen verübten. Andere wurden bei Zusammenstössen im Zuge von Protesten gegen die anhaltende Besatzung erschossen.

Israel

Israel will die Unruhen mit der zunehmenden Verhängung der umstrittenen Verwaltungshaft eindämmen. Diese ermöglicht die unbegrenzt verlängerbare Inhaftierung ohne Anklage und Prozess.

(sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Mit Pam Bondi geht die zweite Ministerin: Warum Trump sein Kabinett umbaut
Sie waren lautstarke und prominente Persönlichkeiten in Donald Trumps zweiter Amtszeit: Innerhalb weniger Wochen und mitten im Krieg gegen den Iran hat der US-Präsident mit Ex-Heimatschutzministerin Kristi Noem und nun Justizministerin Pam Bondi gleich zwei treue Gefolgsleute in Schlüsselressorts entlassen. Kritiker sehen ein mögliches Ablenkungsmanöver.
In seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) ging Trump beim Kabinettsumbau noch rigoroser vor. Es gab aussergewöhnlich viel Personalwechsel, was seine gesamte Agenda überschattete. Die zweite Amtszeit begann unter anderen Vorzeichen, da Trump sich von vornherein getreue Gefolgsleute ausgesucht hatte. Umso erstaunlicher ist, dass er sich nun gleich von zwei Ministerinnen trennt.
Zur Story