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In this photo taken on Sunday, May 12, 2019, Cardinal Konrad Krajewski, center, poses with activists and residents of an unused state-owned building in Rome. Italian Interior Minister Matteo Salvini has taken aim at a Vatican cardinal who climbed into a utility manhole to restore electricity to squatters in a state-owned building, pitting Pope Francis' humanitarian priorities against far-right Italian politics. Salvini was incensed by Cardinal Konrad Krajewski's actions. A rising force in Europe's far-right politics, he is insisting that Krajewski pay 300,000 euros in back utility bills for the Rome building, grumbling that Italians who pay for their own power must be

Der Kardinal Konrad Krajewski posiert mit Bewohnern des besetzten Hauses in Rom. Bild: AP/Fabio Grimaldi

Der Papst hat Salvini gerade so richtig ans Bein gepinkelt

Ein Kardinal schaltete in einem besetzten Haus in Rom den Strom wieder an. Egal, ob der Almosenmeister des Vatikans ein Gesetzesbrecher oder ein Robin Hood der Armen ist. Die Geschichte sagt viel über die politische Agenda von Papst Franziskus.



Als der Kardinal das Licht anmachte, dachten die Hausbewohner, Gott persönlich sei am Werk. Quasi so wie es in der Bibel steht: «Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht». So geschah es in einem besetzten Haus im Zentrum von Rom. Doch es war nicht Gottes Hand, sondern die des Almosenmeisters des Papstes, der in den Kellerraum ging, die Sicherungsplomben entfernte und das besetzte Haus zum Leuchten brachte.

FILE - This Nov. 29, 2013 file photo shows Mons. Konrad Krajewski during an interview with The Associated Press in his office at the Vatican. Pope Francis this summer is treating dozens of Rome's homeless to a day at the beach and dinner in a pizzeria on the way back. The pontiff's almsgiver, Polish monsignor Krajewski, told Italian state radio Sunday, Aug. 14, 2016, the afternoon outings reflect the homeless'

Der Almosenkardinal Konrad Krajewski. Bild: AP/AP

Nun mag es noch keine grosse Nachricht sein, wenn der oberste Armutsbeauftragte des Vatikans Bedürftigen hilft. Doch der polnische Kardinal Konrad Krajewski hat sich über das Gesetz hinweggesetzt – und zugleich ein deutliches politisches Zeichen gesetzt.

Der gesetzesbrechende Geistliche ist zum Symbol für Solidarität und Menschlichkeit in einem Land aufgestiegen, in dem vor allem der rechte Innenminister Matteo Salvini mit Hetze gegen Migranten den Ton angibt.

Um dieses Haus geht es:

In dem Haus «Spin Time» wohnen mehr als 400 Menschen, viele Familien, viele Ausländer, darunter rund 100 Kinder. Sie haben die Rechnungen für Strom und Wasser nicht bezahlt. Deshalb hat ihnen der Netzbetreiber letzte Woche Strom und warmes Wasser abgestellt.

Überall in Rom – ja in ganz Italien – gibt es diese Häuser, sie heissen auch «centri sociali» und sind so etwas wie soziale Treffpunkte. Oft sind sie organisiert von linken Aktivisten. Manchmal schlimm heruntergekommen, manchmal aber auch fast wohnlich. Vor allem den Rechtspopulisten in der Regierung sind sie ein Dorn im Auge.

Das «Spine Time» in Rom

Für viele ist die Geste des Vatikans nun eindeutig ein Zeichen, dass sich der Chef des Hauses – nämlich Papst Franziskus – endgültig aktiv in die Politik einmischt.

Die römische Zeitung «Il Messaggero» sieht in der Strom-Aktion gar einen «Spiegel eines ganzen Pontifikats». Franziskus predigt seit seinem Amtsantritt eine Kirche für die Armen. Nahe am Menschen. Geld, Machtgier und Protz auch in der Kirche verpönt er. Und vor allem setzt er sich ein ums andere Mal für Migranten und gegen Nationalismus und Rassismusein. Die Kirche müsse dem «populistischen Narrativ von Hass und Furcht» eine positive Botschaft entgegensetzen, lautet das Motto des Argentiniers.

Um diese Botschaft zu untermauern, traf er vorige Woche auch Sinti und Roma im Vatikan. Die waren zuletzt in der römischen Peripherie mit Hitlergruss und mit heftigen Protesten vertrieben worden. Salvini will sie «mit dem Bagger» am liebsten gleich ganz wegschaufeln und nennt sie auch schon mal «Würmer». In Italien ist die Wortwahl nicht mal mehr ein Skandal.

Für alle katholischen Kleriker und Ordensleute gilt ab Juni eine Meldepflicht für Missbrauchsfälle in der Kirche. Papst Franziskus hat dies in einem apostolischen Schreiben mitgeteilt. Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist nicht vorgesehen.

Bild: EPA ANSA

«Die wahren Bürger zweiter Klasse sind diejenigen, die Menschen beiseiteschieben: Das sind Bürger zweiter Klasse, weil sie nicht zu umarmen wissen.»

Der Papst beim Roma-Treffen.

Später protestierten Anhänger der neofaschistischen Partei Forza Nuova in der Nähe des Petersplatzes gegen Franziskus. Auch hinter dem Elektriker-Einsatz des Kardinals stecke Franziskus, um eine Botschaft in die Welt zu senden, sagte der Kirchenhistoriker Francesco Margiotta Broglio dem «Messaggero». Und der zweite Mann im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, erklärte, mit der Aktion solle «die Aufmerksamkeit auf ein reales Problem gelenkt werden, das Menschen, Kinder, Alte betrifft».

epa07514525 Italian Deputy Premier and Interior Minister, Matteo Salvini, gestures as he attends the Raiuno Italian program 'Porta a porta' conducted by Italian journalist Bruno Vespa in Rome, Italy, 18 April 2019.  EPA/RICCARDO ANTIMIANI

Die Haltung von Innenminister Matteo Salvini wenn es um Migranten geht. Bild: EPA/ANSA

Salvini – der sich gern als gläubiger Katholik mit Rosenkranz zeigt – beeindruckte das Signal von oben wenig. «Wenn sie im Vatikan die Rechnungen für alle Italiener in Schwierigkeiten zahlen wollen, sollen sie uns die Kontonummer geben», sagte er. «Illegalität zu unterstützen, ist nie eine gute Botschaft.»

Was dem Almosenmeister nun für Konsequenzen drohen, steht noch nicht fest. Krajewski erklärte jedenfalls, dass er jede Strafe zahlen werde.

(watson.de/dpa)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • what's on? 16.05.2019 12:33
    Highlight Highlight Hey Watson, Ihr habt gerade das Rätsel gelöst, warum es Italien finanziell nicht auf die Reihe kriegt:
    Salvini: «Wenn sie im Vatikan die Rechnungen für alle Italiener in Schwierigkeiten zahlen wollen, sollen sie uns die Kontonummer geben». Eigentlich bräuchte der Vatikan die Kontonummer des Stromanbieters. Kein Wunder, klappt es mit dem Geldfluss in Italien nicht.
  • andrew1 16.05.2019 10:32
    Highlight Highlight Bei allem Verständnis das der strom abgestellt wird bei hohen nicht bezahlten rechnung ist verständlich, wenn auch ziemlich mühsam. Mit dem einsetzen der sicherung hat er höchstens der energieversorgungsgesellschaft ans bein gepinkelt und nicht salvini. Dem dürfte das egal sein. Die kirche hat genug geld um die rechnung einfach zu bezahlen wenn man wirklich nachhaltig gutes tun will.
    • Prügelknabe 16.05.2019 15:26
      Highlight Highlight Falls Sie es noch nicht wissen. Es gibt auch Grossbuchstaben!
  • Adumdum 16.05.2019 09:35
    Highlight Highlight Statt jemand anderen zahlen zu lassen (die Stromversorgung und damit über die Preise irgendwie die Allgemeinheit), könnte der Vatikan auch einfach die Stromrechnung für diese Leute zahlen.

    Was sagt der Kardinal denn damit: Stromrechnung bezahlen muss man nicht?
  • franzfifty 16.05.2019 08:42
    Highlight Highlight Ich bin kein Salvini Fan, aber was sich da die Kirche leistet, ist under jedem...eben. Scheinheilig (wortwoertlich) den Leichtglaeubigen zeigen zu wollen, was die Kirche tut fuer diese paar Leute.. Dass aber der Vatikan und die Kirche im Allgemeinen die Reichsten sind auf diesem Planeten und alle kritisieren, davon spricht niemand! Wo ist der Vatikan, wenn es Hungernde gibt, die man rauswirft und den italienischen Staat kritisiert, dass man keine Fluechtlinge aufnimmt? Sollen die doch mit ihren Milliarden alles zahlen!
    • Prügelknabe 16.05.2019 16:14
      Highlight Highlight Salvini? ist das der, der die Flat Tax einführen will Das würde 25 Milliarden weniger Steuereinnahmen geben. Gleichzeitig will er das Italienische Gold verkaufen um den Staatshaushalt zu bereinigen.
  • P. Silie 16.05.2019 08:34
    Highlight Highlight Wie wärs wenn der Vatikan mal die offenen Rechnungen bezahlen würde oder gar selbst solche Zentren im Vatikan eröffnen und somit christliche Werte leben würde? Aber Nein! Es ist ja soviel bequemer aus den goldenen Palästen den anderen zu sagen wie sie zu leben haben. Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich ob der Doppelmoral kotzen möchte.
  • Cpt_so_mal_so 16.05.2019 08:26
    Highlight Highlight Yeah
    Benutzer Bild
  • Avalon 16.05.2019 08:14
    Highlight Highlight So kritisch ich auch sonst den Kirchen gegenüber stehe: das ist wahrhaft ein mutiger Akt der Menschlichkeit! Auch die klaren Worte des Papstes berühren mich sehr. Danke!
  • Domino 16.05.2019 07:59
    Highlight Highlight Dafür darf dann jeder andere Haushalt mehr zahlen?
  • Jungleböy 16.05.2019 07:41
    Highlight Highlight Naja viel sympathie werden sie kaum in der bevölkerung erzielt haben, im gegenteil. Eine frage der zeit bis die italiener sie sache in die hand nehmen und alle rauswerfen.
  • Selbst-Verantwortin 16.05.2019 07:10
    Highlight Highlight Stromrechnung nicht bezahlen soll also OK sein?
    Der Vatikan als moralische Instanz? Keine Erinnerungen an Vertuschung von Kindsmissbrauch, Frauendiskriminierung, Überbevölkerung aufgrund Verhütungsverbot...
    Da haben einige ihren Kompass verloren!
    • Jungleböy 16.05.2019 12:06
      Highlight Highlight Bei Punkt zwei gebe ich dir absolut recht.
  • chäsli 16.05.2019 06:34
    Highlight Highlight Wie gehabt, es gibt keine oder nur vor tausend Jahren, Kinderschändungen, Nonnenvergewaltigungen usw. Es wird endlich alles totgeschwiegen und so weitergemacht wie bis anhin, alles andere ist Gotteslästerlich. Wir haben eine Anzeigepflicht gemacht, angezeigt wird in der Kirche und nur in der Kirche, nicht bei der Justiz. So lange die Geschichten bei uns bleiben, können wir sie auch verheimlichen, die kath. Kirche darf nicht schlecht gemacht werden.
    • erkolino 16.05.2019 07:52
      Highlight Highlight Was ist denn bei dir schief gelaufen??
    • MarGo 16.05.2019 08:59
      Highlight Highlight wötsch au no irgendöppis konstruktivs zum Bricht abgeh?
    • Läggerli 16.05.2019 10:53
      Highlight Highlight Öhm, du hast gerade die Kirche "schlecht gemacht" und wurdest nicht zensiert, in unseren Breitengraden ist Kritik an der Kirche so normal wie das Amen... In der Kirche. Siehe auch den Sektenblog hier auf watson.
  • Thadic 16.05.2019 05:15
    Highlight Highlight Das traurige am heutigen Italien ist, dass solche Probleme nicht diskutiert werden können ohne, dass sich die 2 Fronten in Rassisten und nicht-Rassisten aufspalten. Denn es mag erfreulich sein, dass der Vatikan diesen Schritt macht. Dennoch es wird sich weiterhin die simple Frage stellen, wer die Stromrechnungen bezahlt. Angeblich sind bisher 300‘000 Euro nicht bezahlt worden und es werden naturgemäss immer mehr.
    • Chili5000 16.05.2019 08:10
      Highlight Highlight Die Frage ist, wie überigens hier bei uns auch, wie wir mit den ärmsten in usnerer Gesellschaft umgehen wollen. Leider ist die tendenz in den letzten Jahren das man den ärmsten immer mehr an den Kragen geht. Was ich im Anbetracht der Steuergeschenke für Reiche und Unternehmen einfach nicht begreifen kann...
  • Spooky 16.05.2019 05:09
    Highlight Highlight Das ist doch nur eine Big Show. Der Kardinal hätte doch einfach die Rechnung bezahlen können und dann vielleicht noch für ein Jahr im Voraus. Okay, vielleicht hat er das ja gemacht.
    • MarGo 16.05.2019 08:57
      Highlight Highlight Die "Big Show" ist ja das Ziel gewesen - ein Zeichen zu setzen... Die Rechnung stillschweigend zu zahlen wäre ja kein Zeichen, sondern ein Zuspruch der rechtspopulistischen Regierung..........
    • Adumdum 16.05.2019 09:36
      Highlight Highlight Lenkt auch ein bisschen von all der lästigen Presse zur Kinderschändung ab....
  • MobBarley 16.05.2019 03:14
    Highlight Highlight Krass, wenn man sogar im Vergleich zum Vatikan rückschrittlich wirkt🤷🏻‍♂️

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