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Mit dem Besuch in Hiroshima soll das Engagement gegen Atomwaffen vorangetrieben werden – eine Entschuldigung für die 140'000 Opfer ist nicht vorgesehen.
Mit dem Besuch in Hiroshima soll das Engagement gegen Atomwaffen vorangetrieben werden – eine Entschuldigung für die 140'000 Opfer ist nicht vorgesehen.Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

71 Jahre nach der Bombe: Obama besucht als erster US-Präsident Hiroshima – entschuldigen wird er sich nicht

71 Jahre nach dem Atombomben-Abwurf auf Hiroshima wird erstmals ein amtierender US-Präsident die damals fast völlig vernichtete japanische Stadt besuchen. Eine formelle Entschuldigung für die 140'000 Opfer ist nicht vorgesehen.
11.05.2016, 07:3812.05.2016, 08:10

Wie das Weisse Haus am Dienstag mitteilte, wird Präsident Barack Obama am 27. Mai zusammen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe die «historische Visite» abstatten.

Mit dem Besuch wolle Obama sein «fortgesetztes Engagement für Frieden und Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen» unterstreichen, erklärte Präsidentensprecher Josh Earnest.

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Der US-Präsident plant jedoch nicht, in seiner Rede im Friedenspark von Hiroshima eine formelle Entschuldigung für den Atombomben-Abwurf durch die US-Streitkräfte abzugeben, wie aus einem Internet-Eintrag von Earnest hervorgeht.

«Jeder und jede sollte Hiroshima besuchen, und mit ‹jeder› und ‹jede› meine ich ‹jeder› und ‹jede›»
US-Aussenminister John Kerry

Obama werde nicht auf die damalige Entscheidung für den erstmaligen Einsatz der Atombombe eingehen, «sondern eine in die Zukunft gerichtete Version einer gemeinsamen Zukunft» beschreiben, schrieb der Sprecher des Weissen Hauses in seinem Blog.

Zwei Bomben – über 200'000 Tote

Die US-Streitkräfte hatten mit ihren Atombomben-Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 Japan zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg gezwungen. In Hiroshima wurden 140'000 Menschen durch die Bombe getötet, in Nagasaki 74'000 Menschen.

70 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima

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Der Atombombenabwurf auf Hiroshima
quelle: epa/hiroshima peace memorial museum / hiroshima peace memorial museum
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Bis heute ist umstritten, ob der Atombomben-Einsatz nötig war, um Japan zur raschen Kapitulation zu zwingen. In den USA, wo viele den Abwurf der Bomben in der historischen Rückschau für gerechtfertigt halten, ist Obamas Visite innenpolitisch heikel.

Der Besuch kommt zudem zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt, da im Dezember der 75. Jahrestag des japanischen Angriffs auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii begangen wird, der den Kriegseintritt der USA auslöste.

Anfang April hatte John Kerry als erster Aussenminister der USA das Mahnmal zum Atombomben-Abwurf in Hiroshima besucht. Er zeigte sich damals «tief bewegt» und beschrieb die Exponate als eine Erfahrung, «die einem den Magen umdreht». Kerry betonte damals: «Jeder und jede sollte Hiroshima besuchen, und mit ‹jeder› und ‹jede› meine ich ‹jeder› und ‹jede›» – und heizte so die Spekulationen über einen bevorstehenden Besuch Obamas an.

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Atombomben-Mahnmal in Hiroshima.
Bild: KIMIMASA MAYAMA/EPA/KEYSTONE

2009 hatte es seitens der Obama-Administration bereits erste Anläufe gegeben. Damals war ein Besuch jedoch von japanischer Seite noch als «zu früh» zurückgewiesen worden. Der spätere US-Präsident Richard Nixon hatte Hiroshima vor seiner Amtszeit besucht, Jimmy Carter nach seinem Ausscheiden aus dem Oval Office.

Jimmy Carter als ex-Präsident 1984 in Hiroshima.
Jimmy Carter als ex-Präsident 1984 in Hiroshima.Bild: Katsumi Kasahara/AP/KEYSTONE

Gemeinsame Interessen

Der Besuch des US-Präsidenten in Hiroshima wird sich an seine Teilnahme am Gipfel der sieben führenden Industriestaaten (G7) am 26. und 27. Mai in der japanischen Region Ise-Shima anschliessen.

Japan und die USA haben in Asien neben wirtschaftlichen auch gemeinsame sicherheitspolitische Interessen. Chinas Ansprüche im chinesischen Meer könnten ein Thema der Gespräche zwischen Obama und Abe genauso sein wie die undurchsichtige Situation in Nordkorea, wo in Machthaber Kim Jong Un eine atomare Bedrohung gesehen wird.

Bevor Obama japanischen Boden betritt, wird er seine Asien-Reise beim einstigen Kriegsgegner in Vietnam starten. Dort solle es bei Gesprächen mit der vietnamesischen Führung um den Ausbau der bilateralen Beziehungen gehen, hiess es weiter. In Hanoi werde er eine Rede zum Verhältnis der USA und Vietnams halten. (wst/si/afp)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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leu84
11.05.2016 08:34registriert Januar 2014
Jeder soll Hiroshima besuchen und sehen, was eine Atombombe Baujahr 1945 anrichten kann oder was die USA angerichtet hat
417
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Zum Kommentar
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Scaros_2
11.05.2016 07:56registriert Juni 2015
Ich verstehe auch nicht warum sich ein Präsident 71 Jahre nach eine Aktion sich dafür entschuldigen soll was Menschen entschieden haben - 17 Jahre vor seiner Geburt überhaupt. Natürlich war es schlimm usw. alles richtig aber eben. Obama schaut nach vorne und nicht Zurück und hat sozusagen damit abgeschlossen. Geschichte ist Geschichte - war sie schlimm? Ja, muss man sich dafür rechtfertigen? Ich finde nicht.
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