DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Zufahrt zum Swaqa-Gefängnis südlich von Amman. Hier wurden die Todesurteile vollstreckt.  
Die Zufahrt zum Swaqa-Gefängnis südlich von Amman. Hier wurden die Todesurteile vollstreckt.  
Bild: JAMAL NASRALLAH/EPA/KEYSTONE

Jordanien vollstreckt bei Massenhinrichtung 15 Todesurteile

05.03.2017, 14:4905.03.2017, 16:14

Bei einer Massenhinrichtung in Jordanien sind am Samstag 15 Todesurteile vollstreckt worden, die meisten davon wegen Terrorismusvorwürfen. Amnesty International nannte die Hinrichtungen «schockierend», die jordanische Justiz sprach hingegen von einer «klaren Botschaft» an mögliche Unruhestifter.

Die Jordanier wurden am Samstag im Suaga-Gefängnis südlich der Hauptstadt Amman gehängt, wie Regierungssprecher Mahmud al-Momani der amtlichen Nachrichtenagentur Petra sagte. Nach seinen Angaben waren zehn der Hingerichteten Mitglieder einer «Terrorzelle».

Diese sei für Anschläge auf den jordanischen Geheimdienst, auf Sicherheitskräfte, auf Touristen sowie auf die jordanische Botschaft in Bagdad im Jahr 2003 verantwortlich gewesen sei. Der Regierungssprecher verwies konkret auf den Anschlag im Jahr 2006 in einem Amphitheater in Amman hin, bei dem ein Brite getötet wurde, und auf fünf getötete Sicherheitskräfte bei einem Anschlag nördlich von Amman im Juni vergangenen Jahres.

    Naher Osten
    AbonnierenAbonnieren
Polizei hebt nach Angriffen in Jordanien Versteck der Täter aus

Ausserdem verwies er auf die Ermordung des christlichen Schiftstellers Nahed Hattar vor einem Gericht in Amman im September. Hattar musste sich wegen einer angeblich islamfeindlichen Karikatur vor Gericht verantworten. Die fünf anderen Hingerichteten waren den Angaben zufolge wegen anderer Straftaten zum Tode verurteilt worden, unter anderem wegen Vergewaltigungen.

Amnesty: Rückschritt für Jordanien

Jordanien hatte 2006 ein Moratorium für die Todesstrafe verhängt, daher wurden seitdem keine Todesurteile vollstreckt. Das Moratorium endete unter Protesten von Menschenrechtsaktivisten mit einer Massenhinrichtung im Dezember 2014. Damals wurden elf Männer wegen Mordes gehenkt. Nach Angaben aus Justizkreisen warten in den jordanischen Gefängnissen noch 94 Menschen auf ihre Hinrichtung.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte die Hinrichtungen vom Samstag «schockierend» und das Ausmass der Exekutionen «erschreckend».

«Es handelt sich um einen grossen Rückschritt für Jordanien», erklärte die Vize-Chefin der jordanischen Amnesty-Sektion, Samah Hadid, in Beirut. Das Land sei in den vergangenen Jahren ein Vorbild in der Region gewesen, in der «viel zu häufig» Todesurteile verhängt würden.

    Justiz
    AbonnierenAbonnieren
Killing people for having killed people – die Todesstrafe in Texas

Furcht vor Dschihadismus

Der Generalstaatsanwalt von Amman, Siad al-Dmur, sagte, die Hinrichtungen seien «eine klare Botschaft an alle diejenigen, die die Sicherheit der Nation ins Wanken bringen wollen». Tausende Jordanier stehen im Verdacht, Anhänger der Terrormiliz «IS» oder des Terrornetzwerks Al-Kaida zu sein.

Das vergleichsweise stabile Jordanien kämpft im Rahmen der US-geführten Anti-IS-Koalition, die Luftangriffe in Syrien und im Irak fliegt. Das Königreich fürchtet, von der Welle des Dschihadismus in der Region überrollt zu werden.

Jordanien hat im vergangenen Jahr vier Anschläge erlebt, für einige übernahm der «IS» die Verantwortung. Die Miliz bekannte sich etwa zu den Angriffen in der Touristenstadt Karak im Dezember mit zehn Toten. Unter den Opfern waren sieben Polizisten und eine kanadische Touristin. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kampf gegen Kinder-Hochzeiten in den USA

In den Vereinigten Staaten ist eine Diskussion entbrannt um minderjährig Verheiratete. Gemäss der Nonprofit-Organisation «Unchained at Last» seien in den USA in den Jahren 2000 bis 2018 geschätzt 300'000 Personen unter 18 Jahren verheiratet worden. 86 Prozent der Betroffenen sind Frauen und bei rund 60'000 der Hochzeiten war der Altersunterschied der Ehepartner so gross, dass der jüngere Ehegatte als Opfer eines Sexualverbrechens hätte angesehen werden können.

Was «Unchained at Last» auch …

Artikel lesen
Link zum Artikel