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epa08049358 Former movie producer Harvey Weinstein (C) talks to his legal team and staff as he departs New York State Supreme Court following a bail hearing related to his upcoming trial on charges of rape and sexual assault at in New York, New York, USA, 06 December 2019. Weinstein's trial is scheduled to start early next month.  EPA/JUSTIN LANE

Harvey Weinstein im Dezember in New York. Bild: EPA

#MeToo: Weinstein-Prozess in New York gestartet



Sein Fall erschütterte die Welt und löste die MeToo-Bewegung aus. Heute, zwei Jahre später, beginnt in New York der Prozess gegen Harvey Weinstein. Das Urteil dürfte für Millionen Menschen Genugtuung oder Entsetzen bedeuten.

Wenn Harvey Weinstein das Oberste Gericht des Staates New York betreten wird, ist die Welt eine andere als 2017, als der Filmmogul zum Symbol sexueller Übergriffe geworden ist. Entscheidend wird sein, ob der Fall, der die MeToo-Ära eingeläutet hat, auch vor einem Strafgericht besteht. Der Ausgang ist offen.

MeToo: Weinstein, der Skandal und seine Folgen

Muster von Machtmissbrauch

Doch beim Prozess geht es nicht nur um Gerechtigkeit für die mutmasslichen Opfer. Das Urteil dürfte entweder Genugtuung oder Entsetzen bei Millionen Opfern von sexueller Gewalt auslösen. Für viele wird nicht nur über den Multi-Millionär Gericht gehalten, sondern über ein Muster männlichen Machtmissbrauchs. Weinstein gilt für viele als ihr krassestes Beispiel.

Nun müssen die Staatsanwälte juristisch beweisen, dass der 67-Jährige sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Weinstein betonte immer wieder, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Die Geschichte der Vorwürfe von Dutzenden Frauen gegen den Produzenten begann lange vor dem Dammbruch 2017, denn Weinsteins angebliche sexuelle Übergriffe waren in Hollywood und in der Schauspielszene New Yorks jahrzehntelang ein offenes Geheimnis.

Welle von Enthüllungen

Bereits 1998 sagte Schauspielerin Gwyneth Paltrow über Weinstein: «Er wird dich zu ein oder zwei Sachen zwingen», was sie damals im Zusammenhang mit PR-Terminen für Filme sagte. Später jedoch erklärte sie, von ihm belästigt worden zu sein.

Sängerin Courtney Love antwortete 2005 auf die Frage einer Reporterin, was sie jungen Schauspielern in Hollywood rate: «Wenn Harvey Weinstein dich zu einer privaten Party ins ‹Four Seasons› einlädt, gehe nicht hin.» Es dauerte trotzdem bis zum Oktober 2017, dass die «New York Times» und der «New Yorker» trotz aggressiver Klage-Drohungen über die Vorwürfe mehrerer Frauen berichteten.

epa06260297 (FILE) - A combo file picture shows (top L-R), French actress Lea Seydoux, French actress Emma de Caunes, US actress Gwyneth Paltrow, Itailan actress Asia Argento, US actress Ashley Judd (bottom L-R) British model Cara Delevingne, US actress Rosanna Arquette, French actress Judith Godreche and US actress Angelina Jolie, US actress Rose McGowan. These actresses have made accusations in media against US film producer Harvey Weinstein of assault. According to media reports on 09 October 2017, Harvey Weinstein was fired from The Weinstein Company after additional information surfaced concerning his conduct amid accusations of decades of sexual harassment.  EPA/N. PROMMER / G. HORCAJUELO / S. NOGIER / A. GOMBERT / PETER FOLE

Sie alle – und noch viele mehr – erheben Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein: (oben v.l.n.r.) Lea Seydoux, Emma de Caunes, Gwyneth Paltrow, Asia Argento, Ashley Judd (unten v.l.n.r. ) Cara Delevingne, Rosanna Arquette, Judith Godreche, Angelina Jolie und Rose McGowan. Bild: EPA/EPA

Den später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Artikeln folgte eine Welle neuer Enthüllungen. Dutzende Frauen – darunter bekannte Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman oder Salma Hayek – beschuldigten Weinstein, sie angefasst, sich ihnen aufgedrängt und ein einzelnen Fällen auch vergewaltigt zu haben. Weinstein gab Fehler zu, bestritt aber kriminelle Handlungen.

Karriereversprechen

Die Vorwürfe ergaben ein Muster: Der schwerreiche Weinstein, der die Branche dominierte und mit Filmen wie «Pulp Fiction» Oscars einheimste, nutzte seine Macht und versprach jungen Frauen die grosse Karriere, um sie gefügig zu machen. Gab es doch Probleme, erkaufte er sich ihr Schweigen mit aussergerichtlichen Einigungen.

Als die Anschuldigungen ans Tageslicht kamen, erkannten viele Frauen und auch einige Männer überall auf der Welt ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder. Sie begannen, sie unter dem Schlagwort «Metoo» («ich auch») zu sammeln. Das Spektrum reichte von blöden Sprüchen, unflätigem Verhalten bis hin zu jahrelanger Gewalt.

Ein Jahr später gab es insgesamt 19 Millionen Tweets mit dem mittlerweile weltbekannten Hashtag. Die entfesselten Geschichten brachten vor allem in den USA eine Reihe von mächtigen Männern zu Fall, die «New York Times» zählte vergangenen Herbst 201, darunter der Komiker Louis C.K. und Oscar-Preisträger Kevin Spacey.

Weinstein will sich reinwaschen

Harvey Weinstein freut sich unterdessen auf seinen Prozess, um sich von den Vorwürfen reinwaschen zu können, wie seine Anwältin Donna Rotunna kürzlich sagte. Sie kündigte eine aggressive Verteidigung für ihren Mandanten an: «Nur, weil jemand etwas behauptet, macht es das noch nicht wahr».

Daniel Richman, Jura-Professor an der Columbia Universität in New York, sagt, dass es für das Weinstein-Lager darauf ankommt, Zweifel zu säen: «Generell sieht man in Fällen wie diesen Versuche, die Erinnerung von Zeugen anzugreifen oder nahezulegen, dass sie ein Motiv haben, sich Dinge auszudenken.»

«Das Ziel der Anklage wäre, zu zeigen, dass diese Frauen glaubhaft von Dingen berichten, die passiert sind, obwohl Erinnerungen verschwommen sein können», sagt Richman. Auch müsse erklärt werden, warum die Frauen nicht früher mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen seien.

Eine weitere Hauptrolle im Prozess dürfte der Gesundheitszustand des 67-jährigen Weinstein spielen. Zuletzt kam er nach einem Autounfall mit Gehhilfe zu den Anhörungen. Falls Weinstein schuldig gesprochen wird, kann er Berufung einlegen. (sda/dpa)

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