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epa07939404 Demonstrators try to protect and avoid clashing with police members in a new day of mass protests at Plaza Italia, in Santiago, Chile, 21 October 2019. An unrest, sparked by a hike in metro fares, quickly morphed into a wider protest against social inequality. Chilean Army general Javier Iturriaga, responsible for security during the state of emergency decreed in Santiago, established on the same day the third curfew in the Chilean capital and the rest of the Metropolitan region due to the persistence of the riots.  EPA/Esteban Garay

Eine Preiserhöhung für den öffentlichen Transport war Auslöser für gewalttätige Proteste – doch was sind die wirklichen Gründe für die Unzufriedenheit? Bild: EPA

Soziale Unruhen in Chile – doch was sind die Gründe?



Aus Chile erreichen uns derzeit fast täglich neue Meldungen über das Ausmass der sozialen Unruhen. Mindestens zehn Menschen fielen ihnen bereits zum Opfer. Bilder von den Geschehnissen erinnern an die Zeit unter dem Diktator Augusto Pinochet, der von 1973 bis 1990 an der Macht war: Panzer in den Strassen der Hauptstadt Santiago de Chile. Doch das ist nicht alles, Gebäude, Züge und Autos stehen in Flammen, Supermärkte werden geplündert. Die Regierung hat inzwischen den Ausnahmezustand ausgerufen und den Bürgern verboten, ab 19 Uhr die Häuser zu verlassen.

In der Hauptstadt Chiles kontrollierte am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des Pinochet-Regimes wieder das Militär die öffentliche Ordnung.

Panzer fahren durch Santiago de Chile. Bild: AP

Doch was sind eigentlich die Gründe, die zur derzeitigen Situation geführt haben? War es wirklich nur die Erhöhung der U-Bahn-Fahrpreise, wie berichtet wird? Nein – diese Preiserhöhung war der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Folgende drei Gründe lassen sich gemäss Stern als Hauptursachen ausmachen:

Eine lange Reihe von Preiserhöhungen

Der Auslöser der Unruhen war eine Protestaktion von Studenten, die zum kollektiven Schwarzfahren aufriefen. Die Gruppierung liess sich jedoch zu gewalttätigen Aktionen hinreissen – es wurden Fahrkartenautomaten und ganze U-Bahn-Stationen zerstört. Die Preiserhöhung führte nämlich dazu, dass armen Bürgern das Überleben noch schwerer gemacht wurde. So muss eine Person aus tiefer Einkommensklasse bis zu 30 Prozent ihres Gehaltes für den öffentlichen Verkehr aufbringen – Chile hat einen der teuersten öffentlichen Transporte in Lateinamerika.

epa07939429 Chilean citizens residing in Argentina participate in a rally heading to their Consulate to protest against the situation in their country, in Buenos Aires, Argentina, 21 October 2019.  EPA/Juan Ignacio Roncoroni

Die Demonstrationen gegen die Regierung und deren Entscheidung zur Preiserhöhung. Bild: EPA

Knapp ein Drittel des Einkommens für Transportmittel? Das ist sehr viel. Hinzu kommen jedoch weitere Preiserhöhungen: Strom, Wasser, Gas und Lebensmittel wurden teurer. Auch das Gesundheitssystem und die Rentenpolitik kriseln stark. Der Professor Cristóbal Bellolio von der Universität Adolfo Ibañez sagt gegenüber dem Stern:

«In dieser Gesamtsituation haben die Menschen die Hoffnung verloren, dass es besser wird – was das Versprechen der Regierung von Sebastián Piñera war. Im Gegenteil, sie denken, die Zeiten sind schlechter geworden.»

Druck funktioniert

Die Chilenen sind überzeugt, dass ihr Druck auf die Regierung funktionieren wird. Die Erklärung dafür findet man bei einer Betrachtung der Situationen in den Nachbarländern. In Argentinien kam es beispielsweise zu ähnlichen Preisanstiegen und in der Folge zu Unzufriedenheit. Die Regierung unter Präsident Mauricio Macri verlor dadurch das Vertrauen der Argentinier und die Chance ist gross, dass er die kommenden Wahlen von nächster Woche nicht überstehen wird.

epa07934808 A handout photo made available by the Chilean Presidency shows Chilean President Sebastian Pinera as he meets some members of his Cabinet at the La Moneda Palace in Santiago, Chile, on 19 October 2019. Pinera announced he and his team are analyzing measures for mitigating the increase of Metro fares for low-income people, as demonstrations over the increase continueto take place near Metro stations.  EPA/Chile's Presidency / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der Präsident von Chile: Sebastian Piñera. Bild: EPA

In Ecuador musste die Regierung vor Kurzem eine Benzinpreiserhöhung rückgängig machen, nachdem es zu gewalttätigen Protesten gekommen war. Und auch in Chile nahm Präsident Piñera die Metro-Ticket-Preiserhöhung zurück. Doch der konservative Präsident machte auch seinen Standpunkt gegenüber den Protesten klar: «Wir befinden uns im Krieg mit einem mächtigen Feind. Dies ist ein Problem zwischen denen, die Freiheit und Demokratie wollen und in Frieden leben – und jenen, die dieses Land zerstören wollen. Diese Schlacht werden wir gewinnen.»

Die wachsende Ungleichheit

Die Hauptursache für die wachsende Unzufriedenheit unter der Chilenen ist die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Gemäss dem Stern gehören der unteren Hälfte der Bevölkerung lediglich 2,1 Prozent des Landes. Doch auch die Tatsache, dass der Mittelstand einen Zuwachs erreichte, täuscht über die wahren Begebenheiten hinweg. Die Mittelklasse in Chile lebt unter prekären Umständen: Die Löhne und die Renten sind tief, die Schulden hoch. Mit anderen Worten: Diejenigen, die es in die Mittelklasse geschafft haben, leben in der ständigen Angst, wieder abzusteigen. Und die Armen kämpfen immer mehr ums Überleben.

Wie geht es weiter?

Wenn die Regierung den Forderungen – kostenfreier öffentlicher Transport und ein besseres Bildungssystem – der Demonstranten nachkommt, dann werden die Unruhen höchstwahrscheinlich stoppen. Doch damit ist nur das kleine Feuerchen gelöscht, das krasse soziale Gefälle und die Unzufriedenheit bleiben. (mim)

Proteste in Chile

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • flausch 22.10.2019 12:15
    Highlight Highlight Sebastian Piñera spielt Pinochet und erklärt seinem Volk den Krieg. Soldaten in die Hauptstadt zu senden kann nur einer der das Feuer gezielt legen will, glaubt der wirklich die Bevölkerung würde sich nicht erinnern wie sich eine rechte Diktatur anfühlt?
  • who cares? 22.10.2019 11:07
    Highlight Highlight Was auch noch zu erwähnen wäre, ist die grassierende Korruption und wie sich Politiker auf Kosten der Bevölkerung je länger je mehr die eigenen Taschen füllen.
  • Frankygoes 22.10.2019 08:40
    Highlight Highlight Oh guck, Radpanzer der Firma MOWAG..

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