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Analyse

Daniel Hope: Peinlicher Auftritt in der Zürcher Tonhalle

ARCHIV - 10.10.2021, Berlin: Stargeiger Daniel Hope zeigt den Musikpreis "Opus Klassik" 2021, den er als Sonderpreis der Jury f
Stargeiger Daniel Hope (Archivbild).Bild: DPA
Analyse

Der peinliche Auftritt des weltberühmten Geigers in der Zürcher Tonhalle

Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester präsentierten ihr schmuckes Tournee-Programm in Zürich: Der Solist allerdings erwischte einen rabenschwarzen Abend.
29.01.2026, 21:2729.01.2026, 21:27
Christian Berzins / ch media

Es wäre einfacher, darüber zu schweigen. Aber Daniel Hope ist ein weltberühmter Geiger, als Music Director des Zürcher Kammerorchesters lebt er unter anderem von Zürcher Subventionsgeld – und im Sommer wird er einen weiteren glanzvollen Posten in der Schweiz übernehmen: Die Leitung des Menuhin Festivals in Gstaad. Da muss man bei seinen Zürcher Konzerten genauer hinhören. Obwohl man wegen vergangener Konzerte keine Sternstunde erwartete, erschrak unsereins am Dienstagabend in der Zürcher Tonhalle ob des Gebotenen heftig.

Die kleine Mozartsinfonie KV 196 zu Beginn war nett, das Orchester bedacht, hübsche Akzente zu setzen, einen leichten Ton zu finden. Doch bald kam das Violinkonzert op. 5/2 von Joseph Bologne – ein Werk voller tollkühner, ja rasender Virtuosität. Wer es ansetzt, muss damit locker umgehen können, ansonsten beginnt dieses Werk nicht zu klingen.

Das Publikum litt mit dem Solisten mit

In der Tonhalle litt man mit dem Solisten förmlich mit, waren die technischen Schwierigkeiten für Hope im 1. Satz doch schlicht zwei Stufen zu hoch. Noch und noch sprach der Ton auf der E-Saite nicht an. Doch darüber hinwegtäuschen konnte Hope nicht, da ein Unglück das nächste mit sich zog. Läufe wurden verwischt, die Intonation war fahrlässig – Hope schluderte und verhedderte sich.

Konzertmeister Willi Zimmermann blieb cool, leitete das Zürcher Kammerorchester souverän. Zu einem Zusammenspiel, zum Konzertieren mit dem Solisten, konnte man bei diesem Kraftakt – diesem Konzentrieren, die Schwierigkeiten zu bewältigen – nicht kommen.

Nach der Pause dann Mozarts 1. Violinkonzert: Hope, darauf bedacht, korrekt zu spielen, fand nur im zweiten Satz zu einer klingenden Gelöstheit. Ansonsten war es ein verkrampftes Buchstabieren des Klassikers, den er seit Kindertagen kennt.

Den Kehraus bildete die 49. Sinfonie von Joseph Haydn. Ein leidenschaftliches Werk voller Sturm und Drang. Davon war allerdings nur am Rande etwas zu vernehmen: Zu dick der Ton, zu versteckt die Bläser, zu wenig darauf bedacht, den Klang zum Sprechen zu bringen. Wie das anders geht, beweist in diesen Jahren das Kammerorchester Basel mit Giovanni Antonini in deren Haydn-Zyklus.

Egal? Am Ende gabs stehende Ovationen und einen Apéro spendiert, Hope charmierte einmal mehr über seine Mängel hinweg. Eitel Sonnenschein also? Mit dem Programm gehen er und das Kammerorchester nun auf Deutschlandtournee und repräsentieren Zürich in neun Städten. Mein lieber Schwan. (bzbasel.ch)

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108 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linus Luchs
29.01.2026 21:46registriert Juli 2014
Was ist schlimmer: die schwache Darbietung des "Stargeigers" oder die stehenden Ovationen des Publikums? Ich bin unschlüssig. Jedenfalls scheinen die Ansprüche beider Seiten zusammenzupassen.
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Karl33
29.01.2026 22:10registriert April 2015
Das erste Mal, dass ich hier ein Bericht über klassische Musik in der Tonhalle lese. Dann aber gleich so ein negativer. Wie wärs mit ein paar positiven Berichten über klassische Konzerte? Sonst beginnt man sich unweigerlich zu fragen, was jetzt genau der Zweck dieses Verrisses war.
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equus asinus
30.01.2026 00:05registriert November 2023
1. Danke! Bitte mehr davon. Gerne auch vom EMF. Da sind zwar mehrheitlich Amazeure am Werk, aber nach diesem Bericht bin ich überzeugt, dass es da auch bessere Darbietungen geben wird.

2. Der Dirigent kommt etwas zu gut weg. Kaum hörbare Bläser sind sein Problem und nicht das des Solisten

3. ich werde das Gefühl nicht los, dass der Autor persönlich etwas gegen den Solisten hat, nicht wegen des Inhalts, aber augfrund des Tonfalls

Nochmals: bitte mehr davon. Wir subventionieren das, da darf die 4. Gewalt auch hinschauen. Ich freue mich vor allem auf Positives und Ehrliches.
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