Der peinliche Auftritt des weltberühmten Geigers in der Zürcher Tonhalle
Es wäre einfacher, darüber zu schweigen. Aber Daniel Hope ist ein weltberühmter Geiger, als Music Director des Zürcher Kammerorchesters lebt er unter anderem von Zürcher Subventionsgeld – und im Sommer wird er einen weiteren glanzvollen Posten in der Schweiz übernehmen: Die Leitung des Menuhin Festivals in Gstaad. Da muss man bei seinen Zürcher Konzerten genauer hinhören. Obwohl man wegen vergangener Konzerte keine Sternstunde erwartete, erschrak unsereins am Dienstagabend in der Zürcher Tonhalle ob des Gebotenen heftig.
Die kleine Mozartsinfonie KV 196 zu Beginn war nett, das Orchester bedacht, hübsche Akzente zu setzen, einen leichten Ton zu finden. Doch bald kam das Violinkonzert op. 5/2 von Joseph Bologne – ein Werk voller tollkühner, ja rasender Virtuosität. Wer es ansetzt, muss damit locker umgehen können, ansonsten beginnt dieses Werk nicht zu klingen.
Das Publikum litt mit dem Solisten mit
In der Tonhalle litt man mit dem Solisten förmlich mit, waren die technischen Schwierigkeiten für Hope im 1. Satz doch schlicht zwei Stufen zu hoch. Noch und noch sprach der Ton auf der E-Saite nicht an. Doch darüber hinwegtäuschen konnte Hope nicht, da ein Unglück das nächste mit sich zog. Läufe wurden verwischt, die Intonation war fahrlässig – Hope schluderte und verhedderte sich.
Konzertmeister Willi Zimmermann blieb cool, leitete das Zürcher Kammerorchester souverän. Zu einem Zusammenspiel, zum Konzertieren mit dem Solisten, konnte man bei diesem Kraftakt – diesem Konzentrieren, die Schwierigkeiten zu bewältigen – nicht kommen.
Nach der Pause dann Mozarts 1. Violinkonzert: Hope, darauf bedacht, korrekt zu spielen, fand nur im zweiten Satz zu einer klingenden Gelöstheit. Ansonsten war es ein verkrampftes Buchstabieren des Klassikers, den er seit Kindertagen kennt.
Den Kehraus bildete die 49. Sinfonie von Joseph Haydn. Ein leidenschaftliches Werk voller Sturm und Drang. Davon war allerdings nur am Rande etwas zu vernehmen: Zu dick der Ton, zu versteckt die Bläser, zu wenig darauf bedacht, den Klang zum Sprechen zu bringen. Wie das anders geht, beweist in diesen Jahren das Kammerorchester Basel mit Giovanni Antonini in deren Haydn-Zyklus.
Egal? Am Ende gabs stehende Ovationen und einen Apéro spendiert, Hope charmierte einmal mehr über seine Mängel hinweg. Eitel Sonnenschein also? Mit dem Programm gehen er und das Kammerorchester nun auf Deutschlandtournee und repräsentieren Zürich in neun Städten. Mein lieber Schwan. (bzbasel.ch)
