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epa07986427 Bolivian President Evo Morales delivers a statement in El Alto, Bolivia, 10 November 2019. Morales announced the call for new general elections, following the report of the Organization of American States (OAS) that recommends the repetition of the first round of the elections held on October 20. He also assured that the new appointment with the polls will be held with a renewed electoral body, due to the allegations of fraud in the first round of which the current one is accused.  EPA/STR

Evo Morales kündigte seinen Rücktritt an. Bild: EPA

Nach dem Rücktritt von Präsident Morales ist unklar, wie es in Bolivien weitergeht



Nach landesweiten Massenprotesten gegen seine umstrittene Wiederwahl hat Boliviens Staatschef Evo Morales seinen Rücktritt verkündet. In einer TV-Rede sprach er daraufhin von einem Putsch gegen ihn.

Der seit 14 Jahren regierende Links-Politker sagte in einer TV-Ansprache am Sonntag, dass er sein Rücktrittsschreiben einreichen würde, um zur Wiederherstellung der Stabilität beizutragen und richtete sich an seine Gegner, die einen in seinen Worten «Bürgerputsch» angezettelt hätten. Wer nun Bolivien regiert, war zunächst unklar.

Mit Verweis auf die anhaltenden politischen Spannungen erklärte Morales später auf Twitter, dass die Polizei einen «illegalen» Haftbefehl gegen ihn habe und dass «gewalttätige Gruppen» sein Haus angegriffen hätten.

Polizeichef: Es gibt keinen Haftbefehl

Der Chef der bolivianischen Polizei äusserte dagegen in einem Fernsehinterview, es gebe keinen Haftbefehl gegen Morales. Einige von Morales' Verbündeten in Lateinamerika bezeichneten die Wende der Ereignisse ebenfalls als «Putsch», darunter der venezolanische Präsident Nicolas Maduro und der designierte argentinische Präsident Alberto Fernandez. Der mexikanische Aussenminister Marcelo Ebrard sagte, sein Land werde Morales Asyl anbieten, wenn er es suche.

Der linke Staats- und Regierungschef hatte am Sonntag zunächst eine Neuwahl angekündigt, nachdem die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in der Nacht in einem vorläufigen Bericht Manipulationen bei der Präsidentenwahl festgestellt und eine Annullierung empfohlen hatte. Der Druck auf Morales wuchs aber weiter – auch die Chefs des Militärs und der Polizei des südamerikanischen Landes forderten seinen Rücktritt.

Der Sozialist Morales hatte sich nach der Wahl am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition, aber auch die OAS und die EU erhebliche Zweifel anmeldeten. Seitdem lieferten sich seine Anhänger und Gegner fast täglich heftige Auseinandersetzungen. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben. Morales' stärkster Gegenkandidat bei der Wahl, der Ex-Präsident Carlos Mesa, und Oppositionsführer Luis Fernando Camacho warfen ihm Wahlbetrug vor und forderten ihn zum Rücktritt auf. In den vergangenen Tagen schlossen sich immer mehr Polizisten den Antiregierungsprotesten an.

Zahlreiche Rücktritte

Zahlreiche Vertreter von Morales' Lager legten am Sonntag ihre Ämter nieder, darunter auch der Vizepräsident Álvaro García Linera und die Senatspräsidentin Adriana Salvatierra, die laut Verfassung als seine Nachfolger infrage gekommen wären. Medien spekulierten, dass die Vizepräsidentin des Senats, die Oppositionspolitikerin Jeanine Añez, vorübergehend die Macht übernehmen werde. Dem Nachrichtenportal Infobae sagte sie, das Parlament müsse sie zur Interimspräsidentin ernennen, nachdem es den Rücktritt von Morales bestätigt habe.

«Ich will, dass das bolivianische Volk weiss, dass ich keinen Grund habe, zu fliehen.»

Berichten zufolge hielt sich Morales im zentralbolivianischen Cochabamba auf, wo er seinen Zweitwohnsitz hat. Mexikos Aussenminister Marcelo Ebrard schrieb auf Twitter, sein Land wolle Morales Asyl gewähren, sollte dieser sich dafür entscheiden. Morales schrieb: «Ich will, dass das bolivianische Volk weiss, dass ich keinen Grund habe, zu fliehen.» Er habe schliesslich nichts gestohlen.

Uno-Generalsekretär besorgt

Ebrard sprach ebenfalls von einem Putsch gegen Morales – ebenso wie die Präsidenten der sozialistisch regierten Länder Venezuela und Kuba, Nicolás Maduro und Miguel Díaz-Canel. Auch der gemässigt linke Alberto Fernández, der gerade gewählte nächste Präsident Argentiniens, schrieb, sein Land müsse jede Art von Putsch kategorisch ablehnen. Der Aussenminister der rechten Regierung Brasiliens, Ernesto Araújo, twitterte hingegen: «In Bolivien gibt es keinen Putsch. Der Versuch eines massiven Wahlbetrugs hat Evo Morales die Legitimität entzogen.»

Uno-Generalsekretär António Guterres hat zum Klimagipfel in New York eingeladen. (Archivbild)

UN-Generalsekretär António Guterres setzt sich für eine friedliche Lösung ein. Bild: EPA

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, rief alle Beteiligten dazu auf, eine friedliche Lösung zu suchen. Er sei zutiefst besorgt über die Situation in Bolivien, hiess es in einer Mitteilung seines Sprechers, Stéphane Dujarric.

Morales regierte Bolivien seit 2006. Der 60-Jährige frühere Koka-Bauer war der erste indigene Staatschef des Andenlandes und der dienstälteste Präsident Südamerikas. Er hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung höchstens eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete. (sda/reu/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Aithria 11.11.2019 10:36
    Highlight Highlight Elektroautoboom braucht einen Salpeterschöpfungsboom und der Rohstoff soll gefälligst möglichst billig ja gratis sein.

    Könnte das vielleicht der Grund sein, warum der gehen musste? Denn, in einem herrenlosen Land kann man einfach so mit dem Bagger hinfahren und graben, wenn einer kommt und schimpft, eins auf den Kopf, das Land gehöre ihm ja nicht, er solle sich aus dem Staub machen.
    • Stromer5 11.11.2019 15:06
      Highlight Highlight So einfach ist das Leben nicht.
      Die gebildeten Leute und vor allem auch junge wollen einen Wechsel haben. Diesen haben sie bei den letzten Wahlen schon gewollt, damals waren sie aber in der Unterzahl. Dieses Mal wären sie in der Mehrheit gewesen - die Geschichte ist bekannt. Ich habe von Geschichten gehört, wo sie Tote auferstehen liessen, welche abstimmen gegangen sind.
      Die gesamte Familie meiner Frau, welche alle in La Paz wohnen, wollten letztes Mal schon einen Change.
      Kommt dazu der Zwist zwischen dem Osten Media Luna mit dem Departementen La Paz & El Alto, welcher schon lange brodelt.
  • Gubbe 11.11.2019 10:15
    Highlight Highlight Ein Linker der sich mit Hilfe der Justiz zum dritten mal zur Wahl stellte... Siehe da, auch Linke hängen an der Macht fest. Gut dass er diese abgegeben hat. Nun kann er die Mütze wieder nach hinten schieben.
  • Kiro Striked 11.11.2019 09:38
    Highlight Highlight Das Grosse Problem in allen "diesen Ländern" ist halt... Wer kommt als nächstes und wie lange dauert es, bis der sich auch der Korruption hingibt.

    Diese Länder haben ein riesiges Korruptionsproblem, welches so endlos tiefsitzt, mit Kartellen, Geschäftsleuten und teilweise sogar Terroristen.

    Haben wir hier zwar auch zu nem Gewissen Grad (SVP lässt grüssen aka "Bürgerliche Partei" die nur schaut dass es Ihren Firmen gut geht) Aber verglichen Mit Südamerika ist das hier ein Pappenstiel. Kenne jemanden aus Argentinien, er sagt: "ganz egal wer regiert, gut geht es uns nicht, egal wer kommt."
    • Smeyers 11.11.2019 12:53
      Highlight Highlight @Kiro; Du hast vergessen die Grünen und die SP zu erwähnen, Köientilismus und Lobbyismus lassen Grüssen in der Schweiz. Leider ist die SVP da nicht alleine sonst wäre es zu einfach.
    • Kiro Striked 11.11.2019 13:30
      Highlight Highlight @Smeyers
      Ganz Richtig, jedoch halte ich zurzeit die SP und die Grünen für das kleinere Übel.

      In einem Anderen Artikel wurde gerade gezeigt wie unser lieber Parmelin die Wissenschaft versucht zu zensieren. Und damit scheinbar auch noch durchkommt.

      Das ist Korruption auf höchsten Graden.
  • Borki 11.11.2019 09:01
    Highlight Highlight Für mich ein weiteres Beispiel von einem Politiker, der aufrichtig begonnen hatte und durch die Macht korrumpiert wurde.
  • Toerpe Zwerg 11.11.2019 09:00
    Highlight Highlight Respekt @ Morales. Das habe ich nicht erwartet.

    Maduro, schau hin und lerne.
    • PlayaGua 11.11.2019 09:12
      Highlight Highlight Er hatte ja überhaupt keine Wahl mehr, weil Militär und Polizei ihn nicht stützen. Das sieht bei Maduro anders aus.
      Morales hätte dürfte gemäss Verfassung überhaupt nicht mehr Präsident sein. Aber das Verfassungsgericht war ihm wohlgesonnen.
  • El Vals del Obrero 11.11.2019 08:57
    Highlight Highlight Jede Wette, die eine Hälfte der Kommentare wird lauten "elender Kommunist wurde endlich durch heldenhafte Demokraten gestürzt" und zur anderen Hälfte "Faschistischer Putsch durch USA" und dazwischen gibt es nichts ...

    Ich fand Evo Morales eigentlich recht gut und fand es entsprechend sehr schade, dass er sich am Ende so an die Macht klammerte und fürchtete, dass es so käme, wie in Venezuela. Dann wären auch alle Erungenschaften seiner Präsidentschaft zunichte gewesen. Entsprechend gut finde ich, dass er jetzt doch noch den Hut nahm.
  • Kramer 11.11.2019 06:52
    Highlight Highlight Und noch ein Land das im Chaos versinkt, wie geht das nur weiter?
    • Max Dick 11.11.2019 07:08
      Highlight Highlight Also nach Morales kann es fast nur noch aufwärts gehen in Bolivien. Da knn von "in Chaos versinken" keine Rede sein.
    • napster_fish 11.11.2019 07:54
      Highlight Highlight Du kennst aber schon die Geschichte Boliviens? Ohne seinen Peronenkult und seine Wahlmanipulationen zu rechtfertigen: die Fortschritte unter ihm in den letzten 15 Jahren waren immens! Das macht ihm so schnell keiner nach (und im Gegensatz zu Venezuela, Argentinien und Co scheint es sogar Nachhaltig zu sein). Das er jedoch geht (Amtszeit!) ist nur richtig.
    • Max Dick 12.11.2019 15:00
      Highlight Highlight napster_fish: Ok ich spreche ihm einige Erfolge in seiner Anfangszeit nicht ab, im Gegenteil, er hat für viele gutes bewirkt. Allerdings hatte ich bei meinem Kommentar mehr die letzten plus minus 5 Jahre betrachtet, und da gibt es nun kaum mehr Positives. Verhält sich ähnlich wie bei Erdogan. Auch der startete in vielem - unter anderem im Konflikt mit den Kurden - durchwegs positiv, aber einen Präsidenten misst man Ende der Zehnerjahre nun mal nicht mehr an seinen Taten in den Nullerjahren.
  • Meierli 11.11.2019 05:27
    Highlight Highlight Es scheint nicht gerade friedlich abzulaufen. In El Paz und El Alto brennen Morales-Anhänger gerade dutzende Busse, Häuser und Geschäfte ab. Der internationale Flughafen wurde angegriffen und ist geschlossen. Identisch wurde in El Paz ein Spital besetzt. Leider schaut das aktuell eher nach Bürgerkrieg aus.
    • Stromer5 11.11.2019 06:20
      Highlight Highlight Kein Wunder wenn er seine Anhänger, namentlich die Cocabauern und Indios gegen den Resten aufhetzt. Es ist erbärmlich was in den letzten Jahren aus ihm geworden ist. Er hatte mal gute Ideen und diese tlw. auch umgesetzt, dass er jetzt unbedingt an der Macht bleiben will, zeigt seinen wahren Charakter.
      Im übrigen besteht grösste Fluchtgefahr. Offenbar haben sie noch kurz vor dem Rücktritt die Natinalbank ausgeräumt...
    • Padcat 11.11.2019 06:41
      Highlight Highlight Die Stadt heisst La Paz.
    • Jan De Iaco 11.11.2019 10:16
      Highlight Highlight El Alto und el Paz sind Quartiere in La Paz😉
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