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Presidential candidate Pedro Pablo Kuczynski kisses his wife Nancy Lange while greeting supporters and reporters gathered outside their home in Lima, Peru, Monday, June 6, 2016. Kuczynski had a razor-thin lead over his rival Keiko Fujimori, the daughter of jailed former strongman Alberto Fujimori, as Peruvians awaited results still trickling in from remote parts of the Andean nation.  Kuczynski's one of two running mates, Mercedes Araoz, is pictured at right. (AP Photo/Silvia Izquierdo)

Pedro Pablo Kuczynski küsst seine Frau Nancy Lange auf dem Balkon seines Büros in Lima. Bild: Silvia Izquierdo/AP/KEYSTONE

Kuczynski – ein deutschstämmiger Technokrat wird Perus Präsident

Am Ende hat er es doch noch geschafft. Pedro Pablo Kuczynski brauchte für seinen Wahlsieg die vereinte Unterstützung aller Gegner seiner Rivalin Keiko Fujimori. Doch der rechtsliberale Sohn eines Deutschen bleibt vielen Andenbewohnern fremd.



Eine Woche vor der Stichwahl in Peru galt er noch als sicherer Verlierer. Zu wenig Sympathie schlägt ihm im Andenland entgegen. Doch am Ende gewann der 77-jährige neoliberale Finanzexperte Kuczyinski Godard äusserst knapp gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori. Am 28. Juli wird er Präsident Perus werden.

Der Sohn eines vor dem Nazi-Regime geflüchteten Berliner Tropenarztes und einer französischen Lehrerin studierte in Oxford und Princeton und arbeitete in leitenden Positionen in internationalen Finanzinstitutionen und Konzernen. Der französisch-schweizerische Filmregisseur Jean-Luc Godard ist sein Cousin, die US-Schauspielerin Jessica Lange ist Cousine seiner zweiten Ehefrau, die er während seiner langen Jahre in den USA kennenlernte.

Engstes Ergebnis der Geschichte

Der Vorsprung Kuczynskis belief sich nach dem vorläufigen Endergebnis auf 41'000 Stimmen – bei über 18 Millionen Wählern bei der Stichwahl vom Sonntag. Es ist das engste Wahlergebnis der Geschichte Perus.

Der 77-Jährige gewann mit 50,1 Prozent der Stimmen denkbar knapp ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori. Die 41-Jährige kam auf 49,9 Prozent. Dies teilte der Leiter der Wahlbehörde, Mariano Cucho, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Lima mit.
(sda)

Kuczyinski stellte sich als welterfahrener Kandidat zur Wahl, hatte aber Schwierigkeiten, die ärmeren Bevölkerungsschichten des Andenlandes anzusprechen. Die Folge: In der ersten Wahlrunde lag Kuczynski mit 21 Prozent der Stimmen weit hinter Fujimoris 40 Prozent. Vor fünf Jahren hatte es sogar nur für Platz drei gereicht. Damals unterstützte er in der Stichwahl Fujimori gegen den späteren Wahlsieger Ollanta Humala, den er des Linkspopulismus bezichtigte.

Presidential candidate and daughter of imprisoned ex-President Alberto Fujimori, Keiko Fujimori greets supporters in Lima, Peru, Sunday, June 5, 2016. Peru's presidential election was in a dead heat late Sunday with Pedro Pablo Kuczynski, a former World Bank economist apparently leading Keiko Fujimori.(AP Photo/Silvia Izquierdo)

Knapp verloren: Keiko Fujimori.
Bild: Silvia Izquierdo/AP/KEYSTONE

Politische Gewandtheit

Kuczynski war mehrfach Minister in den Bereichen Finanzen, Wirtschaft und Energie und unter der Präsidentschaft Alejandro Toledos (2001-2006) sogar ein Jahr lang Ministerpräsident. Als Regierungschef zeigte er politische Gewandtheit und förderte erfolgreich Auslandsinvestitionen. Doch er stiess mit seiner Politik der Steuervergünstigungen für Unternehmen auch auf harte Kritik.

In seinem jetzigen Regierungsprogramm setzt Kuczynski wieder auf eine Erleichterung der Auflagen für Investitionen. Die Wirtschaft sei zu einseitig auf die – jetzt schwächer laufenden – Erzexporte nach China ausgerichtet, es müssten rasch neue Marktbereiche erschlossen werden, vor allem die Agrarindustrie und der Tourismus.

Gewählt wurde Kuczynski aber nicht so sehr wegen seines politischen Programms, sondern vor allem als kleineres Übel – wegen der grossen Ablehnung, auf die Keiko Fujimori in weiten Teilen der Bevölkerung stösst. Hinter ihn stellte sich bei der Stichwahl ein breites Bündnis bis hin zu der ihm bis dahin völlig fremden Linken, angeführt von Verónika Mendoza, die als dritte in der ersten Wahlrunde 18 Prozent der Stimmen erlangt hatte. Dieses «widernatürliche Bündnis» reichte am Ende.

Vom Alter her könnte Kuczynski der Vater Fujimoris sein. Die Anhänger der 41-jährigen Tochter des – wegen Korruption und des Einsatzes von Todesschwadronen inhaftierten – Altpräsidenten Alberto Fujimori hielten ihm seine 77 Jahre auch immer wieder vor. Er antwortete, für Fujimori wäre die Präsidentschaft ihr erster Job. Für ihn werde es dagegen der letzte sein, für den er bereit sei, sich aufzuopfern. (sda/dpa)

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