International
Mexiko

Lynchmord in Mexiko: Mob tötet Frau, nach Tod von 8-jährigem Mädchen

Mob prügelt in Mexiko Frau zu Tode, die 8-jähriges Mädchen entführt und getötet haben soll

29.03.2024, 10:2929.03.2024, 13:41
Mehr «International»

Die Videos, die auf der Plattform X kursieren, sind brutal. Sie zeigen, wie eine Frau von einem wütenden Mob von der Ladefläche eines Polizeiautos gerissen und dann hemmungslos geschlagen und gekickt wird. Die Polizei greift erst ein, als die Frau komplett reglos am Boden liegt und sich die Menschenmenge um sie lichtet. Gemäss der mexikanischen Tageszeitung El Universal soll sie noch auf dem Weg ins Spital gestorben sein.

Taxco. Ein Mob lynchte die Frau nach dem Tod der achtjährigen Camila Gomez.
Der Mob versammelt sich filmend um die reglos auf dem Boden liegende Frau.Bild: keystone

Geschehen ist die Tat in Taxco im Bundesstaat Guerrero im Süden Mexikos. Grund dafür ist die Entführung und der Tod eines 8-jährigen Mädchens.

Das war zuvor passiert

Das Mädchen Camila Gomez war am frühen Mittwochnachmittag bei ihrer besten Freundin und Nachbarin zum Spielen verabredet. Kurze Zeit später erhielt die Mutter Anrufe von unbekannten Nummern, die 250'000 Pesos (umgerechnet 13'600 Franken) für die Freilassung ihrer Tochter forderten. Als sie daraufhin zu ihrer Nachbarin ging, um sich nach ihrer Tochter zu erkundigen, versichert ihr diese, dass das Mädchen nie bei ihr eingetroffen sei.

Am Donnerstagmorgen wurde die Leiche des 8-jährigen Mädchens in einer schwarzen Tasche auf einer Autobahn gefunden. Die Hauptverdächtigen: die Nachbarn.

Es dauerte nicht lange, bis in den sozialen Medien ein Video einer Sicherheitskamera zirkulierte, welches das Mädchen beim Betreten des Nachbarhauses zeigt. Die Beweislast erschwerte sich noch zusätzlich mit einem zweiten Video: In diesem ist zu sehen, wie die Nachbarin, einen Korb voller Kleidung aus ihrem Haus zu einem Auto trägt, welches sich später als Taxi herausstellen sollte. Kurz darauf folgt ihr ein Mann – der Taxifahrer –, mit einer scheinbar schweren schwarzen Tasche über der Schulter. Nachdem sie das Auto beladen haben, fahren sie davon.

Nach der Sichtung des Videomaterials wurde der Taxifahrer festgenommen. Er soll es laut El Universal gewesen sein, der den Ort von Camilas Leiche preisgegeben haben soll.

Mob übt Selbstjustiz

Die Wut über den Vorfall in Taxco war gross, sodass sich am Donnerstagnachmittag Dutzende Menschen zu einer Demonstration einfanden. Dabei versammelten sie sich unter anderem vor dem Haus der Nachbarin, um deren Verhaftung zu fordern. Wie die mexikanische Zeitung El País berichtet, sollen die Beamten aber noch keinen Haftbefehl gehabt haben, weshalb sie keine Festnahmen hätten durchführen können. Daraufhin eskalierte die Situation und die Demonstrierenden verschafften sich Zugang zu dem Haus. Mit Gewalt rissen sie die Nachbarin, ihren Partner sowie ihren Sohn heraus und verprügelten sie.

Zwischenzeitlich gelang es der Polizei, die drei Personen unter ihre Kontrolle zu bringen und sie auf die Ladefläche ihres Polizeiautos zu setzen und wegzufahren. Es dauerte allerdings nicht lange, bis der wütende Mob die drei Personen wieder unter ihrer Gewalt hatte – unter halbherzigem Eingreifen der Polizei.

epa11248910 People block streets during a protest against the kidnapping and murder of the minor Camila Gomez in the municipality of Taxco, Mexico, 28 March 2024. The abduction and subsequent murder o ...
Demonstierende blockierten die Strassen in Taxco.Bild: keystone

Die Menge liess erst von der Frau ab, als sich diese nicht mehr regte. Während sie nur wenig später an ihren Verletzungen starb, befinden sich ihr Partner und ihr Sohn schwer verletzt im Spital.

Die touristische Stadt Taxco leidet bereits seit Längerem unter hoher und insbesondere organisierter Kriminalität. Im Januar wurde die Stadt durch zwei kriminelle Gruppen komplett lahmgelegt. Aus Angst wurden Transportdienste eingestellt und die Schule sowie mehrere Geschäfte blieben geschlossen. Lynchmorde in Mexiko sind keine Seltenheit. Grund dafür ist die hohe Straffreiheit und das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen im lateinamerikanischen Land. (saw)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
Sean Bakers «Anora» gewinnt in Cannes – er widmet den Preis «allen Sexarbeiterinnen»
Mit seiner Tragikomödie «Anora» hat der US-amerikanische Regisseur Sean Baker die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes gewonnen.

Das gab die Jury am Samstagabend bekannt. Der Film, der von einer selbstbewussten Striptease-Tänzerin in New York erzählt, setzte sich gegen 21 andere Wettbewerbsfilme durch. Entschieden hat eine Jury unter dem Vorsitz der Regisseurin Greta Gerwig.

Zur Story