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Mittelmeer-Drama ohne Ende: Neues Bootsunglück mit vielen Toten



Bei einem erneuten Bootsunglück im Mittelmeer sind dutzende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die italienische Marine barg nach eigenen Angaben vom Freitagabend 45 Tote. 135 Menschen seien von dem sinkenden Schiff gerettet worden.

Die Suche nach möglichen weiteren Opfern dauere an. Das überladene Fischerboot war nach Angaben der italienischen Küstenwache mit mehr als 300 Insassen vor der libyschen Küste verunglückt.

Drei Dramen in drei Tagen

An Italian Navy helicopter flies over an overturned boat off the Libyan coast, Wednesday, May 25, 2016. The Italian navy says it has recovered 7 bodies from the overturned migrant ship off the coast of Libya. Another 500 migrants who on board were rescued safely.  (Marina Militare via AP Photo)

Die italienische Marine nimmt Flüchltinge im Mittelmeer auf, hier am 25. Mai 2016.
Bild: AP/Marina Militare

Die Küstenwache, die die Rettungseinsätze in dem Seegebiet koordiniert, hatte zuvor die Schiffe in der Gegend aufgerufen, 350 Menschen im Meer zur Hilfe zu kommen.

Es ist bereits das dritte schwere Bootsunglück in drei Tagen. Am Mittwoch war ein überladenes Fischerboot gekentert. Rund 560 Menschen konnten gerettet werden, doch berichteten Überlebende anschliessend, dass rund 100 weitere Menschen im Rumpf eingeschlossen gewesen seien. Am Donnerstag sank ein weiteres Boot vor der libyschen Küste, bis zu 30 Menschen verloren dabei ihr Leben.

«Drei Schiffe an drei Tagen, das ist sehr beunruhigend», sagte eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Carlotta Sami. Es kämen zunehmend «Fischerboote in sehr schlechtem Zustand» an. Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Flavio Giacomo, sagte, derzeit kämen fast so viele Menschen täglich in Italien an wie im vergangenen Jahr auf den griechischen Inseln.

Viele wagen Überfahrt

Migrants are helped as they disembark from Italian navy ships

Die Flüchtlinge des am 25. Mai gekenterten Boots wurde von der italienischen Marine nach Porto Empedocle gebracht, wo sie einen Tag später ankamen.
Bild: ANTONIO PARRINELLO/REUTERS

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa. Seit Montag wurden mehr als 12'000 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet. Am Freitag wurden 15 weitere Boote in Seenot gemeldet. Seit Beginn des Jahres kamen laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fast 38'000 Menschen nach Italien.

Im vergangenen Jahr waren viele Flüchtlinge in der EU angekommen, indem sie von der türkischen Küste aus auf die nahe gelegenen griechischen Inseln übersetzten. Aufgrund eines Abkommens zwischen der EU und der Türkei ist dieser Weg jedoch schwieriger geworden: Die Türkei muss nach dieser Vereinbarung alle auf irregulärem Weg nach Griechenland eingereisten Migranten zurücknehmen.

Zudem schlossen die Länder auf der sogenannten Balkanroute ihre Grenzen, so dass für die in Griechenland angekommenen Flüchtlinge eine Weiterreise nach Nordeuropa auf dem Landweg unmöglich wurde.

Bevor du weiterscrollst

Ein Fotograf an Bord des italienischen Marineschiffes hat den Moment festgehalten, in dem das Flüchtlingsboot am 25. Mai gekentert ist. Hier siehst du die Fotos in gosser Darstellung, aber wenn du emotional bist, sei gewarnt: Die Bilder sind brutal!

epa05328919 A handout picture released by the Italian Navy shows people jumping out of a boat right before it overturns in Canal of Sicily off the Libyan coast, 25 May 2016. The Italian navy says it has recovered five bodies from the overturned migrant ship. Over 550 migrants on board were rescued safely.  EPA/ITALIAN NAVY / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/ANSA / ITALIAN NAVY

epa05328920 A handout picture released by the Italian Navy shows people jumping out of a boat right before it overturns in Canal of Sicily off the Libyan coast, 25 May 2016. The Italian navy says it has recovered five bodies from the overturned migrant ship. Over 550 migrants on board were rescued safely.  EPA/ITALIAN NAVY / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/ANSA / ITALIAN NAVY

Migrants are seen on a capsizing boat before a rescue operation by Italian navy ships

Bild: HANDOUT/REUTERS

(sda/afp)

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Anaalvik 30.05.2016 12:34
    Highlight Highlight Wir sind schuld an diesen Bootsunglücken, weil wir sie aus falschem Mitleid mit nicht minder falschen Versprechen hierherlocken.
    Was wir da tun, ist gnadenlos und unmenschlich.
    Wir müssen versuchen diese verirrten Seelen dazuzubringen, ihr Leben in ihrer Heimat für eine gute Sache einzusetzen, statt auf einem Gummiboot zu vetspekulieren.
  • Inti 28.05.2016 13:51
    Highlight Highlight @simply smarter:
    Aus Ihrem Kommentar geht hervor, dass Sie einsehen, dass die Flüchtlinge aus ihren Heimatländern flüchten MÜSSEN und dies nicht einfach so zum Spass tun. Ihre Aussage, dass das Asylrecht "pervertiert" und "massenweise missbraucht" wird, ist daher absurd. Sie schlagen vor, dass die Flüchtlinge einfach in ihre Nachbarländer flüchten (was die allermeisten übrigens tun - diese Länder, welche viel weniger Kapital haben als mittel- und nordeuropäische Staaten - sind folglich am Anschlag.)
    Nun erklären Sie mir doch mal die Logik, weshalb die Nachbarländer - oder wie Sie es völlig vereinfacht und generalisiert nennen "afrikanische Länder" - Flüchtlinge aufnehmen sollen, europäische Länder aber nicht, das es in diesem Falle "pervertiert sei".
  • Inti 28.05.2016 00:51
    Highlight Highlight Das ist Wahnsinn!
    Was muss noch alles passieren, damit endlich legale, sichere Fluchtrouten geschaffen werden? Wie viele unschuldige Menschen lässt Europa, Hort der Aufklärung und Menschenrechte, noch auf diese grausame Art sterben?
    Mit diesen unschuldigen Menschen sehe ich auch unsere Werte untergehen. Hilfe!
    Es macht einem unendlich verzweifelt.
    • Retarded Wizard 28.05.2016 03:15
      Highlight Highlight Keine Angst, unsere Werte bleiben uns erhalten.

      Ausbeutung, Ignoranz und Heuchelei

      Migrationsanreize müssten gestoppt und nicht gefördert werden. Legale "Flucht" routen durch ganz Europa wären schön bescheuert.

      Man muss ja nicht nach Zentraleuropa, um in Sicherheit zu sein.

      Sind übrigens wieder viele Frauen und Kinder an Board dieses Schiffes.
    • Inti 28.05.2016 09:46
      Highlight Highlight @Retarded Wizard
      Nein, man MUSS nicht nach Zentraleuropa, um in Sicherheit zu sein. Ganz viele Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten befinden sich in Nachbarländern der Kriegsländer, welche diese nicht einfach zurück im den Tod schicken können, und leben dort unter prekären Bedingungen in völlig ausgelasteten Lagern. Ein kleiner Bruchteil schafft es bis nach Europa. Hat das reiche Europa nicht die Pflicht, in derartigen Krisenzeiten solidarisch mit den Opfern zu sein?
    • Inti 28.05.2016 10:03
      Highlight Highlight @simply smarter:
      Haben Sie wirklich das Gefühl, diese Menschen setzen das Leben ihrer Kinder einfach mal so aufs Spiel, weil Europa "Anreize" setzt? Die Anreize "jeden illegalen Migranten aufzunehmen" sind das Recht auf Asyl, welches in den Menschenrechten festgeschrieben ist. Wenn Sie dieses über Bord werfen wollen, gut, aber dann müssen wir uns auch nicht mehr als die demokratischen Staaten, welche Menschenrechte achten, rühmen.
      Aber wenn ich lese, dass Sie Familien mit Kindern in vom IS besetzte Gebiete zurückschicken würden oder eine "Internierung" für schutzbedürftige Menschen verlangen, als wären diese gegnerische Soldaten in einem Krieg, dann sind Sie wohl ohnehin eher ein Befürworter autoritärer Staatsformen. Europa will eine absolute "Versicherheitlichung", geht dafür über Leichen und verrät humanitäre Werte. Ihr Kommentar ist bestes Beispiel dafür.

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Der Notruf ging am Freitagmorgen ein. Ein Aufklärungsflugzeug sichtete das leckende Gummiboot 45 Seemeilen vor der Küste Libyens und kontaktierte die Küstenwachen in Italien, Tunesien und Libyen.

Italien erklärte daraufhin Libyen für zuständig, die libysche Küstenwache schickte ein Schiff los, das aber nach kurzer Zeit wegen eines Motorschadens wieder umdrehen musste. In der Folge antwortete die libysche Notfallzentrale laut NGOs nicht mehr.

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