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This image released by Warner Bros. Pictures shows Joaquin Phoenix in a scene from

Bild: AP

Wird der Joker zur neuen Symbolfigur für Proteste?

Kommerziell ist der Film «Joker» bereits jetzt ein grosser Erfolg, er hat aber auch grosses Kult-Potenzial. Und viel bedeutender: Sein Gesicht taucht in vier aktuellen Konflikten auf.



In den USA fürchtete man sich vor dem Release des neuen DC-Films über den Bösewicht Joker vor Gewaltausbrüchen bei Vorführungen. Das US-Militär warnte gar ihre Einsatzkräfte vor möglichen Amokläufern. Passiert ist dann aber nichts.

Zumindest nicht in den USA.

Anders sieht es aus, wenn man aktuelle Brandherde betrachtet. Zwar diente der Film nicht als Blaupause für Amokläufer, aber bei immer mehr Anti-Regierungs-Protesten taucht das Gesicht des Jokers auf. Vier Beispiele:

Irak

Die Bilder geistern seit einer guten Woche im Netz umher. Joker tanzt inmitten der Proteste in Bagdad. Kreiert hat die Bilder der irakische Designer Ahmed Shawqy. Zur Journalistin Hind Hassan sagte Shawqy, er habe das Gefühl, dass sich Bagdad langsam in Gotham City verwandelt habe. In der fiktiven Stadt Gotham City grassiert die Korruption und es herrscht soziale Ungleichheit. Viele junge Iraker sehen Parallelen zur aktuellen Lage in Bagdad.

Bei den regierungskritischen Demonstrationen im Irak Anfang Oktober sind insgesamt 157 Menschen getötet worden, 149 Zivilisten und acht Sicherheitskräfte. Das geht aus einem offiziellen Untersuchungsbericht hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Unruhen spielten sich vorwiegend in der Hauptstadt Bagdad ab und griffen dort auch auf die Schiiten-Bastion Sadr-City über. In dem Untersuchungsbericht werden nicht alle Todesfälle unter den Demonstranten auf den Waffeneinsatz von Sicherheitskräften zurückgeführt.

Vielmehr wird auch auf nicht identifizierte «Schützen» hingewiesen, die damals von den Dächern auf Menschen schossen. Hinweise auf solche Schützen gab es schon während der Demonstrationen. Für den kommenden Freitag sind neue Proteste angekündigt.

Die Proteste gingen nicht von einer bestimmten politischen Gruppe aus. Die zumeist jungen Demonstranten wiesen jede politische Vereinnahmung von sich. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen die chronischen Stromausfälle und die hohe Arbeitslosigkeit. Die rund 40 Millionen Einwohner im Irak leiden unter den Folgen von Krieg, Arbeitslosigkeit und Korruption.

Libanon

epaselect epa07934768 A lebanese girl paint her face with Lebanes flag color where Protesters wave Lebanese flags shout anti-government slogans during a protest in downtown Beirut, Lebanon, 19 October 2019. Hundreds of thousands of Lebanese families and youth from civil activists demonstrate in downtown Beirut condemning the proposed taxes that would go along with the 2020 budget, and shout slogan 'The people want to bring down the government and parliament, and return the looted money'.  EPA/NABIL MOUNZER

Bild: EPA

Auch im Libanon sah man in den vergangenen Tagen geschminkte Gesichter. In der Hauptstadt Beirut protestierte das Volk gegen Misswirtschaft und Korruption. Ein Bild vom 19. Oktober zeigt eine junge Frau, die sich mit den Nationalfarben des Libanons geschminkt hat – inspiriert durch Joker.

Am sechsten Tag in Folge sind im Libanon Menschen gegen die Regierung auf die Strasse gegangen. Dutzende Demonstranten versammelten sich am Dienstag vor der Zentralbank in Beirut. Angesichts der grössten Massenproteste seit Jahren hatte die Regierung von Ministerpräsident Saad Hariri am Montag ein umfassendes Reformprogramm auf den Weg gebracht.

Die Demonstranten konnte das Reformpaket der Regierung allerdings nicht besänftigen. Vor der Zentralbank in der Hauptstadt protestierten Demonstranten mit Rufen wie: «Nieder mit der Zentralbank. Wir werden keine Steuern zahlen. Lasst die Banken sie zahlen.»

epa07930486 Protesters burn tires as they block the highway heading to the Beirut international airport during a protest in Beirut, Lebanon, 18 October 2019. Protesters, mainly civil activists, started to demonstrate in downtown Beirut on 17 October, condemning the proposed taxes that would go along with the 2020 budget, especially an unexpected government plan to impose a fee of 0.20 cents a day for using WhatsApp calls. This charge will not make it through the government palace according to the Telecommunications Minister Mohamed Choucair after witnessing the impact this made on the streets.  EPA/WAEL HAMZEH

Protestierende blockieren die Strasse zum Flughafen in Beirut. Bild: EPA

Der Ärger über die verkrustete politische Führung im Libanon hatte in den vergangenen Tagen in Beirut und zahlreichen weiteren Städten hunderttausende Demonstranten mobilisiert. Die Massenproteste von Montag waren in Beirut in eine nächtliche Party mit Spontan-Konzerten gemündet, die bis tief in die Nacht andauerten.

Die seit Tagen andauernden Massenproteste richten sich gegen die politische Elite, die verbreitete Korruption sowie die unablässigen Ausfälle bei der Strom- und Wasserversorgung.

Ausgelöst worden waren sie zunächst durch ein Vorhaben der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe zu erheben, die über Onlinedienste wie Whatsapp getätigt werden. Hunderttausende Menschen gingen auf die Strasse und forderten den Sturz der Regierung. Diese zog den Plan zwar schnell wieder zurück, doch die Proteste hielten an.

Chile

Auf den Strassen Santiagos war am Wochenende ein als Joker verkleideter Mann zu sehen. Er tanzte zwischen Polizisten und Demonstrierenden und hielt ein Schild hoch.

Die Proteste waren durch eine Erhöhung der Ticketpreise für den öffentlichen Nahverkehr ausgelöst worden. Nach ersten Zusammenstössen am Freitag gab es auch am Wochenende gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Präsident Sebastián Piñera hatte wegen der Proteste den Ausnahmezustand verhängt. Die Behörden ordneten zudem Ausgangssperren an. General Javier Iturriaga rief die Einwohner auf, «sich ruhig zu verhalten und zu Hause zu bleiben». Präsident Piñera sprach am Sonntag sogar von Krieg.

Die chilenische Regierung mobilisierte obendrein 9500 Soldaten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Diktatur unter General Augusto Pinochet 1990, dass das Militär wieder in der chilenischen Hauptstadt patrouillierte.

Hongkong

Bild

Schlussendlich sind auch bei den Protesten in Hongkong immer mehr Joker-Masken zu sehen. Fotos wie das obige wurden Tausendfach geteilt. Protestierende verwenden zunehmend Joker-Masken.

(jaw/sda)

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