International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Hoffnungen auf Waffenruhe im Jemen

Bild: AP

Im Jemen haben sich die Konfliktparteien nach wochenlangen schweren Kämpfen auf eine fünftägige Waffenruhe geeinigt. Sie soll ab Dienstag gelten.

10.05.15, 16:35 10.05.15, 17:51


Ein Sprecher des mit den Huthi-Rebellen verbündeten Teils der jemenitischen Armee sagte, seine Gruppe akzeptiere die von Saudi-Arabien vorgeschlagene Feuerpause, damit dringend benötigte Hilfsgüter in das Land gelangen könnten.

Vorerst hielten die Kämpfe aber an. So nahm die von den USA logistisch unterstützte und von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz erneut die Hafenstadt Aden unter Beschuss.

Ausserdem bombardierte sie nach Angaben von Bewohnern der Hauptstadt Sanaa den zweiten Tag in Folge die dortige Residenz des mit den Huthi verbündeten Ex-Staatschefs Ali Abdullah Saleh. Er blieb offenbar unverletzt.

Anhänger des ins saudi-arabische Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi zeigten sich skeptisch, ob die Waffenruhe greifen wird. «Wir bezweifeln, dass die Huthi sich an eine Feuerpause oder einen Waffenstillstand halten, denn sie haben wiederholt politische Zusagen gebrochen», sagte ein Milizionär, der an der Seite der Rebellengegner in Aden kämpft.

Oberst Scharaf Lukman, Sprecher des Flügels der jemenitischen Armee, der sich mit den Huthi verbündet hat, erklärte, seine Gruppe sei für die Feuerpause. Sie werde aber auf militärische Verstösse reagieren.

Die Huthi signalisierten ebenfalls Zustimmung. Sie begrüssten grundsätzlich jede Waffenruhe, die den Zugang von Hilfslieferungen für die Bevölkerung ermögliche, erklärte Rebellen-Sprecher Hussein al-Assi auf seiner Facebook-Seite.

«Kampf gegen Al-Kaida»

Die Huthi haben grosse Teile des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht. Sie wollen so nach eigenen Angaben den in dem verarmten Land ansässigen Al-Kaida-Flügel in die Schranken verweisen. Nach ihrer Auffassung werden die sunnitischen Extremisten von Hadi unterstützt.

Saudi-Arabien sieht im Vormarsch der Huthi dagegen den Versuch des schiitischen Erzrivalen Iran, in der Region besser Fuss zu fassen. Seit dem 26. März greift das Königreich mit anderen sunnitischen Golfstaaten die Rebellen aus der Luft an. Ziel ist die Wiedereinsetzung Hadis.

Humanitäre Krise

Die Angriffe richteten grosse Zerstörungen an und lösten eine humanitäre Krise aus, konnten die Huthi-Rebellen aber kaum zurückdrängen. Die Militärkoalition hat mit Rückendeckung der UNO ein Embargo gegen das Land verhängt, um die Versorgung der Rebellen mit Waffen und Treibstoff zu verhindern.

Dadurch ist aber auch die Lieferung von Hilfsgütern für die Bevölkerung stark eingeschränkt. Nach UNO-Angaben kamen bisher mehr als 1400 Menschen in dem Konflikt ums Leben.

Angesichts der Bombardements und der immer stärker leidenden Zivilbevölkerung steht die Allianz zunehmend unter Druck. Die «wahllosen Angriffe auf besiedelte Gebiete» seien ein Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht, erklärte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe im Jemen, Johannes van der Klaauw, am Wochenende. Unzählige Zivilisten seien bedroht.

Weitere Luftangriffe

Am Samstag bombardierte die arabische Militärkoalition zum wiederholten Mal den Flughafen der Hauptstadt Sanaa, obwohl dieser von zentraler Bedeutung für die Lieferung von Hilfsgütern ist, wie die UNO wiederholt betonte.

Die Allianz flog auch Angriffe auf die Stadt Saada im Norden des Landes, nachdem sie die Zivilbevölkerung zum Verlassen der Stadt aufgerufen hatte. Die Huthis stammen aus dieser Region.

Hunderte Einwohner flohen aus der Stadt, wie Augenzeugen berichteten. Die Allianz betrachtet die Stadt fortan als legitimes militärisches Ziel. Laut der saudi-arabischen Nachrichtenagentur SPA griff die Koalition die Häuser mehrere Huthi-Führer und Waffenlager an. Hilfsorganisation riefen die Allianz auf, den Einwohnern mehr Zeit zu geben, um sich in Sicherheit zu bringen.

Der Machtkampf im Jemen

 (sda/reu/afp/dpa)

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 11.05.2015 10:35
    Highlight Demokratie im arabischen Raum? Vermutlich ohne jede Chance.
    Dazu sind Länder wie z. B. KSA oder Ägypten für den Westen geostrategisch viel zu wichtig.
    Aber man führt im Gegensatz zu früher die Kriege nicht mehr selber, man lässt sie jetzt führen. Als Stellvertreterkriege mit unetrschiedlichsten, nach Opportunität ergebenen Allianzen.
    1 0 Melden

Beide Seiten unter Beschuss

Israel setzt Angriffe auf Ziele im Gazastreifen unvermindert fort  – Bodenoffensive kommt in Frage

Die israelische Armee hat in der Nacht auf Montag ihre Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen fortgesetzt. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden bei einem Angriff mindestens zwei Menschen in dem Küstengebiet getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn des Konflikts zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensergruppen Anfang Juli auf mindestens 2122. 

Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, binnen 24 Stunden seien 65 Ziele im …

Artikel lesen