Wettbewerb: Katzenjagd für Kinder bis 14 Jahre. Preisgeld: 250 neuseeländische Dollar. Bedingung: So viele verwilderte Katzen zu töten wie möglich.
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In Neuseeland finden grossangelegte Jagdaktionen statt, um ein grosses Problem aus dem Inselstaat Ozeaniens zu schaffen: verwilderte Tiere, welche die Artenvielfalt bedrohen.
Das Ziel: Bis 2050 alle invasiven Wirbeltiere auszurotten. Darunter zählen unter anderem Ratten, Hermeline, Frettchen, Opossums sowie verwilderte Katzen.
Neuseeland gilt als Paradebeispiel für die Auswirkungen invasiver Tiere. Seit der Mensch vor rund 750 Jahren die Inseln heimsuchte, sind mehr als 70 Vogelarten ausgestorben.
Besonders streunende Katzen sind eine ernsthafte Bedrohung für die Artenvielfalt und die einheimische Tierwelt Neuseelands. Sie töten Vögel, Eidechsen, Fledermäuse und Insekten – und gefährden deren Bestände.
Katzen sind für mindestens 14 Prozent der weltweit ausgestorbenen Vögel, Säugetiere und Reptilien verantwortlich und sie sind die Hauptbedrohung für weitere 8 Prozent, die kurz vor dem Aussterben stehen, wie die Wissenschaftszeitung «Global Change Biology» schreibt.
Die Population streunender und verwilderter Katzen in Neuseeland wird auf 2,4 Millionen geschätzt. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen eine Kontrolle invasiver Populationen – allerdings nicht mit allen Mitteln. Die Populationen sollen durch erfahrene Jäger und mit «humanen» Methoden minimiert werden.
Dennoch finden seit 2022 Tiertötungswettbewerbe statt, bei denen auch Kinder dazu ermutigt werden, bei der Eliminierung der Tiere anzupacken – für ein Preisgeld von 250 Dollar.
Wer am meisten verwilderte Katzen tötet, gewinnt.
Weit über die Landesgrenzen hinaus werden die Veranstalter dafür kritisiert. Die Aktion desensibilisiere Kinder gegenüber Gewalt an Tieren. Oftmals werden die Tiere mit Luftgewehren erschossen, wodurch ihnen erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt werden.
«Die Vorstellung, dass Menschen frei laufende Katzen und andere wilde Tiere als Trophäen betrachten, wenn sie getötet werden, ist zutiefst beunruhigend», schreibt etwa die Tierschutzorganisation Animal Saves.
In Neuseeland besitzt fast jeder zweite Haushalt eine Katze. Der Wettbewerb gefährde Kritikern zufolge auch Haustiere. Wildkatzen können von Hauskatzen nicht unterschieden werden. Das Risiko sei demnach gross, dass auch viele Haustiere dem Wettbewerb zum Opfer fallen, warnen Tierschutzaktivisten.
Doch die Veranstalter wehren sich: Die Teilnehmenden seien gewarnt worden. Kinder, die Katzen mit Mikrochips jagen, würden sofort disqualifiziert werden.
In einem Punkt sind sich Jäger und Tierschutzorganisationen einig: Katzenhalter sollen mehr Verantwortung übernehmen. «Wenn uns der Vogelschutz und die Erhaltung der Tierwelt wirklich am Herzen liegen, müssen wir die Menschen dazu bringen, ihre Katzen zu kastrieren, um eine ungeplante Vermehrung zu verhindern», schreibt die Tierschutzorganisation Animal Justice Party.