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Situation eskaliert: Nordkorea sprengt Verbindungsbüro an der Grenze zum Süden



This undated photo released on Sept, 12, 2018, from South Korea Unification Ministry via Newsis,  shows a liaison office building between South and North Korea in Kaesong, North Korea. The rival Koreas on Friday, Sept. 14, 2018, have opened their first liaison office near their tense border to facilitate better communication and exchanges. (South Korea Unification Ministry/Newsis via AP)

Dieses Gebäude wurde offenbar gesprengt. Bild: AP/South Korea Unification Ministry via Newsis

Rumms an der koreanischen Grenze! Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich wieder. Nordkorea ist verärgert über eine Flugblattaktion südkoreanischer Aktivisten - und zeigt das mit einer besonders drastischen Massnahme.

Die innerkoreanischen Beziehungen haben erneut einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach der Unterbrechung aller Kommunikationsleitungen zu Südkorea hat Nordkorea das erste gemeinsame Verbindungsbüro nahe der Grenze gesprengt.

Das sagt das EDA

«Das EDA ist über die Explosion im Verbindungsbüro in Kaesong informiert. Die Schweiz verfolgt aufmerksam die jüngste Verschärfung der Spannungen zwischen Nord- und Südkorea. Der innerkoreanische Dialog ist für eine friedliche Lösung der Probleme auf der Halbinsel unverzichtbar.

Die Schweiz unterstützt seit langem die Bemühungen um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel, zum Beispiel durch die Überwachung des Waffenstillstands auf der südkoreanischen Seite der Demarkationslinie als Mitglied der Überwachungskommission der Neutralen Nationen (NNSC).»

Mit der drastischen Massnahme auf eigenem Boden machte die international isolierte Führung in Pjöngjang ihrem Unmut über eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten weiter Luft.

Drohungen gegen den Süden

«Um 14.50 Uhr (Ortszeit) wurde das Verbindungsbüro auf tragische Weise mit einer fürchterlichen Explosion zerstört», berichteten die Staatsmedien am Dienstag. Die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, hatte zuvor mit dem Abriss des «nutzlosen» Kommunikationsbüros in der grenznahen Stadt Kaesong gedroht.

Das Vorgehen Pjöngjangs provozierte eine erste deutliche Warnung Südkoreas, seitdem sich die Spannungen in diesem Monat wieder hochgeschaukelt haben. «Falls Nordkorea weitere Schritte unternimmt, um die Situation zu verschärfen, werden wir strikt darauf reagieren», erklärte das Präsidialamt in Seoul nach einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats. Präsident Moon Jae In hatte noch am Vortag an Nordkorea appelliert, zum Dialog zurückzukehren.

Keine Schweizer in Nordkorea

In Nordkorea halten sich nach Kenntnissen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zurzeit keine Schweizerinnen und Schweizer auf, wie das EDA am Dienstag auf Anfrage mitteilte.

Zwei Schweizer Mitarbeiter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Nordkorea hatten das Land mit ihren Angehörigen bereits im März verlassen. Zuvor hatte das kommunistische Regime sich wegen des Coronavirus weiter abgeschottet. Wann die Mitarbeiter wieder nach Nordkorea reisen, ist noch offen.

China möchte Stabilität in der Region

China sprach sich derweil in einer Reaktion für «Frieden und Stabilität» auf der koreanischen Halbinsel aus. «Nordkorea und Südkorea sind ein Volk und als Nachbar hat China immer auf die Wahrung von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gehofft», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums.

epa08474133 A North Koren watchtower (C, top) and a South Korean on (R) face each other across the inter-Korean border near the city of Paju, Gyeonggi-do, South Korea, 09 June 2020. North Korea announced on 09 June its decision to disconnect all inter-Korean communications lines, citing anti-Pyongyang leaflets recently sent via balloons by North Korean defectors across the border.  EPA/JEON HEON-KYUN

Bild: keystone

Das Verbindungsbüro galt einst als «Symbol des Friedens». Dessen Einrichtung war ein konkretes Ergebnis des ersten Gipfeltreffens zwischen Moon Jae In und Kim Jong Un im April 2018 gewesen. Sein Zweck war es unter anderem, sich jederzeit über bilaterale Angelegenheiten beraten zu können. Seoul wollte das Büro auch dazu nutzen, um mit Nordkorea über den Abbau von dessen Atomwaffenprogramm zu sprechen. Das Büro war aber zuletzt verwaist.

Die Sprengung des Gebäudes hatte das Vereinigungsministerium in Seoul bestätigt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zeigte Bilder von einer Rauchsäule, die vom Gelände des einst gemeinsam betriebenen Industrieparks in Kaesong aufsteigt. Dort war auch das Büro.

Die Zerstörung des Büros zeuge von der Wut der Nordkoreaner, hiess es in den nordkoreanischen Berichten in Anspielung auf die Flugblattkampagne südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge. Ziel sei es gewesen, «menschlichen Abschaum und solche, die dem Abschaum Schutz bieten, für ihre Verbrechen zahlen» zu lassen.

Telefonleitung gekappt

Nordkorea hatte zuvor schon die Telefon- und Faxleitungen zum Süden gekappt und mit dem Abbruch aller Kontakte sowie mit weiteren Vergeltungsmassnahmen gedroht. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, die Propaganda-Aktionen, bei der an der Grenze Ballons mit Flugblättern mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Norden geschickt werden, zu tolerieren. Zuletzt hatten die Gruppen Ende Mai etwa 500'000 Flugblätter losgeschickt.

Nordkorea sieht durch diese Aktionen die Würde des Machthabers beleidigt, um den im Land ein Führerkult zelebriert wird. Experten gehen davon aus, dass hinter dem Vorgehen Pjöngjangs noch mehr steckt. «Nordkorea ist dabei, Spannungen zu erzeugen», schreibt Jean H. Lee vom Wilson Center in den USA auf Twitter. «Pjöngjang leidet unter beissenden internationalen Sanktionen und versucht, Seoul dahin zu treiben, die von den USA angeführte Sanktionskampagne zu durchbrechen.»

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam kommen die bilateralen Nuklearverhandlungen nicht mehr voran. Unter dem Stillstand leiden auch die innerkoreanischen Beziehungen.

Vor der Sprengung drohte Nordkoreas Militär auch damit, bereits «entmilitarisierte» Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen. Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstossen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den staatlichen Medien zitiert.

(aeg/sda/dpa)

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