Dschungelcamp 2026: Jetzt ist klar, weshalb Gil Ofarim nicht spricht
Jetzt ist es endlich so weit, dachten sich viele Zuschauer am Dienstagabend. Gil Ofarim begab sich bei «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» in das sogenannte Dschungeltelefon und hob zu einer Erklärung an, die wirkte, als könne sie nun Klarheit in seinen Davidstern-Skandal bringen. «Der Vorfall ereignete sich in Leipzig, hatte aber nie etwas mit der Stadt Leipzig, mit dem Bundesland Sachsen zu tun, führte Ofarim plötzlich aus. Und weiter: «Wenn das so rübergekommen ist, dann möchte ich mich entschuldigen bei den Bürgern von Leipzig.»
Das Dschungelcamp-Publikum dürfte diese Entschuldigung eher konsterniert zur Kenntnis genommen haben. Erhellende neue Details lieferten diese Aussagen jedenfalls nicht. Eine Situation, die Ofarims Anwalt offenbar nutzen wollte. Alexander Stevens, der den Musiker beim Prozess in Leipzig vertreten hatte, kündigte einen Live-Talk bei Instagram für den späten Mittwochnachmittag an. Und tatsächlich: Anwalt Stevens brachte mehr Klarheit als sein Mandant einen Abend zuvor.
Ofarim dürfe nichts sagen, «weil wir Anwälte ihm einen Maulkorb verpasst haben», sagt Stevens dort. Und er begründet diese Entscheidung so: «Weil ein solcher hochkomplexer, juristischer Sachverhalt nicht in den Dschungel gehört.»
Gegenseite um Markus W. widersprach Ofarim
Zu einiger Verwirrung war es in den vergangenen Tagen gekommen, weil Gil Ofarim im Dschungelcamp wiederholt von einer «Verschwiegenheitserklärung» oder wahlweise einer «Verschwiegenheitsverpflichtung» sprach, die Gegenseite dies aber bestritt. In einer Mitteilung sagte Daniel Baumgärtner, der den Hotelangestellten Markus W. vor Gericht vertreten hatte, man habe lediglich eine Unterlassungserklärung vereinbart.
«Darin verpflichtet sich Gil Ofarim gegenüber unserem Mandanten, bestimmte Handlungen und Aussagen strafbewehrt zu unterlassen. Die Handlungen und Aussagen betreffen die dem Strafverfahren vor dem Landgericht Leipzig zugrundegelegenen Vorwürfe.»
Am 28. November 2023 wurde das Verfahren nach dem sechsten Verhandlungstag eingestellt, weil Ofarim seine Lüge offenbarte. Er wählte dafür diese Worte: «Die Vorwürfe treffen zu. Herr W., ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Es tut mir leid. Ich habe das Video gelöscht.» Juristisch galt Ofarim seitdem als unschuldig.
Darüber hinaus zahlte er 40'000 Euro Schmerzensgeld an den Hotelmitarbeiter. Vor diesem Hintergrund werde klar, warum «das Dschungelcamp nicht nur Fluch, sondern auch Segen» sein kann, sagt Gil Ofarims Anwalt Alexander Stevens jetzt auf Instagram. Denn sein Mandant habe das Geld neben den zusätzlich vereinbarten 10'000 Euro, die er an eine jüdische Einrichtung spenden musste, nicht aufbringen können. Mit der RTL-Show soll Ofarim jetzt zwischen 250'000 und 300'000 Euro verdienen.
Eine Summe, die vorab durch die Medien geisterte und auch seinen Mitcampern bekannt sein dürfte – und die womöglich zur hohen Erwartung geführt hat, die die Öffentlichkeit an Ofarims Dschungelcamp-Teilnahme knüpfte. Dass er sich seit 13 Tagen im australischen Dschungel noch nicht für seine Lüge damals entschuldigte, empfanden viele Zuschauer als unangemessen. «Es ist eine Entschuldigung erfolgt – sogar öffentlich, vor der Weltpresse», so Ofarims Anwalt. «Da waren 50 Journalisten im Gerichtssaal.» Ofarim müsse sich nicht jeden Morgen «geisseln bis die Sittenwächter zufrieden sind», fügt Alexander Stevens an.
«Diese sind juristisch sehr weit gefasst»
Der Richter Thorsten Schleif, mit dem Stevens das Gespräch gemeinsam bei Instagram führte, gibt ihm recht: Dann hätte man sich «das Ganze auch sparen können», sagt er mit Verweis auf das öffentliche Geständnis Ofarims. Im Sinne des deutschen Rechtssystems sei es nicht vorgesehen, sich für eine Tat gleich mehrfach entschuldigen zu müssen.
Auch zu dem Rätsel um Gil Ofarims Verschwiegenheit liefert Thorsten Schleif noch Kontext: «Es ist eine Unterlassungserklärung abgegeben worden und diese sind juristisch sehr weit gefasst», betont er und verweist dann auf eine gängige Praxis:
RTL bestätigt diese kleine, aber feine Unterscheidung in der Sache und sagt auf Anfrage von t-online am Mittwoch, es würden oft «zwei unterschiedliche Begriffe vermischt». Eine Unterlassungserklärung sei «etwas anderes als eine Verschwiegenheitserklärung». Zudem nimmt der Sender Stellung zu dem Vorwurf, Ofarim habe RTL an der Nase herumgeführt: «Wenn Markus Küttner sagt, RTL habe von einer Verschwiegenheitserklärung nichts gewusst, bezieht sich das entsprechend auf genau diesen Begriff und nicht auf die Unterlassungserklärung», so eine Sendersprecherin.
RTL musste sich in den vergangenen Tagen dafür rechtfertigen, einen Star eingeladen zu haben, der im Dschungelcamp nicht liefert und sich permanent auf seine Verschwiegenheitserklärung beruft – also selbst offenbar eine falsche Begrifflichkeit verwendet und damit weitere Verwirrung stiftet. Der Sender wusste nur von der Unterlassungserklärung und rechnete offenbar nicht mit Ofarims Anwalt, der ihm aufgrund dieser einen «Maulkorb verpasste».
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Verwendete Quellen:
- Eigene Recherchen
- instagram.com: Profil von alexanderstevens
- stern.de: "Wie es zu Ofarims Schweige-Deal kam – eine Rekonstruktion"
- RTL: "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" 2026
- dwdl.de: "Markus Küttner: 'Da könnte manche Daily Soap neidisch werden'"

