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Papst erlässt Meldepflicht für Missbrauchsfälle in der Kirche



epa07555320 Pope Francis during the weekly general audience in Saint Peters Square, Vatican City, 08 May 2019.  EPA/ANGELO CARCONI

Bild: EPA/ANSA

Papst Franziskus hat für die gesamte katholische Kirche eine Meldepflicht für Fälle sexuellen Missbrauchs erlassen. Für Kleriker und Ordensleute wird ab Juni die Verpflichtung eingeführt, innerhalb der Kirche Missbrauchs- und Vertuschungsfälle umgehend anzuzeigen.

Dies teilte der Vatikan am Donnerstag mit. «Während diese Verpflichtung bis dato in einem gewissen Sinne dem persönlichen Gewissen überlassen war, wird sie nunmehr zu einer universell gültigen Rechtsvorschrift», erklärte der Chefredakteur der Kommunikationsabteilung des Vatikans, Andrea Tornielli. Das Gesetz soll am 1. Juni in Kraft treten. Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist allerdings nicht vorgesehen.

In dem apostolischen Schreiben «Vos estis lux mundi» (Ihr seid das Licht der Welt) heisst es zudem, die katholischen Diözesen in aller Welt müssten bis spätestens Juni nächsten Jahres «ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche» Anlaufstellen für Anzeigen einrichten.

Die katholische Kirche steckt seit Jahren wegen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern der Welt in einer ihrer schwersten Krisen. Während des Pontifikats von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. kam ans Licht, dass sich massenhaft Geistliche an Kindern vergangen hatten und von Oberen gedeckt wurden. Franziskus stand nun stark unter Druck, seinen Worten von einer «Null Toleranz»-Politik auch Taten folgen zu lassen.

Das nun veröffentlichte sogenannte Motu proprio ist eine Folge des Anti-Missbrauchsgipfels, zu dem der Papst Ende Februar die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen in den Vatikan geladen hatte. Danach war kritisiert worden, dass der Pontifex keine umfassenden Schritte im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern unternommen hatte. Zuletzt stellte Franziskus einzig für den kleinen Vatikanstaat – in dem kaum Kinder leben – entsprechende Regeln auf. (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • In vino veritas 09.05.2019 20:33
    Highlight Highlight Als Pädophiler würde ich mich um eine Karriere in der Kirche bemühen. Der Arbeitgeber schützt einen und für Frischfleisch frei Haus ist auch gesorgt...

    Gohts no? Warum lässt der Staat das zu? In jedem Rechtsstaat würde die Kirche sämtliche Privilegien verlieren und sanktioniert sanktioniert werden, bis die Kirche kooperiert. Aber Kinder scheinen grundsätzlich fast nichts wert zu sein. Das gleiche Muster lässt sich auch im Sekten erkennen (Zufall?).
  • tychi 09.05.2019 16:10
    Highlight Highlight "Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist allerdings nicht vorgesehen."

    Solange die röm.-kath. Religionsgemeinschaft nicht grundsätzlich und vollständig zur Zusammenarbeit staatlichen Strafverfolgungsbehörden bereit ist, wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern - und weiter unschuldige Kinder missbraucht.
  • Bart-Olomäus 09.05.2019 13:41
    Highlight Highlight "Fun Fact"

    Der Vatikanstaat hat in Europa das niedrigste Schutzalter für Kinder... Es liegt bei 12 Jahren !


    Aber die Meldepflicht ist sicherlich schon-mal ein richtiger Schritt !
    • Ueli der Knecht 09.05.2019 14:41
      Highlight Highlight Weder "Fun", und auch kein "Fact", sondern nur einfach Fake-News, Jute-statt-Plastik-Tagträumer:

      Seit Juli 2013 ist im Vatikan das Schutzalter bei 18 Jahren. Das ist höher als in der Schweiz oder den meisten Nachbarländern (zwischen 14 und 16 Jahren).
      http://www.vaticanstate.va/content/dam/vaticanstate/documenti/leggi-e-decreti/Normative-Penali-e-Amministrative/Law%20N.%20VIII%20-%20Supplementary%20Norms%20on%20Criminal%20Law.pdf

      Solange die Anzeige nicht an die Strafverfolgungsbehörden (sondern an Insidern) erfolgt, ist auch "Meldepflicht" nur ein Euphemismus und irreführender Begriff.
    • Bart-Olomäus 09.05.2019 17:04
      Highlight Highlight Deshlab habe ich es auch in die " " gesetzt (ein Ironischer Fun Fact)
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 09.05.2019 20:08
      Highlight Highlight Ich mach mich auch öfters über diese Tatsache lustig, obwohl sie eigentlich zum heulen wäre.
      Ich verzichte an dieser Stelle auf den zynischen Witz, der mir auf der Zunge liegt.
      Ein bisschen Aktionismus und ein wenig Augenwischerei, und schon fühlt sich der Klerus wieder sicher.
      Hat jemand Lust, mit mir zusammen die Kirche wegen Betrugs zu verklagen? Bekannterweise war ja die konstantinische Schenkung eine Erfindung, und der Vatikan somit erschlichenes Eigentum.
      *Zynismus off*
  • Ueli der Knecht 09.05.2019 13:37
    Highlight Highlight "Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist allerdings nicht vorgesehen."

    Nur staatliche Stellen, sprich die Strafverfolgungsbehörden, sind legitimiert und befähigt, solche Vorfälle zu untersuchen. Bei internen Untersuchungen besteht sowieso ein Interessenskonflikt.

    Professionell geht anders. Diese Alibiübung dient wiedermal nur der Vertuschung.

Papst ernennt erstmals Afroamerikaner zum Erzbischof von Washington

Papst Franziskus hat den Afroamerikaner Wilton Gregory zum neuen Erzbischof von Washington ernannt. Der 71-Jährige folge auf Kardinal Donald Wuerl, der wegen eines Missbrauchsskandals zurückgetreten war, teilte das Erzbistum am Donnerstag mit.

Gregory, bislang Erzbischof von Atlanta, wird der erste Afroamerikaner an der Spitze des einflussreichen Erzbistums mit mehr als 600'000 Katholiken sein.

Gregory gilt als progressiv und steht den Positionen des Papstes nahe. Von 2001 bis 2004 hatte er den …

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