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Papst besucht Türkei und Libanon: Was er damit erreichen will

KEYPIX - epa12537946 A billboard bearing pictures of Pope Leo XIV (R) hangs near a billboard of late Hezbollah leader Hassan Nasrallah next to the airport highway in Beirut, Lebanon, 20 November 2025. ...
Links ein Plakat des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah, daneben Paps Leo XIV.Bild: keystone

Papst besucht Türkei und Libanon: Was er damit erreichen will

Während die Lage im Nahen Osten angespannt bleibt, setzt der Pontifex auf Versöhnung
29.11.2025, 13:2029.11.2025, 13:20
Michael Wrase, dpa / ch media

Erst vor wenigen Tagen bombardierten israelische Kampfflugzeuge im Süden Beiruts ein Wohnhaus. Fünf Menschen, darunter der neue Generalstabschef der Hisbollah, Haytham Ali Tabatabai, wurden dabei getötet. Der Hardliner sei der wichtigste Verbündete der Iraner im Libanon gewesen, sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv. Der erste israelische Angriff auf Beirut seit einem halben Jahr hat die Stimmung im Libanon weiter gedrückt.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Motto des Libanon-Besuchs von Papst Leo XIV., der am Sonntag beginnt, etwas befremdlich: «Der Libanon will Frieden», verkünden Tausende überlebensgrosse Poster mit dem Foto des Heiligen Vaters. Spruchbänder mit Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu Christi wurden sogar in den von der israelischen Luftwaffe zerstörten Hisbollah-Hochburgen im Süden der libanesischen Hauptstadt aufgehängt – dort wirken sie allerdings deplatziert.

Von der Euphorie und Aufbruchstimmung, die vor und während der Besuche von Benedikt XVI. (2012) und Johannes Paul II. (1997) in der Zedernrepublik herrschte, kann heute keine Rede mehr sein. «Jean Paul Two – We love you» hatten damals Zehntausende begeistert skandiert. Die Gäste aus dem Vatikan waren wie Popstars gefeiert worden.

Resignation sei keine Option

Heute leide die Kirche gemeinsam mit dem libanesischen Volk, sagt Bechara Boutros al-Rahi, der vor 13 Jahren von Papst Benedikt zum maronitischen Kardinal ernannt wurde. Trotz der angespannten Lage gebe es mit den jüngsten Waffenstillständen im Libanon und im Gazastreifen einen Funken Hoffnung – auch wenn dieser immer wieder gebrochen werde, fügt der Oberhirte der mit Rom unierten Maroniten an. Resignation sei keine Option.

Während seiner kurzen Reise in den Libanon werde Papst Leo alle Libanesinnen und Libanesen – Christen wie Muslime – an ihre gemeinsame Verantwortung für den Erhalt des Landes erinnern, betont Patriarch al-Rahi. Sein Appell richtet sich insbesondere an die schiitische Hisbollah, die sich weiterhin einer Entwaffnung durch die reguläre libanesische Armee widersetzt. Gespräche darüber werde man erst dann beginnen, wenn die israelische Armee die besetzten Gebiete des Südlibanons verlassen habe, betonen Sprecher der Organisation.

Israel wiederum macht seinen vollständigen Rückzug von einer völligen Entmilitarisierung der Hisbollah abhängig. Leidtragende dieser gegenseitigen Schuldzuweisungen sind die mehr als fünf Millionen Libanesinnen und Libanesen, die sich zunehmend ausgeliefert fühlen. Viele empfinden sich gar als «Geiseln der Israelis und der Hisbollah». So auch der 24-jährige Joseph: «Über Krieg und Frieden wird noch immer in Teheran und Jerusalem entschieden», sagt der libanesische Mathematikstudent verbittert. Trotzdem ist er überzeugt, dass Papst Leo wichtige Akzente setzen wird.

Erster Halt auf der Reise: Türkei

Zuvor reiste der Papst jedoch in die Türkei. An der Ruine einer zerstörten Basilika aus dem vierten Jahrhundert am Ufer des Iznik-Sees betete das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitag gemeinsam mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. in Gedenken an das historische Konzil.

Pope Leo XIV and the Ecumenical Patriarch Bartholomew I, right, lead an Ecumenical prayer service near the archaeological excavations of the ancient Basilica of Saint Neophytos, in Iznik, Turkey, Frid ...
Papst Leo XIV mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. (rechts).Bild: keystone

Das 1'700-jährige Jubiläum ist der Grund, warum Leo für seine erste Auslandsreise die Türkei ausgewählt hat, obwohl dort bei rund 85 Millionen Einwohnern nur etwa 180'000 Christen leben. Die Grundmauern der zerstörten Basilika, an der Leo nun mit Bartholomaios und weiteren christlichen Würdenträgern betete, wurden erst 2014 auf dem Grund des Iznik-Sees entdeckt. Damals lag die Ruine noch zwei Meter unter der Wasseroberfläche und rund 30 Meter vom Ufer entfernt. Wegen der anhaltenden Dürre in der Region liegen die Grundmauern heute frei.

Leo appellierte bei der Feier an eine Annäherung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. «Der Wunsch nach voller Gemeinschaft unter allen, die an Jesus Christus glauben, geht immer mit dem Streben nach Geschwisterlichkeit unter allen Menschen einher.» Es gebe bereits ein «tiefgehendes Band».

Ebenfalls nach Iznik gereist, ist ein etwas ungewöhnlicher Anhänger des Papstes: Der Attentäter, der vor mehr als 40 Jahren in Rom auf Papst Johannes Paul II. schoss. Er hoffe, dass er «mit dem Papst zusammensitzen und zwei, drei Minuten sprechen kann», sagte Mehmet Ali Agca der Nachrichtenagentur DHA.

Am Samstag besucht der Papst die Sultan-Ahmet-Moschee in Istanbul. Nach einer Führung durch das auch als Blaue Moschee bekannte Gotteshaus im Zentrum der Millionenmetropole ist ein stilles Gebet geplant. Begleitet wird das Oberhaupt der katholischen Kirche vom Chef der staatlichen türkischen Religionsbehörde. Am Abend steht eine grosse Messe an, bevor er weiter in den Libanon reist. (aargauerzeitung.ch)

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