International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ANTALYA, TURKEY - NOVEMBER 15:  Russian President, Vladimir Putin, (L) talks with Turkish President Recep Tayyip Erdogan, before leaving the arrival area during the official welcome ceremony on day one of the G20 Turkey Leaders Summit on November 15, 2015 in Antalya, Turkey. World leaders will use the summit to discuss issues including, climate change, the global economy, the refugee crisis and terrorism. The two day summit takes place in the wake of the massive terrorist attack in Paris which killed more than 120 people.  (Photo by Chris McGrath/Getty Images)

Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan am G20-Gipfel in Antalya (15.11.2015).
Bild: Getty Images Europe

Türkei vs. Russland: Putin will neuen Kalten Krieg – kriegt er ihn? 



Über 60 Jahre ist es her, dass ein NATO-Mitglied einen russischen Kampfjet vom Himmel holte. Damals waren es vier aufs Mal und die Welt befand sich in der Anfangszeit des Kalten Kriegs. Seit dem Abschuss einer Su-24 durch eine türkische F-16 an der syrisch-türkischen Grenze geistert das Gespenst einer Neuauflage des Ost-West-Konflikts durch die europäischen Kommentarspalten. Sind die Ängste begründet?

Verbale Eskalation

Keine Seite liess unmittelbar nach dem Vorfall die Absicht erkennen, die angespannte Lage zu beruhigen. Die Türkei berief eine Sondersitzung des westlichen NATO-Militärbündnisses ein, sehr zum Missfallen Wladimir Putins. Die NATO mache sich zum Komplizen des «IS», sagte der russische Präsident. Seinem Amtskollegen Erdogan warf er vor, die türkische Gesellschaft zu islamisieren. Premierminister Medwedew unterstellt der Türkei derweil, mit den Terroristen lukrative Ölgeschäfte zu machen und diese daher zu protegieren.

De-eskalation klingt zwar anders, aber so lange es bei einem verbalen Schlagabtausch zwischen zwei autoritär geführten Staaten bleibt, dürfte der Vorfall keine nachhaltigen Konsequenzen haben. Die Türkei bemüht sich am Tag danach bereits, die Wogen zu glätten: «Wir haben keine Absicht, diesen Vorfall zu eskalieren», sagte Präsident Erdogan in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache in Istanbul. Auch die NATO und namentlich ihre beiden Mitglieder USA und Deutschland mahnen zur Zurückhaltung.

Militärische Eskalation

Einigermassen besorgniserregend ist eine neue Entwicklung, sollte sie sich denn bewahrheiten: Das russische Verteidigungsministerium hat angekündigt, als Reaktion auf den Abschuss Moskaus modernstes Kriegsgerät nach Syrien zu verlegen: Das Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-System S-400 zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen. Wladimir Putin korrigierte später, es handle sich um das ältere, aber ebenfalls sehr effektive S-300-System. Russland wäre damit in der Lage, die Kontrolle über den gesamten syrischen Luftraum zu übernehmen. Jegliche Interventionen aus der Luft müssten mit Russland abgesprochen werden. 

Russischer Kampfjet von der Türkei abgeschossen

Kein Schulterschluss

Die unmittelbarste Konsequenz aus dem Vorfall dürfte ein Rückschlag für die Bemühungen Frankreichs sein, eine internationale Koalitionen gegen den «IS» unter Einschluss Russlands auf die Beine zu stellen. Die Aussichten auf Gelingen waren ohnehin gering. Zu unterschiedlich sind die Ziele der verschiedenen Akteure. Die weltweite Solidarität nach den Terroranschlägen in Paris vermochte dies für einige Tage lang zu verschleiern. Inzwischen ist wieder eiskalt kalkulierte Interessenpolitik angesagt.

Kein Kalter Krieg

«Putins Ziel ist nicht eine Partnerschaft mit dem Westen, sondern eine neue Weltordnung, in der Russland und den USA wieder die Führung zukommt», analysiert der «Tages-Anzeiger». Der wichtIgste Grund, warum das nicht passieren wird, liegt weder in Moskau noch in Ankara, sondern in Washington: Die USA befinden sich auf dem Rückzug aus dem Nahen Osten. Nach den Debakeln im Irak und in Libyen und dem Schwarzen Loch Afghanistan ist die Weltmacht nicht mehr bereit, in den zahlreichen Konflikten in der Region eine aktive Rolle zu übernehmen. Das grosse Wetteifern findet heute auf der anderen Seite der Erdkugel, im pazifischen Raum und mit China, statt.

Präsentieren die USA den Nahen Osten Russland somit praktisch auf dem Serviertablett? Wohl kaum. Washington wird auch weiterhin eingreifen, wenn seine nationalen Interessen unmittelbar tangiert sind, etwa wenn Israel betroffen wäre. Was Russland ausser der Aufrechterhaltung des Assad-Restregimes in Syrien zu erreichen vermag, ist zudem fraglich. Das Debakel in Afghanistan in den 1980er-Jahren zeigte der Supermacht schmerzhaft die Grenzen ihrer militärischen und politischen Gestaltungsmacht auf. Es wird nicht einfacher in Syrien.

Error
Cannot GET /_watsui/filler/
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • achimono 26.11.2015 18:00
    Highlight Highlight Sehr schlechter Artikel. Ich bin enttäuscht von Herrn Ramezani. Wie kann man nur so einseitig schreiben? Wünscht er sich den kalten Krieg zurück? Was soll dieser Titel? Ich denke die Nato ist viel viel kriegswütiger als Russland. Kriegshetze ist keine gute Sache... Recherchiert mal etwas zur Nato-Osterweiterung!!!
  • YesImAMillenial 25.11.2015 18:20
    Highlight Highlight der titel (und eigentlich der ganze "artikel") sind nur noch peinlich. Sorry aber da bin ich mir besseres von dir gewohnt, Kian..
  • Edprob1 25.11.2015 17:57
    Highlight Highlight Was für ein unsachlicher Artikel. Die Türken haben den russischen Jet abgeschlossen. Die Angriffe der russen auf die IS hat wohl den Türken nicht gefallen.
    Den Türken sind die IS lieber als die Kurden.
  • JustierNo1 25.11.2015 17:06
    Highlight Highlight Der Titel ist ja wohl eine absolute Frechheit? Wo will Putin den kalten Krieg zurück? Im Gegenteil, er strebt ja eine Koaliation mit der NATO in Syrien an. Sorry Watson, daneben 20 Minuten für Click-Bait anzuprangern ist sehr hypocrite. Das erste Mal, dass ihr mich wirklich enttäuscht.
    • Lukas Lindt 25.11.2015 18:12
      Highlight Highlight dazu noch kein Wort über die bedeutungsvollen Energie Projekte der beiden Nationen..super recherchiert!
  • RatioRegat 25.11.2015 16:27
    Highlight Highlight Ich stimme den Schlussfolgerungen dieses Artikels nicht zu, auch wenn sie im Ergebnis von anderen geteilt werden (so etwa: https://www.foreignaffairs.com/articles/syria/2015-11-04/not-so-great-game-syria)

    Die Haltung der NATO, nun sei eine Eskalation zu vermeiden, ist vergleichbar mit einer Situation, in welcher A seinem Kontrahenten B ins Gesicht schlägt und danach ausruft: "nun aber bloss keine Eskalation."

    Die Türkei selbst fliegt Angriffe gegen die PKK im Irak und hat sich beim Abschuss eines türkischen Jets, welcher den Syrischen Luftraum verletzte, über den Abschuss beschwert.
    • RatioRegat 25.11.2015 16:43
      Highlight Highlight Im oben genannten foreign affairs-Artikel wird kritisiert, Russland greife nicht nur Daesh an, sondern auch "moderate groups backed by the United States, the Saudi-backed Salafist group Ahrar al-Sham, and al Qaeda’s Jabhat al-Nusra."

      Ahrar al-Sham und Jabhat al-Nusra sind weit davon entfernt moderat zu sein. Der Umstand, dass Saudi Arabien Ahrar al-Sham unterstützt, sollte anlass zur Kritik sein. Doch dies wird einfach hingenommen. Gleich liegt es bei der Türkei, welche die Kurden als grössere Bedrohung betrachtet als Daesh.
    • RatioRegat 25.11.2015 16:55
      Highlight Highlight Putin hat in der Ukraine zweifellos in schwerster Weise gegen das Völkerrecht verstossen und Assad hat zu Beginn des Krieges legitime Demonstrationen gewaltsam beendet und hat den Tod unzähliger Zivilisten zu verantworten.

      Gleichzeitig muss man sich aber eingestehen, dass die Syrienpolitik der USA und ihrer Verbündeten auf ganzer Länge versagt hat. Mangels faktischer Handlungsfähigkeit in Syrien wird nun die Moralkeule geschwungen und Russland wird als Aggressor kritisiert.

    • RatioRegat 25.11.2015 17:01
      Highlight Highlight Der Westen kann aber im Nahen Osten keine moralische Überlegenheit anmelden solange Regimes wie etwa Saudi Arabien oder die Türkei unterstützt werden.

      Beide sind in erheblichem Rahmen für die gegenwärtige Situation mitverantwortlich und der Westen hat viel zu lange auf völlig absurde Partikularinteressen dieser Staaten Rücksicht genommen.

      Während Obama von Washington aus die Djihadisten verurteilte, wurden sie von Saudi Arabien und der Türkei munter unterstützt oder zumindest geduldet.
  • Skianto 25.11.2015 16:13
    Highlight Highlight
    ‪#‎Cameron‬ pledged £178 billion to the ‪#‎US‬-led ‪#‎NATO‬ coalition "efforts" to fight ‪#‎terrorism‬ . ‪#‎PopTheChampagne‬. ‪#‎Forget‬ ‪#‎Austerity‬ ! ‪#‎WarSells‬
    In the meantime, Police in the US killed more people this year than all terrorist attacks in Europe did over a decade. ‪#‎Cheers‬ ! Here goes your tax money.
    ‪#‎Anonymous‬ ‪#‎OpISIS‬
    Benutzer Bild
  • Kookaburra 25.11.2015 16:09
    Highlight Highlight "Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
    • Skianto 25.11.2015 16:16
      Highlight Highlight Schauen Sie im Fratzenbook "Freeman Switzerland".
    • Kookaburra 25.11.2015 18:57
      Highlight Highlight Hoi Skianto. Danke. Habs geguckt. Ich bin nicht so der FB-typ. Und auch nicht so der "gspürsch-mi-typ" sorry.

      Ich benutze das Orwellsche Zitat jeweils als "Statthalter" für eine zensierte Meinung. ;)
    • Skianto 25.11.2015 19:35
      Highlight Highlight Danke fürs Feedback. Es ging ums Thema Freiheit.
      Übrigens ist Orwell längst überholt. Es ist alles noch viel schlimmer. Ich wünsche frohes erwachen...
  • Marmot 25.11.2015 16:03
    Highlight Highlight Der pöse Russ' ist sowieso immer an allem Schuld.
    • vRUS 25.11.2015 19:31
      Highlight Highlight Ja leider. Bei Watson frag ich mich auch von wem sie Gesponsert werden? Die Russen werden einen Kühlen Kopf bewahren. Soll die Türkei nochmal ein Flugzeug abschiessen wird dies böse Enden für das Osmanische Reich und die Terror unterstützer.
    • Philipp Dahm 25.11.2015 20:20
      Highlight Highlight Also in erster Linie arbeiten wir selbstverständlich für den CIA , dann für FSB und SBB, aber psssst! Nicht weitersagen!!!
  • Kookaburra 25.11.2015 15:58
    Highlight Highlight Es ist interessant, wie Watson neuestens immer seine Meinung präventiv hinter einer Publikation einer anderen Meinung ("Analyse des Tagi") versteckt...

    Und wie (immer wenn der Autor ab Level Redaktor ist) die Kommentarfreischaltung plötzlich viel restriktiver wird...
    • thedarkproject 25.11.2015 16:39
      Highlight Highlight Jepp, musste ich auch gerade erfahren. Sobald man den Click-Bait Titel und seine reisserische Aufmachung kritisiert, wird man nicht freigeschaltet. So weit stehts also mit der Toleranz derer, die uns sonst immer Toleranz vorschreiben wollen. Nochmals: Pfui Watson!
    • The Destiny // Team Telegram 25.11.2015 19:11
      Highlight Highlight Eure Kommentare müssen schon ziemlich jenseits von gut und böse sein damit sie nicht freigeschaltet werden...
    • The Destiny // Team Telegram 25.11.2015 20:44
      Highlight Highlight jaja, blitzer verteilen ist einfach...
  • richi_lionheart 25.11.2015 15:43
    Highlight Highlight Ich komm immer nanig über den Titel hinweg...
    uiiuiuii was für ein Artikel!
  • sowhatopinion 25.11.2015 15:43
    Highlight Highlight Wer hat da wen abgeschossen? Statt den IS macht sich die Nato via Mitglied Türkei Russland zum Gegner. Die Türkei hat die Kurden im Visier und die Nato macht mit, um einen Schulterschluss zwischen Russland und Frankreuch bzw. EU zu verhindern. Pokerface Obama hält sich derweil bedeckt. Deeskalation findet nicht statt, weil sie nicht stattfinden darf. Ein schwacher Artikel Watson!
  • asdf 25.11.2015 15:38
    Highlight Highlight ;)
    Benutzer Bild
    • Skianto 25.11.2015 16:00
      Highlight Highlight ...
      Benutzer Bild
  • Fabian_84 25.11.2015 15:33
    Highlight Highlight Den Kalten Krieg gabs, weil eine Seite der anderen die Schuld gab, anstatt gemeinsam Lösungen zu finden. Der Artikel schlägt in die gleiche Kerbe. Was soll bitte der Titel? Wo wird die Behauptung im Artikel aufgenommen?
    Ich sehe durchaus, dass Russland eigene Interessen vertritt. Aber ein Satz wie "Nach den Debakeln im Irak und in Libyen und dem Schwarzen Loch Afghanistan ist die Weltmacht [USA] nicht mehr bereit, in den zahlreichen Konflikten in der Region eine aktive Rolle zu übernehmen" ist völlig unreflektiert. Schliesslich ist die USA für zahlreiche Konflikte mindestens mitverantwortlich
  • Gottlieb Duttweiler 25.11.2015 15:33
    Highlight Highlight Klickgeile Schlagzeile des Autors - völlig an der Thematik wie auch am Inhalt der paar geschriebenen Zeilen vorbei.
  • Skianto 25.11.2015 14:51
    Highlight Highlight Sie verwechseln das. Es ist die NATO die den Krieg will. Schauen sie mal bei Christoph Hörstel vorbei.

Anonymous hackt Sasek-Sekte: Schulungs-Videos zeigen, wie Mitglieder fanatisiert werden

Netzaktivisten haben Dutzende interne Sektenvideos veröffentlicht. Sie zeigen, wie Menschen in Ivo Saseks OCG-Sekte fanatisiert und darauf gedrillt werden, deren Botschaften weiterzuverbreiten.

Das Hacker-Kollektiv Anonymous hat in der Nacht auf Montag über 70 interne Schulungs-Videos der Schweizer Sekte Organische Christus-Generation (OCG) veröffentlicht. Die Videos zeigen beispielsweise Sektenführer Ivo Sasek, wie er in einer Halle Hunderte Mitglieder mit Kriegsrhetorik auf den Kampf gegen «die Elite» und die Medien einschwört. Dabei fallen Sätze wie:

Das Publikum, viele ältere Menschen, aber auch junge Familien mit Kindern, hängt an seinen Lippen, macht Notizen und antwortet auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel