
Der «russischen Paris Hilton» wird in Moskau Verrat vorgeworfen
Eine luxuriöse Reise russischer Influencer nach Courchevel mit Champagner, Luxushotels und einem privaten Konzert von Patricia Kaas hat vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges eine heftige Diskussion in Russland ausgelöst.
Laut «Le Figaro» fand der Aufenthalt ab dem 15. Januar auf Initiative der russischen Bekleidungskette «Rendez-Vous» anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Marke statt. Das Unternehmen lud vier Tage lang Persönlichkeiten aus der Welt der Mode, der Medien und der sozialen Netzwerke ein. Das Programm bestand aus Wintersport, Hubschrauberflügen, Champagnerverkostungen, Fotoshootings und festlichen Abenden, über die online ausführlich berichtet wurde.
Laut «TF1 Info» endete die Veranstaltung mit einer Galaveranstaltung mit rotem Teppich, die von einem privaten Konzert von Patricia Kaas, einer in Russland beliebten französischen Künstlerin. Zu den Gästen zählten unter anderem Models, Influencer, Medienpersönlichkeiten sowie Ksenia Sobchak, eine bekannte Fernsehmoderatorin, die manchmal als «russische Paris Hilton» bezeichnet wird.
Hier ist sie in Courchevel (in Weiss) 👇
Die Schätzungen zu den Kosten der Reise gehen je nach Quelle auseinander. «Le Figaro» spricht unter Berufung auf russische Medien von einer Rechnung in Höhe von etwa 30 Millionen Rubel (etwas mehr als 300'000 Franken). Wie dem auch sei – im Angesicht des Krieges gegen die Ukraine, den Russland nun schon seit vier Jahren führt, löste der zur Schau gestellte Reichtum in den sozialen Netzwerken zahlreiche empörte Reaktionen aus.
Laut «TF1 Info» haben mehrere Soldaten und Militärblogger diese als schamlos empfundene Zurschaustellung angeprangert, einige forderten sogar symbolische Sanktionen gegen die Teilnehmer. Ein Telegram-Kanal, der dafür bekannt ist, russische Propaganda zu verbreiten, forderte, die anwesenden Influencer «in den Gulag» zu schicken, wie auch «Le Figaro» berichtete.
Skandal erreicht die Duma
Die Kontroverse erreichte sogar die Duma (das russische Parlament). Die Reaktion des Abgeordneten Alexander Tolmachev, die von beiden Medien zitiert wurde, war besonders heftig. In einem Interview mit Ria Novosti prangerte er ein «ausuferndes Fest» an und sprach von einem möglichen «Verrat an den Interessen des Landes», wobei er betonte:
Angesichts des Aufschreis äusserte sich die Marke auf Instagram und erklärte laut «Le Figaro» und «TF1 Info», dass die Veranstaltung eine Initiative des lokalen Teams von Courchevel gewesen sei, und verwies auf ihre langjährige internationale Präsenz. In der Mitteilung wurde jedoch kein direkter Bezug zum Krieg in der Ukraine hergestellt. (jah)
