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Sienna Rose: KI-generierte Künstlerin hat Millionen Streams auf Spotify

Video: watson/Elena Maria Müller

Diese Künstlerin hat vier Millionen Streams – und ist komplett KI-generiert

27.01.2026, 12:4427.01.2026, 14:51

Auf Spotify hat sie fast vier Millionen Hörerinnen und Hörer pro Monat, mehrere Songs sind in die Spotify Top 50 gechartet, Sienna Rose und ihre Musik sind populär, reitet sie doch auf der aktuell beliebten Neo-Soul Wave. Sogar Selena Gomez hatte ihren Sound in einem Post verwendet, mittlerweile wurde er aber wieder gelöscht.

Scrollt man mal eben so auf TikTok herum und schaut sich ein Video von Sienna Rose unter vielen anderen an, fällt es vielleicht nicht gleich auf. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar: Sienna Rose und ihre Musik sind nicht echt. Sie sind komplett KI-generiert. Darüber ist man sich mittlerweile ziemlich einig, denn es gibt diverse Hinweise.

Anomalien in Sound und Kleidung

Einerseits verändern sich die Kleider der gezeigten Frau leicht – etwa vom Kleid zu T-Shirt und Shorts und wieder zurück. Die Finger sind unterschiedlich lang, auch ihre Haut und ihre Augen sehen nicht natürlich aus. Der Schriftzug auf dem Shirt macht überhaupt keinen Sinn, ebenso ihre Einrichtung. Zudem findet man keine Infos zu ihrem Hintergrund oder Live-Auftritten, geschweige denn Interviews.

Auf der Ebene der Musik lassen sich ebenfalls Hinweise auf KI finden. Die Musikplattform Deezer hat etliche Songs von Rose als KI-generiert gelabelt, da sie technische Ungereimtheiten aufweisen, die bei KI-Songs typisch sind. Weitere Merkmale von KI-Musik sind: generative und repetitive Songtexte, die Songs wirken oft sehr steril und haben kaum Dynamik in der Art und Weise, wie gesungen wird, und es kann holprige Übergänge oder plötzliche Harmoniewechsel geben. Einige Userinnen und User stören sich daran, andere feiern sie, wieder andere glauben daran, dass Sienna Rose echt ist.

@siennarosely

In which city would yall like to see me perform in?

♬ original sound - siennarosely

Ist das problematisch?

Nun, viele fallen auf den ersten Blick auf Sienna Rose hinein. So gibt es auch Posts von ihr mit der Aufschrift: «Wenn die halbe Welt denkt, du bist fake. Du aber einfach hier bist und deinen Traum lebst.»

Das kann Misstrauen fördern. Zudem bleibt fraglich, wie die verwendete KI trainiert wurde. Oftmals wird nämlich gegen das Urheberrecht von realen Künstlerinnen und Künstlern verstossen.

Und: Plattformen wie Deezer oder Spotify werden quasi durch KI-generierte Songs zugemüllt. Laut Deezer sind täglich 34 Prozent der veröffentlichten Songs KI-generiert. Das sind rund 50'000 Musikstücke. Deshalb kennzeichnet Deezer nun auch KI-generierte Songs.
Die Filterung dieser Songs ist aufwändig, teilweise wird auch das mit Algorithmen gemacht. Problematisch wird es dann, wenn dadurch auch reale Künstlerinnen und Künstler als Spam gekennzeichnet werden. Bandcamp verbannt KI-Musik ganz, um die menschliche Kreativität zu schützen.

Spotify hat im vergangenen Jahr ebenfalls über 75 Millionen KI-Spam-Songs gelöscht. Aber: Spotify profitiert auch indirekt von vielen Streams – egal ob von KI generiert oder nicht – sie erhalten dadurch Tantiemen.

Damit kommt eine weit grössere Debatte auf

KI-Musik wie die von Sienna Rose konkurriert mit der von menschlichen Künstlerinnen und Künstlern, da sie dabei Tantiemen verdienen, ohne die Kosten und den Aufwand, die bei Musikerinnen und Musikern essentiell sind.

Das Aufkommen von Sienna Rose weist auf eine grössere Debatte hin. Einerseits wirft sie Licht darauf, wie Plattformen mit KI-generierten Inhalten ganz grundsätzlich umgehen müssen und ihre Inhalte moderieren müssen, andererseits zeigt sie, dass die Grenzen zwischen menschlicher und künstlicher Musikproduktion weiter verschwimmen und sich die Industrie fragen muss, wie sie mit Transparenz, Authentizität und Fairness umgehen will.

Video: watson/Elena Maria Müller

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