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Wladimir Putin beklagt sich wegen ukrainischer Angriffe

Wladimir Putin beklagt sich wegen ukrainischer Angriffe

Der russische Machthaber lässt die Ukraine seit vier Jahren erbarmungslos bombardieren. Nun beklagte sich Wladimir Putin über Gegenangriffe des Gegners.
29.04.2026, 04:3629.04.2026, 04:36
Christoph Cöln / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der russische Machthaber hat einen seltenen Einblick in die aktuelle Lage in seinem Land erlaubt. Dabei kritisierte Wladimir Putin auch die ukrainischen Angriffe gegen zivile Objekte und wichtige Infrastruktur in Russland, unter anderem gegen Raffinerien. «Immer öfter werden auch mit Drohnen Schläge gegen zivile Infrastruktur geführt», sagte er bei einer Sitzung zu Fragen der Sicherheit bei den bevorstehenden Dumawahlen im Herbst.

«Das jüngste Beispiel sind die Angriffe auf Energieanlagen in Tuapse, die möglicherweise schwerwiegende Folgen für die Umwelt haben könnten.»
Russian President Vladimir Putin speaks at the Kremlin in Moscow, Tuesday, April 28, 2026, during a meeting on providing security for the upcoming Russian Parliamentary elections. (Mikhail Metzel/Sput ...
Findet Drohnenangriffe nur toll, wenn sie von der eigenen Armee ausgeführt werden: der russische Präsident Wladimir Putin.Bild: keystone

Damit räumte der autoritär regierende Präsident indirekt ein, dass die militärische Strategie der Ukrainer durchaus Erfolg hat. Die Ukraine hatte innerhalb der vergangenen zwei Wochen drei schwere Angriffe auf Ölreservoirs in der Schwarzmeerstadt Tuapse gestartet.

Allerdings handelt es sich dabei nicht, wie von Putin behauptet, ausschliesslich um Objekte der zivilen Infrastruktur. Denn die Raffinerien werden auch zur Versorgung des russischen Militärs genutzt – und dienen damit dem Nachschub in Putins völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen das Nachbarland.

Allerdings gibt es vonseiten von Umweltschützern auch durchaus Kritik an den Angriffen. Als nach der jüngsten Attacke in der Nacht zum Dienstag erneut schwere Brände ausbrachen, riefen die Behörden erstmals zur Evakuierung anliegender Strassenzüge auf. Grenzwerte für Benzol, Xylol und Russ in der Luft wurden selbst nach offiziellen Angaben um das Doppelte bis Dreifache überschritten. Als es regnete, schlugen sich die Ölpartikel in der Luft in schwarzen, schmierigen Flecken nieder, die Häuser und Autos verschmutzten – auch Menschen und Tiere litten darunter. Ölprodukte gelangten auch ins Schwarze Meer.

Putin spielt Gefahr herunter

Putin sprach in seiner Rede zwar von «potenziell schweren Folgen» für die Umwelt, dementierte aber, dass es derzeit ernste Gefahren für die Bewohner gebe. Die Behörden hätten alles im Griff, behauptete er nach einer Unterredung mit dem Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew.

Kiew zielt bei seinen Attacken bewusst auf die Ölindustrie, weil Russland mit deren Einnahmen den von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine finanziert. Auch Russland beschiesst seit mehr als vier Jahren systematisch das Hinterland des Nachbarn und setzt dazu Drohnen und Raketen ein. Bei den russischen Attacken kommen in der Ukraine fast täglich Zivilisten zu Tode, Wohnhäuser und für die Bewohner lebenswichtige Infrastruktur werden zerstört.

Erst im zu Ende gegangenen Winter hatte Putins Armee die schwersten Angriffe auf zivile Infrastruktur im Nachbarland geflogen und dabei wichtige Energieanlagen zerstört. Dies führte dazu, dass Hunderttausende Menschen in der Ukraine von Strom- und Gasversorgung abgeschnitten waren. Viele froren bei bis zu Minus 20 Grad über Monate in ihren Wohnungen.

Politologe: Putin soll angeblich nur Erfolgsmeldungen erhalten

Bislang hatte Putin die ukrainischen Drohnenangriffe stets heruntergespielt und behauptet, die Attacken seien vollkommen wirkungslos. Wohl auch deswegen, weil ihm wichtige Informationen zum Kriegsverlauf von seinen Untergebenen vorenthalten werden sollen. «Er trifft sich nicht mehr mit der obersten Militärführung. Diese wurde angewiesen, weiterhin nur solche Berichte vorzulegen, in denen Erfolge [auf dem Schlachtfeld] vermeldet werden. Informationen über ukrainische Erfolge – etwa im Drohnenkrieg – dringen allerdings weiterhin durch die Zensur des Kremls», schreibt der russische Politologe Pawel K. Baew vom Friedensforschungsinstitut in Oslo (PRIO).

Laut Baew leide der russische Autokrat unter einer zunehmenden Entkoppelung von der Wirklichkeit – und zwar nicht nur, was den Kriegsverlauf betrifft. Auch die schwere Wirtschaftskrise, in der Russland bereits steckt, und die sich laut Experten noch verschlimmern könnte, scheinen Putins Berater und Kremlvertrauten vor dem Machthaber verstecken zu wollen. Während einige Ökonomen ihre Zurückhaltung aufgegeben haben und vor einem «epischen Scheitern» der aktuellen Wirtschaftspolitik in Russland warnen, «trauen es sich Putins Untergebene nicht, ihm die Wahrheit zu sagen», so Baew.

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54 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mupfele
29.04.2026 05:11registriert August 2020
Oooch: Vladi tut mir ja so leid! Moment: WER hat den Krieg begonnen? WER hat zuerst zivile Infrastruktur UND Zivilisten angegriffen? Was für ein Heuchler. Dieser Schwerverbrecher muss für seine Verbrechen hart bestraft werden. Die Russen müssen die Ukraine für die angerichteten Schäden in vollem Umfang entschädigen. Hoffen wir, dass dies bald möglich sein wird.
1971
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Jorge de los alpes
29.04.2026 06:29registriert April 2014
Welch ein Hohn: "schwerwiegende Folgen für die Umwelt haben könnten". Als ob ihn Umweltfragen interessieren würden. Hätte er den Krieg nicht begonnen, wäre dieses Problem in weiter Ferne.
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rodolofo
29.04.2026 06:22registriert Februar 2016
Putin der Umweltschützer, wer hätte gedacht, dass der sich auf seine alten Tage hin auch noch in dieser Rolle versuchen würde?
Ich nicht, und ich nehme es ihm auch nicht ab, dass der ausser seinem riesengrossen Ego noch etwas Anderes von Bedeutung sehen sollte auf dieser Welt.
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