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Wladimir Putin wirft den Amerikanern einen «Genozid an den Indianerstämmen» vor.
Wladimir Putin wirft den Amerikanern einen «Genozid an den Indianerstämmen» vor.
Bild: keystone

Biden nennt Putin einen «Killer» – die Reaktion aus Moskau hat es in sich

Moskau reagiert mit Schärfe auf Aussagen des US-Präsidenten. Nun möchte sich Wladimir Putin mit Joe Biden austauschen.
18.03.2021, 21:4019.03.2021, 13:37

Mit seinen scharfen Äusserungen über Kremlchef Wladimir Putin hat US-Präsident Joe Biden breites Entsetzen in Russland ausgelöst, im Ausland aber auch teils Zuspruch erhalten. Biden hatte in einem Interview die Frage bejaht, ob Putin ein «Killer» sei.

Der 68 Jahre alte Putin reagierte am Donnerstag mit einer Anspielung auf das Alter des zehn Jahre älteren US-Kollegen. «Bleiben Sie gesund! Ich wünsche ihm Gesundheit», entgegnete Putin am Donnerstag bei einer Videoschalte auf die Frage, was er von den Äusserungen Bidens halte. Und er holte noch weiter aus, indem er den USA die Tötung von Schwarzen und amerikanischen Ureinwohnern vorwarf.

«Die Vereinigten Staaten sind das einzige Land auf der Erde, das eine Atomwaffe abgeworfen hat.»
Wladimir Putin

Der russische Präsident meinte, dass Biden in den Spiegel schauen solle. Er warf den USA mit Blick auf ihre Geschichte einen «Genozid an den Indianerstämmen» vor und die Vernichtung von Schwarzen. «Die Vereinigten Staaten sind das einzige Land auf der Erde, das eine Atomwaffe abgeworfen hat – noch dazu auf ein Land ohne Kernwaffen: gegen Japan am Ende des Zweiten Weltkrieges, gegen Hiroshima und Nagasaki.» Dafür habe es keinen militärischen Grund gegeben. «Das war die direkte Auslöschung der zivilen Bevölkerung», sagte Putin.

Der Kreml hatte zuvor die Äusserungen Bidens über Putin als «sehr schlimm» bezeichnet. «Natürlich hat es so etwas in der Geschichte noch nicht gegeben», meinte Putins Sprecher Dmitri Peskow.

«Ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.»
Joe Biden zu Wladimir Putin.

Biden hatte in dem Interview mit dem Sender ABC auf Nachfrage auch erzählt, er habe Putin bei einem Treffen in der Vergangenheit mal offen gesagt, er halte ihn für seelenlos. «Ich war allein mit ihm in seinem Büro.» Er habe Putin in die Augen geschaut und gesagt: «Ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.» Putin habe ihn angeschaut und geantwortet: «Wir verstehen uns.»

Biden sagte mit Blick auf seine lange Vergangenheit als US-Vizepräsident und Senator, er habe in seiner Karriere mit vielen ausländischen Regierungschefs zu tun gehabt. Es sei wichtig, den anderen zu kennen. Und er kenne Putin ziemlich gut.

Zu Putins Konter auf das Interview äusserte sich das Weisse Haus nur knapp – ohne die verbale Auseinandersetzung weiterzudrehen. Bidens Sprecherin Jen Psaki sagte zu Putins Vorwürfen mit Blick auf die US-Geschichte, Biden sei der Ansicht, dass «ehrliche Selbstreflexion» zu den grossen Stärken der USA gehöre. Es gebe immer Weiteres zu tun und zu verbessern im eigenen Land.

Psaki betonte generell, die Meinungen von Putin und Biden gingen in vielem auseinander. Man sei sich aber einig in dem Bestreben, dass beide Länder in Feldern gemeinsamer Interessen zusammenarbeiten sollten. Diplomatie stehe für die USA an erster Stelle. Der US-Präsident werde sich bei Bedenken über bestimmte Themen aber nicht zurückhalten, «sei es mit Worten oder Taten». Auf die Frage, ob Biden seine «Killer»-Aussage bereue, sagte Psaki: «Nein. Der Präsident hat eine klare Antwort auf eine klare Frage gegeben.»

Rückhalt für Biden kam von der EU, die Putin die politische Verantwortung für Mordanschläge in Russland gab. «Es gibt leider eine lange Liste gescheiterter und erfolgreicher Mordanschläge gegen kritische und unabhängige Persönlichkeiten in Russland, darunter Politiker und Journalisten», sagte die Sprecherin des EU-Aussenbeauftragten Josep Borrell. «Sie wissen, dass Wladimir Putin als Präsident der Russischen Föderation letztlich Verantwortung für die russischen Behörden, Politik und Handlungen trägt.» Viele Fälle würden nicht untersucht, blieben ungelöst, die Täter würden nicht zur Rechenschaft gezogen. In zwei Fällen habe die EU Sanktionen verhängt.

Putin schlägt Biden Gespräch vor

Putin sagte, dass Russland zur Zusammenarbeit mit den USA bereit sei – allerdings gemäss seiner eigenen Interessen und zu seinen Bedingungen. Der Kremlchef schlug Biden ausserdem ein Gespräch in den nächsten Tagen vor – «aber unter der Bedingung, dass wir das faktisch live machen, wie man so sagt online». Am Wochenende wolle er «in die Taiga fahren, um ein bisschen zu entspannen», sagte Putin im Staatsfernsehen. Am Freitag oder Montag hätte er aber Zeit.

Der Kreml machte zugleich deutlich, dass die russisch-amerikanischen Beziehungen «sehr schlecht» seien. Biden habe nun gezeigt, dass er kein Interesse habe, das Verhältnis zu verbessern.

Das russische Aussenministerium beorderte seinen Botschafter Anatoli Antonow nach Moskau zurück aus Protest gegen Bidens Äusserungen. Bei Konsultationen mit Antonow in Moskau solle nun der Zustand der Beziehungen mit den USA analysiert werden, hiess es. Der prominente Aussenpolitiker Konstantin Kossatschow bezeichnete Bidens Aussagen als völlig unzulässig. Der Vizechef des russischen Föderationsrats verlangte eine Entschuldigung und drohte weitere Schritte an, sollte diese ausbleiben. Der vorläufige Abzug des russischen Botschafters aus Washington sei bereits ein sehr ernster diplomatischer Vorgang.

Nach Ansicht der US-Geheimdienste hat sich Russland bei der Wahl im November für den damaligen Präsidenten Donald Trump eingesetzt und sich bemüht, Biden zu schaden. Der Kreml wies das zurück. Die Ablehnung gegen Biden in Moskau gilt als gross – vor allem wegen dessen Kritik an der Menschenrechtslage in Russland und wegen drohender schärferer US-Sanktionen. Biden hatte neue Strafmassnahmen gegen Russland angekündigt. (sda/dpa)

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