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Diesmal war es kein Fenstersturz: Putins Abhörspezialist tot aufgefunden

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Ein russischer Geschäftsmann, der für den Kreml Abhörsoftware lieferte, ist tot aufgefunden worden. Bild: Putin telefoniert.Bild: keystone

Diesmal soll es ein Herzstillstand gewesen sein: Putins Abhörspezialist tot aufgefunden

Ein russischer Geschäftsmann, der für den Kreml Abhörsoftware lieferte, ist tot aufgefunden worden. Angeblich habe er einen Herzstillstand erlitten.
23.07.2023, 08:0823.07.2023, 08:14
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Ein Artikel von
t-online

Der russische IT-Multimillionär und Putins Mann für Abhörtechnologie, Anton Tscherepennikow, ist tot. Er soll laut russischen Medienberichten an einem Herzstillstand gestorben sein. Allerdings gibt es offene Fragen zum Tod des Mannes, der für den Kremlherrscher der oberste Abhörspezialist gewesen sein soll. Ein Freund, so berichtet die britische «Sun», habe Zweifel an den Darstellungen angemeldet. So sei die Todesursache bereits vermeldet worden, bevor eine Obduktion durchgeführt worden sei.

Der 40-Jährige war den Berichten nach offenbar am Freitag in seinem Büro in Moskau leblos aufgefunden worden. Tscherepennikow war Gründer der ICS Holding, zu der mehrere IT-Firmen gehörten. Diese sollen nach Medienberichten grosse Teile des russischen Datenverkehrs im Internet überwacht haben. Seine Firma Citadel soll mehrere Abhörspezialisten beschäftigt haben. Die Firma des IT-Oligarchen war offenbar auch massgeblich für die Überwachung des «Yarovaya»-Gesetzes zuständig.

Abhör-Software in russischen Telekomfirmen installiert

Dieses verpflichtet russische Telekom-Unternehmen, Audioaufnahmen, Videos und Textdateien ihrer Kunden sechs Monate aufzubewahren, die sogenannten Metadaten sogar drei Jahre lang. Tscherepennikow lieferte nach Angaben des russischen Telgramkanals Baza ausserdem eine Software, die von den Unternehmen installiert werden musste. Mit den sogenannten SORM-Programmen konnten Behörden, vor allem auch der Geheimdienst FSB, jederzeit auf deren Daten zugreifen – sogar ohne Wissen der Firma. Das Unternehmen des Entrepreneurs soll damit Millionenprofite gemacht haben.

Tscherepennikow hat sich schon als Jugendlicher für Computer interessiert, wandte sich dann vorwiegend eSports zu. Hier war er mit seinem Partner Alexej Kolesnikow, einem der besten eSportler in Russland, einige Zeit lang erfolgreich. Dann aber richtete sich sein Augenmerk auf den Bereich Netzüberwachung, schreibt die unabhängige russische Nachrichtenwebseite Meduza. Nach deren Bericht soll auch der russische Oligarch Alischer Usmanow in eine seiner Firmen investiert haben.

US verhängten Sanktionen gegen Tscherepennikow

Tscherepennikow wurde im Februar vom US-Finanzministerium mit Sanktionen belegt, weil er «der wirtschaftliche Eigentümer und Leiter von Citadel» war. Das Unternehmen habe laut US-Behörden eine Software entwickelt, die darauf abziele, «finanzielle und persönliche Informationen aus Computernetzwerken zu stehlen». Berichten zufolge wurde die ICS Holding auch mit russischen Sicherheitsdiensten in Verbindung gebracht.

Der Tod des Unternehmers steht in einer Reihe mehrerer Todesfälle russischer Oligarchen, Geschäftsleute, Generäle und Offizielle in den vergangenen zwei Jahren. Die britische «Sun» zählte in einem Artikel 40 prominente russische Personen auf, die zum Teil unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen seien.

So sei der Politiker Pavel Antow im vergangenen Dezember tot aufgefunden worden, nachdem er sich gegen den Ukraine-Krieg ausgesprochen hatte. Der russische Vizeminister für Wissenschaft, Pjotr Kutscherenko, der als Putin-Gegner galt, starb im Mai kurz nach seiner Rückkehr aus Kuba. Vor wenigen Tagen wurde der 64-jährige Gründer eines russischen Essenlieferservice, Igor Kudryakow, tot aufgefunden – nach offiziellen Angaben sei er einem Krebsleiden erlegen.

(t-online, wan)

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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P. Meier
23.07.2023 08:37registriert März 2017
Jedes Mal, wenn jemand stirbt, kommt es zu Herzstillstand. Interessant ist, was vorher passiert ist.
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Ihre Dudeigkeit
23.07.2023 08:33registriert März 2014
Der Putin hat ja ein Verschleiss an Helferlein. Sahenhaft - und alle so kompliziert loswerden. Was ist nur aus dem guten alten Wanderausflug geworden?? Einfach mal ein Fehltritt in den Bergen ;)
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DasWölfchen
23.07.2023 08:18registriert April 2023
Die Häufigkeit macht alles suspekt. Darum rückte man vom Giftmord ab zum Fenstersturz. Und jetzt halt zu einer neuen Methode…
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