DE | FR
International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Logos der Eidgenoessischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) sind auf Broschueren zu sehen an einer Medienkonferenz zum Jahresbericht 2014 in Bern am Dienstag, 31. Maerz 2015. Die Eidgenoessische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat 2014 die Durchsetzung der Regeln und ihre Massnahmen gegen die Verantwortlichen stark ins Rampenlicht gestellt. Sie informierte die Oeffentlichkeit regelmaessig und sieht dadurch praeventive Wirkungen, wie sie am Dienstag zu ihrem Jahresbericht mitteilte. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Bild: KEYSTONE

«Geldwäscherei ist kein Kavaliersdelikt»: FINMA kontaktiert Banken wegen Offshore-Firmen



Die Finanzmarktaufsicht FINMA ist nach den Enthüllungen rund um Briefkastenfirmen in Panama bei mehreren Schweizer Banken vorstellig geworden. Falls Regeln verletzt worden sind, will die Aufsichtsbehörde laut ihrem Präsidenten Thomas Bauer «konsequent handeln».

Wie viele und welche Banken betroffen sind, will Bauer im Interview mit der «NZZ am Sonntag» nicht präzisieren. Generell fordere die FINMA bei Hinweisen auf Fehlverhalten ein Institut auf, den Sachstand und eine Einschätzung zu melden, sagte er. «Dann klären wir ab, ob es angezeigt ist, allenfalls ein Verfahren zu eröffnen.»

Die FINMA wolle wissen, welche Banken mit der betroffenen Kanzlei in Panama zusammengearbeitet und allenfalls Schweizer Gesetze verletzt haben. «Wenn das der Fall sein sollte, werden wir konsequent handeln.» Dass die Schweiz von der Affäre um die sogenannten Panama Papers auch betroffen ist, hält Bauer angesichts der wichtigen Rolle des Finanzplatzes in der Vermögensverwaltung für logisch.

Überall vergleichbare Standards

Darauf angesprochen, dass einige Schweizer Banken nach der Verschärfung der inländischen Regeln offenbar vermehrt auf Steueroasen ausweichen, sagte Bauer: «Das Ziel müsste sein, dass am Ende in allen Ländern vergleichbare Standards gelten.» Heute sei die Schweiz in der Vorhut. Doch zur Durchsetzung vergleichbarer Regeln sei die Hilfe internationaler Organisationen nötig.

Swiss Financial Market Supervisory Authority FINMA Chairman Thomas Bauer talks to the media during a news conference in Bern, Switzerland April 7, 2016. REUTERS/Ruben Sprich

Thomas Bauer.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Bauer, der seit Anfang Jahr FINMA-Präsident ist, räumte weiter ein, dass nicht alle Banken die Vorschriften gegen bei Geldwäscherei gleich gut einhalten. «Bei manchen Banken ist die Botschaft noch nicht angekommen, dass es sich bei Geldwäscherei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt.» Sie schadeten damit dem ganzen Finanzplatz.

FINMA-Direktor Mark Branson hatte die Schweizer Banken in der vergangenen Woche ebenfalls zu mehr Einsatz gegen Geldwäscherei aufgefordert. Er geht indes davon aus, dass wegen der sogenannten Panama Papers in nächster Zeit mehr Meldungen zu Geldern aus verdächtigen Quellen eingehen könnten.

Aufsicht der Anwälte sicherstellen

Verfahren wegen der Panama Papers hat bereits die Genfer Staatsanwaltschaft am Mittwoch aufgenommen. Details nannte Generalstaatsanwalt Olivier Jornod bei der Ankündigung jedoch nicht.

Die Bundesanwaltschaft hatte ihrerseits am Mittwoch eine Hausdurchsuchung beim europäischen Fussballverband UEFA in Nyon VD durchgeführt. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte Bundesanwalt Michael Lauber, die Behörde habe schon vor den Enthüllungen Informationen zu TV-Verträgen der UEFA gehabt. «Was wir dann aus den Panama-Papieren erfahren haben, reichte, um zu sagen: So, jetzt haben wir genug, um bei der UEFA Dokumente zu holen.»

Ins Gebet nahm Lauber zudem die Anwälte. Sie würden immer wichtiger im internationalen Geschäftsverkehr. Deshalb müsse auch die Aufsicht über sie, die sie in der Schweiz selbst organisieren, funktionieren, sagte er. Sie müssten Hinweisen auf eine lasche Aufsicht nachgehen. Wenn sie nicht selber für hohe Qualität und gute Kontrollen sorgten, könnte dies zu einer staatlichen Aufsicht und härteren Regeln führen. (sda)

Panama Papers

«In unseren Investigativraum kam nicht mal die Putzfrau rein» – Datenjournalistin Vanessa Wormer über die Panama Papers

Link zum Artikel

So also sieht eine Briefkastenfirma in Panama aus

Link zum Artikel

Offshore-Insider Elmer zu Gast bei Schawinski: 7 Erkenntnisse aus der gestrigen Panama-Talkshow

Link zum Artikel

Warum gerade Panama? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Datenleck

Link zum Artikel

Panama Papers für Dummies: Offshore-Banking ist wie ein 5-Jähriger, der sein Sparschwein vor seiner Mami versteckt

Link zum Artikel

Die Professorin, die Putin schon vor zwei Jahren entlarvte

Link zum Artikel

Panama Papers: Das grösste Datenleck aller Zeiten enthüllt die Geheimnisse schmutzigen Geldes

Link zum Artikel

Deshalb sind die Panama Papers so wichtig: Video zeigt Opfer des Offshore-Business

Link zum Artikel

«Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen»: Riesiges Leak zu Briefkastenfirmen auf Panama

Link zum Artikel

Panama Papers: Und was hat das mit der Schweiz zu tun?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Über 6500 Menschen starben bei Bauarbeiten zur WM 2022 in Katar

Atemberaubende Stadien, neue Strassen und Flughäfen, teure Hotels: Für die WM 2022 in Katar wird viel gebaut. Doch die Lebensumstände für die Gastarbeiter sind unwürdig. Die Zahl der Toten ist schockierend hoch.

Mehr als 6500 Gastarbeiter sind im Rahmen der Vorbereitungen für die WM 2022 in Katar von 2010 bis 2020 gestorben. Das meldet der «Guardian» nach Berechnungen verschiedener Daten. Unter anderem verzeichnet allein die pakistanische Botschaft in Katar 824 Tote Gastarbeiter aus ihrem Land in diesem Zeitraum.

Vor allem in den engen Wohnräumen mangelt es an Hygiene, Sauberkeit und Sicherheit. Acht Personen auf wenigen Quadratmetern sind in Katar Alltag. Die Lebensbedingungen sind unwürdig. Immer …

Artikel lesen
Link zum Artikel