Wer in der Schweiz auf sein Auto angewiesen ist, der muss derzeit tief in die Tasche greifen. Die Spritpreise stiegen in den letzten Wochen teilweise um fast 40 Rappen pro Liter. Grund dafür ist der Krieg in der Ukraine. Die Rohölpreise kletterten von rund 95 Dollar pro Fass (Sorte Brent) auf zeitweise 123 Dollar. In der letzten Woche sank der Preis allerdings fast wieder auf Vorkriegsniveau – momentan liegt er bei ungefähr 100 Dollar.
Auch die Spritpreise an den Tankstellen sinken langsam aber sicher wieder. Kostete der Liter Diesel am 10. März im Schnitt 2.27 Franken, sind es am 16. März noch 2.17 Franken.
Steigt der Rohölpreis in den nächsten Tagen oder Wochen nicht wieder an, so sollten die Spritpreise an der Zapfsäule weiter sinken. Das sagt auch Ueli Bamert, Kommunikationsverantwortlicher des Schweizer Erdölverbandes «Avenergy Suisse», gegenüber watson.
Vergleicht man die Schweiz mit anderen Ländern in Europa, so war der Preisanstieg hierzulande zudem nicht so frappant. In Deutschland stieg der Dieselpreis um bis zu 64 Cent pro Liter, von 1.67 Euro auf 2.31 Euro. Dieser Anstieg sorgte nicht nur bei passionierten Autofahrenden für Kritik.
Wie die deutsche «taz» vorrechnete, kostete der Liter Diesel unter Einbezug aller preistreibenden Variablen wie den Rohölpreisen und höheren Steuern bis zu 34 Cent mehr pro Liter. Bei den Tankstellen, die vielerorts unter starkem Konkurrenzdruck stehen, dürfte von den zusätzlichen Gewinnen nicht viel hängen bleiben; die Pächter beziehen in der Regel eine feste Provision pro verkauftem Liter. Als wichtigster Profiteur benennt die «taz» deswegen die Raffinerien, in denen das Rohöl zu Benzin und Diesel veredelt wird.
Gegenüber der Zeitung bestätigte dies auch der deutsche Mineralölwirtschaftsverband: «Die Raffinerien verdienen derzeit deutlich mehr Geld als vorher», sagte Verbandssprecher Alexander von Gersdorff der «taz». Das sei jedoch nicht problematisch, denn «nach zwei schweren Jahren durch die Coronapandemie verdienen die Raffinerien jetzt endlich wieder Geld».
Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Robert Habeck, ist derweil weniger erfreut über die Gewinne der Mineralölkonzerne. Er sprach bei einer Medienkonferenz von «Kriegsgewinnen». Habeck forderte deswegen die Prüfung höherer Steuern auf die Gewinne der Konzerne, um eine gewisse Umverteilung herbeizuführen.
Beim Benzin- und Dieselpreis sind es also die Raffinerien, die überwiegend europäischen Mineralölkonzernen gehören, die die "Übergewinne" bzw. "Kriegsgewinne" kassieren, von den Robert Habeck letzte Woche im Zusammenhang mit den hohen Energiepreisen sprach. (Video: ntv) (9/10) pic.twitter.com/FJFU24eIyY
— Malte Kreutzfeldt (@MKreutzfeldt) March 14, 2022
Die grossen Mineralölkonzerne stehen in Deutschland bereits seit Jahren im Verdacht, Preisabsprachen zu tätigen. Im Jahr 2012 wurde vom deutschen Kartellamt ein Verfahren gegen fünf grosse Mineralölkonzerne wegen zu hoher Benzinpreise eingeleitet.
Auch in der Schweiz kursieren immer wieder Vorwürfe, wonach die Preise abgesprochen werden. Ueli Bamert von «Avenergy Suisse» verneint dies jedoch. «Die Schweizer Benzinpreise orientieren sich am Markt, sie werden nicht künstlich hochgehalten», sagt er auf Anfrage von watson.
Gemäss Daten von «benzin-preis.ch» erhöhten sich die Margen in der Schweiz denn auch nur unwesentlich. Nachdem sie beim Diesel bis zum 8. März auf fast null geschrumpft waren, erhöhte sie sich bis zum 16. März auf rund 40 Rappen. Das ist nicht wesentlich höher als der Schnitt der letzten Jahre.