Stadt Zürich gibt Benin-Raubkunst an Nigeria zurück
Im Februar 1897 fielen rund 1200 Soldaten des Britischen Empires in die Stadt Benin an der Westküste Afrikas ein und brannten sie nieder. Dabei plünderten sie tausende Skulpturen, Gedenktafeln und Elfenbeinschnitzereien aus dem ehemaligen Königreich, welches sich heute zum grössten Teil auf nigerianischem Boden befindet. Die Kunstwerke, welche in der Folge als Benin-Bronzen bekannt wurden, gelangten durch die Hände der Kolonialherren in Museen und Sammlungen weltweit, wo sie heute noch ausgestellt sind, auch in der Schweiz.
«Anerkennung historischer Ungerechtigkeit»
Der Zürcher Stadtrat hat sich nun dazu entschieden, auf Gesuch der National Commission for Museums and Monuments (NCMM) im Auftrag der nigerianischen Regierung einen Teil der Kunstwerke aus Benin zurückzugeben. Die Stadtpräsidentin Corine Mauch sagt dazu in einer Medienmitteilung: «Wir sind überzeugt, dass ein gerechter Umgang mit Kulturgütern auch bedeutet, historische Ungerechtigkeiten anzuerkennen und aktiv zu korrigieren.»
Der Direktor des NCMM Olugbile Holloway spricht von einem Entscheid, der dazu beitrage, bestimmte Aspekte der eigenen kolonialen Vergangenheit zu heilen. Die Restitution der Kulturgüter erfolgt nach einer langjährigen Untersuchung der 2021 gegründeten Benin Initiative Schweiz (BIS). Die Forschenden des BIS kamen zum Ergebnis, dass elf der sechzehn Objekte in den Beständen des Museums Rietberg gesichert, beziehungsweise mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus den Plünderungen stammen und damit restitutionswürdig sind.
Weitere Schweizer Museen beteiligen sich an Restitution
Zeitgleich mit dem Museum Rietberg vermelden auch das Völkerkundemuseum der Universität Zürich sowie das Musée d'ethnographie de Genève ihre Bereitschaft, Objekte aus Benin an die Bundesrepublik Nigeria und die Nachkommen des Königtums Benin zurückzugeben. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben die Direktorinnen der drei Museen, es bestünde kein Zweifel daran, dass eine Reihe der Objekte im Zuge des britischen Angriffs in ihre Museen gelangten. Die Rückgabe dieser Kunstwerke nannten sie einen notwendigen Schritt der historischen Aufarbeitung und ein Zeichen des Respekts.
Die als Benin-Bronze bekannten Kulturgüter sind für die Geschichte Nigerias und die Nachkommen des Königreichs von grosser kultureller Bedeutung, wie der ehemalige Direktor des NCMM in einem früheren Interview mit swissinfo.ch erläuterte: «Die Bronzen wurden benutzt, um die Geschichte des Königreichs zu dokumentieren. In Europa werden die Bronzen oft als blosse Kunstwerke ausgestellt, dabei hatten sie klare rituelle Funktionen.»
Leihgaben als Zeugen der Geschichte
Einige der Werke, deren Eigentum nun an die Bundesrepublik Nigeria zurückübertragen werden, sollen dem Museum Rietberg jedoch erhalten bleiben. In Abstimmung mit dem Königshof von Benin sowie dem NCMM werden diese als Leihgabe im Zürcher Museum verbleiben. Der ehemalige Direktor des NCMM befürwortete bereits 2023 diese Praxis: «Einige unserer Kunstwerke sollen weiterhin in Ausstellungen zu sehen sein, auch damit die Museen von der Plünderung und der Rückgabe erzählen können. Das muss Teil der Geschichte dieser Objekte werden.» (jul)
