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Trump wegen Iran-Krieg unter Druck: Es droht ein Ölpreis von 200 Dollar

Analyse

Trump unter Druck: Es droht ein Ölpreis von 200 Dollar

Wenn Trump sich im Iran verrennt, kommt es zur Nachfragezerstörung und dafür braucht es sehr hohe Ölpreise.
17.03.2026, 21:3217.03.2026, 22:50
Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel

«Machen Sie sich darauf gefasst, dass der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel steigen wird», sagt ein Sprecher des Irans. Es war eine Drohung an die Adresse von Donald Trump. Aber leider keine leere.

President Donald Trump gesture to the media as he walks on the South Lawn upon his arrival to the White House, Sunday, March 15, 2026, in Washington. (AP Photo/Jose Luis Magana)
Donald Trump
Ein müder Trump ohne orange Farbe im Gesicht: Hat er sich im Iran übernommen?Bild: keystone

Mehrere Experten haben sich angeschaut, was Trump mit seinem Iran-Krieg angerichtet hat im globalen Ölmarkt. Und sie gelangen zu einem ähnlichen Urteil wie Olivier Blanchard, früher Chefökonom des Internationalen Währungsfonds: «All das lässt mich auf Preise von 150 bis 200 Dollar pro Barrel schliessen – oder mehr, aber ich zögere, höhere Zahlen zu nennen.»

Blanchard hat auf den sozialen Medien dargelegt, wie er zu diesem 200-Dollar-Szenario gekommen ist.

Alles hängt von der Strasse von Hormus ab. In normalen Zeiten passieren dort täglich 20 Millionen Fass Erdöl. Mit dem Kriegsbeginn hat der Iran jedoch getan, wovor alle Experten für den Kriegsfall gewarnt hatten und worauf sich die Trump-Regierung dennoch nicht vorbereitet hat: Die Strasse nahezu gänzlich stillgelegt.

Damit fallen ungefähr 20 Prozent des globalen Erdölangebots weg. Und dies mehr oder weniger von einem Tag auf den nächsten. Die Internationale Energieagentur spricht deshalb vom «grössten Schock in der Geschichte des globalen Ölmarktes». Das ist die Ausgangslage.

Trump versucht nun, die Strasse wieder freizubekommen. Wenn Ökonom Blanchard jedoch liest, was Militärexperten dazu meinen, fällt deren Fazit ernüchternd aus: «Es ist praktisch unmöglich, Schiffe in der Strasse von Hormus vollständig zu schützen. Es bleibt nicht genug Zeit, um Raketen oder Drohnen abzufangen.»

Die Strasse ist sehr eng, von der iranischen Küste aus mit Drohnen spielend leicht überall erreichbar. Mit den Drohnen ist die Welt ohnehin in eine neue Ära eingetreten, sagt der Militärhistoriker Philips O’Brien in einem Interview. «Es ist heute unmöglich, die Luftwaffe des Gegners vollkommen auszuschalten.»

So kommt Trump also nicht zum Ziel. Stattdessen könnte er versuchen, den Krieg zu beenden. Er würde mit irgendeiner dünnen Begründung seinen Sieg erklären und irgendwo sonst auf der Welt den nächsten Angriff starten. Laut dem US-Senator Lindsey Graham wird das in Kuba sein.

Trump-Regierung agiert stümperhaft im Krieg

Doch dieser Ausweg steht ihm dieses Mal nicht offen. Der Iran kann weiterhin drohen, die Strasse durchquerende Schiffe zu attackieren. Trump müsste dem Regime eine glaubwürdige Zusicherung geben, dass er es nicht in ein paar Monaten erneut bombardiert. Das käme einem Kniefall gleich.

Aus all dem folgert Blanchard: «Die Gefahr wird gross bleiben, dass die meisten Schiffe das Risiko nicht werden eingehen wollen.» Die 20 Millionen Fass Erdöl werden wohl noch lange fehlen.

Für einen langen Unterbruch spricht auch, dass Trump verzweifelt und überfordert wirkt.

Schon in den Verhandlungen waren seine beiden Vertreter – beide Immobilienentwickler – laut Experten fachlich nicht auf der Höhe und liessen sich nicht von Experten aus der Administration unterstützen. Jared Kushner warb zeitgleich im Nahen Osten um Geld für seine private Firma.

Vor dem Krieg hat es Trump verpasst, sich auf die in aller Welt bekannten iranischen Drohnen vorzubereiten und musste danach die Ukraine um Hilfe bitten. Zu Kriegsbeginn hat die US-Luftwaffe im Iran versehentlich eine Mädchenschule beschossen und damit eines der grössten Kriegsverbrechen der US-Geschichte begangen.

Die Luftwaffe hat drei teure Flieger verloren durch einen Beschuss des befreundeten Kuwaits. Dem Militärhistoriker O’Brien ist kein teurerer Fall eines solchen Friendly Fire bekannt. Ein US-Einsatzzentrum in Kuwait wurde nicht vor einem iranischen Gegenschlag geschützt, was zum Tod von 6 US-Soldaten und zu Dutzenden Verletzten geführt hat.

Trump ist in diesen Krieg gezogen, ohne die traditionellen Verbündeten der USA überhaupt zu informieren. Jetzt droht er ihnen mit dem Ende des gemeinsamen Verteidigungsbündnisses NATO, wenn sie ihm nicht helfen. Und Trump hat die eigene Regierung globalem Spott preisgegeben, indem er allen seinen Ministern neue Schuhe geschenkt hat, aber deren Grösse nicht kennt.

Aussenminister Marco Rubio wagt nicht, die Schuhe nicht zu tragen und läuft nun in viel zu grossen Schuhen herum. Diese Episode zeige, dass Trump um sich herum ein Kultur geschaffen habe, in der niemand ihm zu widersprechen wage, sagt Militärhistoriker O’Brien. «In einem solchen Klima werden sehr schlechte Entscheid gefällt.»

Wenn Trump die Strasse von Hormus nicht öffnen kann, hat er noch diese Option: den Wegfall durch zusätzliche Produktion ersetzen. Auch das wird jedoch nicht gehen.

Trump will mit dem Kopf durch die Wand

Auf die Schnelle lassen sich zusätzlich bloss täglich 2 Millionen Fass produzieren. Aus den strategischen Ölreserven kann Trump täglich nur 3 bis 4 Millionen Fass herausholen. Trump mag also drohen, fluchen und sonst wie mit dem Kopf durch die Wand wollen: Laut Blanchard werden der Weltwirtschaft auf längere Zeit um die 15 Millionen Fass fehlen.

A man walks along the shore as oil tankers and cargo ships line up in the Strait of Hormuz, seen from Khor Fakkan, United Arab Emirates, Wednesday, March 11, 2026. (AP Photo/Altaf Qadri)
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Wer wagt die Durchfahrt? Ein Mann geht entlang der Küste der Strasse von Hormus mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.Bild: keystone

Wenn Trump gegen die Wand knallt, wird der Markt spielen. Im Ökonomen-Jargon sinkt die Nachfrage so weit, bis sie wieder dem Angebot entspricht und das Marktgleichgewicht hergestellt ist. Die Börsianer sprechen lieber von «Nachfrage-Zerstörung».

Der Ölpreis steigt so hoch, dass Autofahrer den Bus nehmen und Ferienreisende nicht mehr den Flieger, sondern den Zug ins Nachbarland. Unternehmen mit hohem Ölverbrauch stellen weniger Waren her oder geben gar auf. Shopper shoppen weniger, weil ihnen weniger Geld dafür bleibt. Und so weiter und so fort. Bis am Ende die gesamte Wirtschaft im dümmsten Fall in einer Rezession landet.

Damit ist die grosse Frage, wie hoch der Ölpreis steigen muss, bis weltweit pro Tag um die 15 Millionen Fass Öl weniger verbraucht werden? Und die Antwort ist laut Blanchard eben: «Bis auf 150 bis 200 Dollar pro Barrel – oder mehr, aber ich zögere, höhere Zahlen zu nennen.»

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Haarspalter
17.03.2026 21:48registriert Oktober 2020
„bis weltweit pro Tag um die 15 Millionen Ölfässer weniger verbraucht werden“

Dann erfüllen wir dank Trump die von ihm gekündigten Pariser Klimaziele doch noch.

Der wird wird stämpfeln wie das Rumpelstilzchen.
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Pilu
17.03.2026 21:59registriert Januar 2025
Hat ja auch sein gutes - Motivation von Öl wegzukommen. Wären wir da bloss schon weiter. Dann gäbe es einen Grund weniger, erpressbar zu sein.
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bokl
17.03.2026 21:50registriert Februar 2014
Tja, eine weile konnte der Trump-Clan noch von den Reserven der Vorgänger zehren. Doch langsam zeigen sich die Konsequenzen ihrer Handlungen.

Ist wie wenn ein Bahnunternehmen nichts mehr in den Unterhalt investiert. Es kommt nicht unmittelbar zu Unfällen, aber wenn es soweit ist kommt man mit reparieren nicht mehr nach.
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